Kirche aktuell

Architektur & Unendlichkeit: eine sinnliche Filmreise

Architektur & Unendlichkeit: eine sinnliche Filmreise
Informationsbeauftragter Synodalrat und stellvertretender Bereichsleiter
Aschi Rutz

Schwerpunkte: Verhältnis Kirche Staat, Kirchgemeinden, Jahresbericht und Informationsblatt

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Der Zürcher Filmemacher Christoph Schaub hat in der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Spanien kirchliche und profane Bauten besucht.
07. Februar 2019

Für ihn, die Architekten Peter Zumthor, Peter Märkli und Alvaro Siza Vieira, die Kunstschaffenden James Turrell und Cristina Iglesias sowie den Schlagzeugvirtuosen Jojo Mayer sind all diese Bauwerke sakrale Räume. Der Dokumentarfilm «Architektur und Unendlichkeit» zeigt neue Zugänge und Perspektiven zur Architektur, Spiritualität und Unendlichkeit. Wir können 4 x 2 Kinotickets gratis abgeben.

Ich sass in der Vorpremiere mit vielen anderen Interessierten im RiffRaff – ohne einen speziellen Bezug zur Architektur, mit einem Alltagsverständnis von Spiritualität, offen für Fragen zu (Un-)Endlichkeit, Leben, Tod und ohne Auftrag für eine Filmkritik. Schaub präsentierte mir einen persönlichen und universellen Film, die gezeigten Räume und Bilder haben mich berührt, die philosophischen Gespräche mit den Künstlern zum Nachdenken angeregt. Kurzum: Das Werk «Architektur und Unendlichkeit» ist ein Geschenk des Himmels respektive der Unendlichkeit. Und macht Lust, wenigstens ein paar der Bauwerke schon bald selbst zu besichtigen.

Drei sakrale Bauten und drei Aussagen im Film haben es mir speziell angetan. Da ist einmal die Bruder Klaus-Feldkapelle (2007) in Wachendorf am Nordrand der Eifel, die der Architekt Peter Zumthor mitten im Grünen entworfen hat. Ein Bauernehepaar gab ihm den Auftrag, als Dankeschön für die gute Gesundheit dem Herrgott eine Feldkapelle zu bauen. Entstanden ist ein freistehender Bau zwischen Äckern und Wiesen, ein meditativer Raum, der spiralförmig den Blick zum Himmel öffnet.

Foto: Thomas Mayer

 

Foto: fotocommunity.de

 

Architekt Peter Zumthor

 

 

 

 

 

 

 

Durch ein Himmelsloch lässt uns ein weiteres Werk ins All, in die Unendlichkeit blicken: der Skyspace «Piz Uter» (2005) des Künstlers James Tyrell in Zuoz. Interessant, was Tyrell zu Kunst, Kirche und Spiritualität im Film sagt: «Vielleicht ist Kunst und was Künstler und Architekten hervorbrachten, viel mehr Kirche, als was aus den Federn von Priestern und Gelehrten stammt. Wer kann schon Spiritualität für sich beanspruchen?»

 

Foto: OAP Offermann Architektur & Projekte

Künstler James Turrell

 

Schliesslich entführt mich der Film auch ins Tessin nach Giornico zum Museo La Congiunta (1992) des Zürcher Architekten Peter Märkli – Gänsehaut garantiert. Dann nämlich, wenn in den Gemäuern dieses Bauwerks der Schlagzeugvirtuose Joja Meyer mit seinem Auftritt Architektur und Musik zu Seelenverwandten macht. Der Frage nach der Unendlichkeit nachgehend, verweist Märkli auf den Theologen und Philosophen Nikolaus von Kues aus dem 15. Jahrhundert: Das Universum könne so beschrieben werden, dass der Mittelpunkt überall sei und die Grenze nirgends. Und dann sagt Architekt Märkli noch diesen einen Satz zur Unendlichkeit, der mich nachdenklich, entspannt und beflügelt aus dem Kino laufen lässt: «Der Trost ist, dass Du keine Gewissheit hast.»

Architekt Peter Märkli

Schlagzeuger Joja Mayer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie können sich also freuen auf ein magisches Kinoerlebnis. Ein zugleich kunstvoller, philosophischer und zutiefst sinnlicher Dokumentarfilm, der am 61. DOK Festival Premiere feierte und wohltuend ganz ohne Gewalt, Leid und Action auskommt. Und trotzdem spannend ist. Seit einer Woche wird das Werk offiziell in den Schweizer Kinos gezeigt. Mit etwas Glück (first come first serve) können Sie hier maximal zwei Gratis-Kinotickets bestellen: info@zhkath.ch. Achtung: Diese Tickets gelten samstags sowie an Sonn- und Feiertagen nicht!

 

Filmemacher Christoph Schaub

«Architektur und Unendlichkeit» ist nicht der erste Film von Christoph Schaub zum Thema Architektur. In dieser Reihe sind u.a. die dokumentarischen Werke «Il project Vrin» (1999), «Die Reisen des Santiago Calatrava» (2000), «Die Kunst der Begründung» (2002) und «Bird’s Nest» (2008) erschienen. Schaub hat aber auch Spielfilme gedreht: So u.a. «Stille Liebe» mit einer gehörlosen Nonne (2001), die beiden Komödien «Sternenberg» (2004) mit dem 2015 verstorbenen Schauspieler Mathias Gnädinger und «Giulias Verschwinden» (2009) mit Bruno Ganz oder zuletzt den rätoromanischen Heimatfilm «Amor Senza Fin» (2018).

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