Zwingli-Wurst, Brot des Lebens und fade Milchsuppe

Bis auf den letzten Platz besetzte Grossmünsterkirche, zwei Stunden Gedränge am Grill und leere Bierfässer. Das ökumenische Wurstessen war ein voller Erfolg.
Zwingli-Wurst, Brot des Lebens und fade Milchsuppe

Ökumenisches Wurstessen: Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist (links) verteilt mit Einsiedler-Abt Urban Federer Zwingli-Würste, hergestellt und grilliert von Gregor Brunner (hinten), katholischer Metzgermeister aus Turbenthal. Fotos: Simon Spengler

So viele Leute zum ökumenischen Gottesdienst und Wurstessen hatte Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist dann doch nicht erwartet. Die Kirche war bis auf den letzten Platz mit aufmerksamen Besucherinnen und Besuchern besetzt, die dabei sein wollten, wenn es um die Wurst geht. Nach dem Gottesdienst verteilten Pfarrer Sigrist und Abt Urban vom Kloster Einsiedeln dann vor dem Eingang zur Helferei fast zwei volle Stunden lang Wurst um Wurst an die hungrige Zürcher Christenschar.

Kirchliche Würdenträger in ökumenischer Eintracht im Grossmünster, Zürich: Abt Urban Federer, Generalvikar Josef Annen, Kirchenratspräsident Michel Müller, Pfarrer Christoph Sigrist (von links)

«Es ist eben nicht Wurst, wenn es um die Freiheit geht, meinte Sigrist mit Blick auf den Kern der Reformationsbotschaft.» Abt Urban vom Kloster Einsiedeln hatte vorher im Gottesdienst diese Botschaft noch radikalisiert: «Jesus war kein Reformator, sondern Revolutionär, der sich zu Zöllnern und Huren gesellte und davon sprach, dass neuer Wein in neue Schläuchen muss.» Generalvikar Josef Annen nahm den Ball auf, sponn den Anlass des gemeinsamen Wurstessens weiter zur gemeinsamen Feier des Abendmahls und der Eucharistie: «Ich freue mich auf den Tag, an dem sich reformierte und katholische Christen gemeinsam um den Tisch des Herrn versammeln und miteinander das Brot des Lebens teilen und aus dem Kelch des Heiles trinken.»

Unterstützung erhielt der katholische Generalvikar vom reformierten Regierungsrat Mario Fehr: «Ich bin froh, dass wir diesen Tag gemeinsam mit unseren katholischen Mitchristen begehen. Wir können uns abwechslungsweise zum Schüblig-Ziischtig und zur Zwingli-Wurst einladen. Besser schmecken als eine Kappeler Milchsuppe tut das auf jeden Fall.»

Für den Tatbeweis brauchte es zwar viel Geduld und Stehvermögen, aber letztendlich reichten die Würste tatsächlich für alle. Nur das Bier war nach den vielen trockenen Reden schnell ausgetrunken, aber es gab ja noch Wein.

Vor dem Wurstschmaus wird erst mal gemeinsam gebetet und gesungen. Der ökumenische Gottesdienst im Zürcher Grossmünster mit der Jodlermesse von Jost Marty, dargeboten vom Jodel-Doppelquartett TV Adliswil.

zuletzt verändert: 04.02.2018 15:57