Hohe Auszeichnung für Ingebohler Schwester Liliane

In diesem Sommer erhielt Schwester Liliane Juchli das deutsche Bundesverdienstkreuz – vor allem für ihre Verdienste in der Professionalisierung der Pflege sowie ihr Engagement in der Pflegeausbildung und -praxis. Generationen von Auszubildenden kennen ihr Pflegefachlehrbuch – genannt „der Juchli“ oder die „Juchli-Bibel.“
Hohe Auszeichnung für Ingebohler Schwester Liliane

Sr. Liliane im Garten des Theodosianums in Zürich. Foto: Kerstin Lenz

Ein Interview mit der 85jährigen Ingenbohler Schwester Liliane Juchli, die in einem Schwesternhaus des Ordens in Zürich lebt.

Wie fühlt sich es an, das Bundesverdienstkreuz erhalten zu haben?

Der deutsche Botschafter Norbert Riedel überreicht Liliane Juchli das Bundesverdienstkreuz | © zVgSr. Liliane: Ich habe ja inzwischen einige Preise bekommen. Ein erster Gedanke war: Schon wieder ich! So viele hätten es verdient. Gerade in der Pflege, die so herausfordernd ist. Denn die Liliane-Juchli-Bibel war nicht die Hauptbotschaft. Es ging mir immer um den Menschen, um die Zuwendung zum Menschen. In diesem Sinn kann ich das Verdienstkreuz annehmen – stellvertretend für viele und als Chance, darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig die Pflege ist. Vom fachlichen Teil habe ich mich inzwischen weitgehend verabschiedet. Aber ich bleibe unterwegs zu Themen wie Spiritualität, Alter, Würde des Menschen.

 

Inzwischen sind sie 85 Jahre alt. Wie gehen Sie mit Ihrem Alter um?

Sr. Liliane: Wenn ich einen langfristigen Termin annehme, dann sage ich immer dazu: wenn ich gesund bleibe, weil wir die Gesundheit nicht im Griff haben. Manchmal sagt mir der Körper, dass ich alt bin. Das Alter ist eine Realität, eine täglich wiederkehrende Herausforderung. Ich muss lernen, mit Verlust zu leben. Das fällt mir leichter, wenn ich mit jungen Leuten zu tun habe und immer wieder erfahren darf, dass viele dieser Jungen auch heute noch spüren: «Hier können wir etwas mitnehmen» – ein Sämchen meiner Botschaft. Manche wollen mich einfach nur grüssen, mir nah sein, gar nicht unbedingt Fragen stellen. Deswegen ist das Alter für mich auch schön. Das ist so wie bei Grosseltern: Sie können den Enkelkindern noch viel mitgeben. Auch die Bücher sind meine Kinder, hier erlebe ich gleichsam eine geistige Mutterschaft.

Wie schätzen die Situation der Pflege heutzutage ein?

Sr. Liliane: Wir sind in einer schwierigen Situation. Die Pflege ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Der Schwerpunkt liegt in der Wirtschaftlichkeit. Dies ist Realität, da kommen wie nicht drum rum. Wir müssen aber auch die Ökonomie der Werte im Auge behalten. Die Beziehung zum Menschen zum Beispiel, auf ihr gründet all unser Handeln. Es reicht nicht, eine pflegerische Handreichung fachgerecht zu verrichten. Die ganzheitliche Pflege am Krankenbett ist wichtig – das ist mein Anliegen. Zur Professionalität gehört eben auch die Nächstenliebe. Diese macht den Beruf in der Pflege zu mehr als nur einem Job.

Wann haben Sie zu Ihrer Berufung gefunden?

Sr. Liliane: Bereits mit 17 Jahren erfuhr ich den inneren Ruf: Ich wollte mein Leben für Gott, im Dienst an den Menschen leben. Mein Wunsch war es, in den Missionen zu wirken. «Dann musst du ins Kloster», sagte der Pfarrer, denn Frauen hatten für ein eigenständiges Leben damals noch keine Möglichkeit. Ein Angebot für junge Frauen in der Standeswahl, so hiess es damals, brachte den Auslöser. Nach meiner Ausbildung als Krankenschwester trat ich mit 23 Jahren ins Kloster ein, legte 1959 die Profess ab und wurde schon bald als Lehrerin an unsere Schwesternschule gerufen. Es kam also anders, als ich mir mein Leben in den Missionen vorgestellt hatte. Ich habe mein Leben nie geplant, es hat sich ergeben, und ich kann heute sagen: es ist gut so. Wenn die Berufung echt ist, gehört die Gewissheit mit dazu: «Ich habe mich für diesen Weg entschieden.» Genauso wie man sich für Ehe und Kinder entscheidet, gilt es, seiner Berufung treu zu bleiben.

www.kloster-ingenbohl.ch

 

zuletzt verändert: 31.08.2018 09:45