Bistum Chur: Schutzkonzept gegen sexuellen Missbrauch

Seelische, geistige und körperliche Unversehrtheit sollen mit dem neuen Schutzkonzept des Bistums Chur geschützt werden. Missbrauchsskandale verursachen einen massiven Verlust an Vertrauen. Das neue Konzept verordnet obligatorische Massnahmen im Bereich Prävention.
Bistum Chur: Schutzkonzept gegen sexuellen Missbrauch

Triopan Warnschild: Warnt und schützt vor Gefahren_Foto_Arnold Landtwing

Das «Schutzkonzept für die seelische, geistige und körperliche Unversehrtheit der Menschen im Bereich des Bistums Chur» wurde gemeinsam vom Bistum und von der Biberbruggerkonferenz erarbeitet und verabschiedet. Als Grundlage diente das bereits bestehende Schutzkonzept des Bistums St. Gallen, das auf die Verhältnisse im Bistum Chur angepasst wurde. Weitere Bearbeitungen erfuhr das Dokument nach Konsultationen im Bischofsrat, Priesterrat, Rat der Laientheologinnen, Laientheologen und Diakone. Ebenfalls flossen verschiedene Anregungen der staatkirchenrechtlichen Körperschaften ein.

Bekämpfung von Missbrauch im kirchlichen Umfeld ist seit bald 20 Jahren ein grosses Anliegen der Verantwortlichen in der Schweiz. In dieser Zeit erkannten sie, dass reine Interventionsmassnahmen nicht ausreichen, sondern auch systematische Prävention notwendig ist. Das vorliegende Schutzkonzept setzt die Bestimmungen um, welche die Schweizer Bischofskonferenz am 1. März 2019 mit den überarbeiteten Richtlinien in Kraft gesetzt hat.

Prävention

Eine vom Bischof ernannte Präventionsbeauftragte sorgt dafür, dass in der Aus- und Weiterbildung aller Seelsorgenden das Anliegen eines professionellen Umgangs mit Nähe und Distanz ein Thema sind. Dazu gehört der Blick auf die Entwicklung einer reifen und ausgewogenen Persönlichkeit – auch im Bereich der Affektivität – der ausgewogenen Integration der Sexualität und der professionellen Prävention sexueller Übergriffe. Schulungen und Tagungen der im kirchlichen Umfeld Tätigen sollen dazu beitragen.

Voraussetzung für kirchliche Anstellung ist ein Privatauszug sowie ein Sonderprivatauszug aus dem Strafregister ohne einschlägige Vorbestrafung.

Weiterbildung

Weiterbildungen zum Thema Nähe und Distanz/Grenzüberschreitungen sind für alle in der Seelsorge Tätigen Pflicht. Organisiert werden auch Gesprächs- und Supervisionsangebote.

Intervention

Opfer von sexuellen Übergriffen werden konsequent an die neutrale und professionelle Anlaufstelle verwiesen. Bei begründetem Verdacht auf strafbare Handlung wird immer und umgehend Strafanzeige erstattet, wenn das Opfer zum Zeitpunkt der Tat minderjährig war. Bei Fällen von physischer oder psychischer Gewalt stehen die Ombudsstellen zur Verfügung. Möchte ein Opfer sich nicht an eine kirchliche Stelle wenden, stehen auch Fach- und Anlaufstellen ausserhalb der Kirche zur Verfügung.

Nachbetreuung

Jedes Opfer erhält Unterstützung in Verarbeitung, Rehabilitation und Wiederherstellung persönlicher, körperlicher und geistiger Unversehrtheit. Die entsprechenden Massnahmen erfolgen umfassend in seelsorgerlicher, ärztlicher, psychotherapeutischer, juristischer, finanzieller oder individuelle angepasster Form.

 

Sind Sie im kirchlichen Umfeld Opfer eines Übergriffs oder Missbrauchs geworden?
Melden Sie sich bei einer der unabhängigen und neutralen Anlaufstellen:

 

 

Wichtige Grundlagen-Dokumente:

 

 

zuletzt verändert: 08.04.2019 14:52
Navigation