Katholische Frauenpower: eine Präsidentin für Zürich

An ihrer Sitzung vom 12. April hat die Synode Franziska Driessen-Reding als erste Frau in der 55jährigen Geschichte der Körperschaft zur Synodalratspräsidentin gewählt. Die bisherige Vizepräsidentin der Exekutive erhielt 54 Stimmen, ihr Kollege Daniel Otth 41 Stimmen.
Katholische Frauenpower: eine Präsidentin für Zürich

Mit Franziska Driessen-Reding steht dem Synodalrat erstmals eine Frau vor. Fotos: Kerstin Lenz

Franziska Driessen-Reding (48) übernimmt Ende Juni dieses Jahres die Nachfolge von Benno Schnüriger, der ein Jahr vor Ablauf der Amtsdauer 2015-2019 zurücktritt. Sie wohnt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Opfikon und ist seit 2011 Mitglied im Synodalrat. Aktuell ist sie in der Exekutive für das Ressort Migrantenseelsorge verantwortlich und seit 2015 auch Vizepräsidentin.

Driessen-Redings erste Reaktion auf die Wahl: «Ich bin sehr erfreut, fühle mich geehrt, ein wenig überwältigt. Ich freue mich auf die weitere Arbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Synodalrat und darauf, als Mitglied der RKZ im Gespräch mit der Bischofskonferenz auch auf nationaler Ebene etwas bewegen zu können.» Der unterlegene Kandidat Daniel Otth zeigte sich zwar enttäuscht, meinte aber gegenüber dem Regionaljournal Zürich-Schaffhausen: «Ich habe schon viele Hahnenkämpfe erlebt. Dieser hier war der schönste.»

Die Protagonisten im Zürcher Rathaus an der Synodensitzung: Daniel Otth, Franziska Driessen-Reding und Benno Schnüriger (von links)

Als speziellen Gast durfte die Synode auf der Tribüne im Zürcher Rathaus auch den reformierten Kirchenratspräsidenten Michel Müller begrüssen. Sein Kommentar zur Wahl: «Es ist ein starkes Zeichen der Zürcher Katholiken, eine Frau als Synodalratspräsidentin zu wählen. Damit stehen bei drei der insgesamt fünf anerkannten Religionsgemeinschaften im Kanton Frauen an der Spitze.»

Auf wichtige Herausforderungen angesprochen, erachtet die neugewählte Präsidentin vier Themen als zentral:

Frauen in der Kirche
«Meine Wahl ist ein starkes Zeichen dafür, dass es Zeit ist, mit den Frauen über Frauen in der Kirche zu sprechen», meint Franziska Driessen-Reding. «Mir gefällt die Bewegung Kirche mit* Frauen, wo sich Priorin Irène vom Kloster Fahr stark engagiert. Und ich habe Alt-Abt Martin Werlen in den Ohren, der sich klar für Priesterinnen ausspricht. Ich weiss aber, dass wir uns noch etwas in Geduld üben müssen.»

Kirche wohin
«Wichtig ist für mich, dass wir eine Kirche für alle sind, eine Kirche, die sich für die Schwächsten einsetzt, alle willkommen heisst und niemanden ausgrenzt. Wir müssen nahe bei den Menschen und ihren Sorgen und Freuden sein. Wenn wir eine gestaltende Kraft in der Gesellschaft bleiben wollen, müssen wir uns künftig noch mehr anstrengen. Die Kirchenaustritte nehmen wieder zu. Es stellt sich die Frage nach der Wahrnehmung unserer Kirche in der Gesellschaft. Ich denke, dass wir künftig lauter kommunizieren müssen und den Leuten aufzeigen, was die Kirche alles leistet und anbietet.»

Die neugewählte Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding im Interview mit Nicole Freudiger, Regionaljournal ZH-SH. Video: Kerstin Lenz 

Verhältnis zur Mutterkirche und zum Churer Bischof
«Es freut mich, wenn ich an Rom denke, wie sich Papst Franziskus gegenüber der Welt verlauten lässt. Das kommt sehr erfrischend daher, es weht ein neuer Geist, der Stil überzeugt. Hingegen ist das Verhältnis mit dem Churer Bischof nicht ungetrübt. Mein Kirchenbild entspricht nicht dem, das er sich wünscht. Wir sind aber in Zürich nicht schlechtere Katholiken als anderswo. Und ich stehe dazu: Wir grenzen niemanden aus! Unsere Hoffnungen sind dementsprechend gross: Wir hoffen, dass jemand kommt, der bereit ist für das Gespräch, einer, der sich hier in Zürich zeigt und die Situation kennt.»

Migrantinnen und Migranten
Als Ressortleiterin der Migrantenseelsorge liegen Franziska Driessen-Reding die anderssprachigen Menschen speziell am Herzen: «Wir bieten ihnen in über 20 Missionen und Seelsorgestellen nicht nur eine religiöse, sondern auch eine soziale und kulturelle Beheimatung. Es ist mir aber auch wichtig, dass wir ebenso orthodoxe, jüdische und muslimische Gemeinden in ihrem Integrationsprozess begleiten, wie wir als katholische Kirche damals auf dem Weg zur Anerkennung unterstützt wurden.» Seit zwei Jahren beherbergt die Familie von Franziska Driessen-Reding einen eritreischen Flüchtling. «Ausgangspunkt dafür war das Suchen im Synodalrat nach Unterstützungsmöglichkeiten. Wir stellten schliesslich einer syrischen Familie eine Wohnung zur Verfügung. Ich merkte, dass dies nicht reicht, dass ich auch privat etwas dazu beitragen muss. Und so beschlossen wir, einen Flüchtling aufzunehmen, eine eindrückliche Bereicherung. Ebenso sind die vielen katholischen Migrantinnen und Migranten in der Zürcher Kirche eine Bereicherung für die Ortspfarreien.»

zuletzt verändert: 16.04.2018 08:55
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