Streitgespräch mit tröstlichem Ausgang: Heilige sind wir alle!

Über hundert Personen hatten sich in der Helferei Zürich erwartungsvoll zur zweiten Disputation versammelt. Gespannt darauf, wie sich Priorin Irene Gassmann, Journalist Peter Rothenbühler und Schriftsteller Pedro Lenz über Heilige und Unheilige streiten.
Streitgespräch mit tröstlichem Ausgang: Heilige sind wir alle!

Disputation in der Helferei Zürich zum Thema Heilige mit Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist (Moderator), Irene Gassmann, Priorin des Klosters Fahr, Schriftsteller Pedro Lenz und Journalist Peter Rothenbühler (v.l.). Fotos: Simon Spengler

Engagiert moderiert von Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist waren sich die drei Protagonisten zwar nicht immer einig in der Einschätzung von Hingabe, Opferrolle und Passion Heiliger und ihrer Verehrung, aber so richtig gestritten haben sie nicht.

Heilige sind denn auch für alle drei Vorbilder oder sollten es zumindest sein, die ihre Talente, ihre Kraft, ihr persönliches Potential - leidenschaftlich aber nicht fanatisch - für eine bessere, friedlichere Welt einbringen und die andere Menschen mit ihrer Persönlichkeit inspirieren.

«So betrachtet, können wir alle zu Heiligen werden, Vorbilder sind heute wichtiger denn je», ist Priorin Irene überzeugt. Aus ganz pragmatischen Gründen hat es ihr vor allem der Heilige Antonius angetan, «verhühnere ich doch immer wieder Dinge». Derweil hatte bei Pedro Lenz in jungen Jahren der Heilige Martin einen grossen Eindruck hinterlassen, weil er die 100er Note zierte, «vor allem aber, weil er sich für die Ärmsten und Randständigen eingesetzt hat. Später allerdings habe ich mich gefragt, warum Martin lediglich einen Teil seines Mantels mit dem Schwert gestenreich zerschnitten und dem Bettler nicht den ganzen Umhang überlassen hat.» Für Peter Rothenbühler ist Hans Küng ein aktueller, wenn auch nicht offizieller Heiliger und Papst Franziskus auf dem Weg zum Heiligen. Es gebe hingegen viele problematische Heilige, gerade in den letzten hundert Jahren. «Obwohl einer der populärsten Heiligen Italiens, habe ich grösste Mühe und der Kommerzialisierung der Gestalt von Padre Pio und den ganzen Rummel. Ich sehe Heilige in der Nachfolge von Jesus und seinen Idealen und nicht einfach als populäre Idole.»

Dass Heilige und ihre Verehrung etwas mit Glaube zu tun haben, darüber waren sich auch alle einig. Pedro Lenz reklamiert für sich, dass er manchmal auch gegen alle Wahrscheinlichkeit an den Knochensplitter eines Heiligen glauben will. «Das Nichtfassbare ist tief in mir drin.» Für Priorin Irene bedeuten Wallfahrtsorte eigentliche Kraftorte,  Wunder und Heilung sind eine Frage des Glaubens. Das wollte Peter Rothenbühler nicht in Frage stellen, «aber ich wehre mich gegen Schabernack».

Etwas überraschend musste dann Pedro Lenz früher als geplant die Disputation wegen einer zweiten Verpflichtung verlassen, die so nicht geplant war. Unausgesprochen stellt sich damit die Frage, welcher Heilige für Terminkollisionen zuständig ist ...

Die Disputationen finden im Rahmen des Projekts «Ökumenischer Brückenschlag zum Reformationsjubiläum» statt. Das dritte und letzte Streitgespräch nimmt am 7. März 2018 im Kirchgemeindehaus Liebfrauen das Thema Rituale auf.

Ökumenischer Brückenschlag

zuletzt verändert: 22.11.2017 11:27
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