Kirche begrüsst Debatte um Staat und Religionen

Die Katholische Kirche im Kanton Zürich begrüsst die durch den Regierungsrat angestossene Debatte um das Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaften. Erfreut nimmt sie zur Kenntnis, dass auch die Kantonsregierung die Bedeutung religiöser Überzeugungen für die Gesellschaft unterstreicht und den Beitrag der Religion zu einem friedlichen und solidarischen Zusammenleben würdigt.
Kirche begrüsst Debatte um Staat und Religionen

Medienkonferenz zu Kirche-Staat mit Jacqueline Fehr (Mitte). Foto: Simon Spengler

Der Regierungsrat anerkennt die öffentliche Rolle von Religion. Die staatlich zugesicherte Glaubens- und Gewissensfreiheit garantiert, dass religiöse Überzeugungen auch öffentlich bezeugt werden dürfen. Jede Religion kann aber auch für Unfrieden und Gewalt missbraucht werden. Es ist deshalb richtig, dass der demokratische Rechtsstaat religiösen Aktivitäten dort Grenzen setzt, wo sie das friedliche Zusammenleben gefährden. Die staatliche Rechtsordnung stellt den verbindlichen, für alle Kirchen und Religionsgemeinschaften gleich geltenden Masstab dar.

Das System der öffentlich-rechtlichen Anerkennung
Die öffentlich-rechtliche Anerkennung der Evangelisch-reformierten Landeskirche, der Römisch-katholischen Körperschaft und der Christkatholischen Kirchgemeinde hat das ökumenisch-freundschaftliche Verhältnis der Kirchen zueinander gestärkt und bildet einen verlässlichen Rahmen für das partnerschaftliche Verhältnis zum Staat in gemeinsamer Verantwortung gegenüber den Menschen in diesem Kanton. Mit der Anerkennung zweier jüdischer Gemeinden wurde der Kreis der anerkannten Religionsgemeinschaften erstmals über die christlichen Kirchen hinaus geöffnet. Wir danken dem Regierungsrat, dass er sich in seinen Leitsätzen auch in Zukunft diesem rechtlichen Rahmen verpflichtet weiss. 

Die Religionslandschaft im Kanton Zürich hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Zwar gehört weiterhin eine Mehrheit der Bevölkerung einer der beiden grossen Kirchen an. Aber die Zahl der Konfessionslosen sowie der Menschen mit anderen Religionszugehörigkeiten steigt deutlich an. Der Staat muss deshalb Lösungen finden, um das rechtliche Verhältnis zu den neuen Religionsgemeinschaften sinnvoll zu gestalten. Die Katholische Kirche im Kanton Zürich unterstützt die Bemühungen der Kantonsregierung mit Überzeugung.

Anerkennung weiterer Religionsgemeinschaften
Ein Schwerpunktthema der Legislatur 2015–2019 des Synodalrats ist die Anerkennung der verschiedenen orthodoxen Gemeinschaften, die im Verband Orthodoxer Kirchen im Kanton Zürich zusammengeschlossen sind. Die Synode, das Kirchenparlament, hat deshalb an ihrer Sitzum vom 7. Dezember einen jährlichen Beitrag von 50‘000 Franken zur Unterstützung dieses Verbands bewilligt. Gleichzeitig unterstützen wir auch den langfristigen Prozess der staatlichen Anerkennung muslimischer Gemeinschaften. Als ersten Schritt suchen wir gemeinsam mit dem Kanton und der reformierten Schwesterkirche nach Möglichkeiten, die muslimische Seelsorge in öffentlichen Institutionen wie Spitälern, Pflegeheimen oder Gefängnissen zu ermöglichen und zu fördern. Hierfür hat die Synode einen jährlichen Betrag von 25‘000 Franken bewilligt. Auch wenn der Weg für die muslimischen Gemeinschaften noch weit ist und die Voraussetzungen für eine öffentliche Anerkennung heute nicht gegeben sind, hält die Katholische Kirche im Kanton Zürich am Prozess der Anerkennung fest.

Hier ist die offizielle Medienmitteilung des Regierungsrates zum Nachlesen.

zuletzt verändert: 08.12.2017 12:55
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