Kirche aktuell

Zum Teufel mit der Fasnacht!

Zum Teufel mit der Fasnacht!
Arnold Landtwing
Author
10. Februar 2015

Kaum sind die drei Könige weitergezogen, fallen die Narren ein und machen sich breit. Möglichst monströs in Verkleidung und kakofonisch in Klängen verbreiten sei eine Stimmung, die sie selber als lustig und unterhaltsam definieren. Schon im ersten Satz wird deutlich: Fasnacht ist nicht meine Jahreszeit. Definitiv nicht. Ich teile die Begeisterung und die Leidenschaft vieler für die verrückteste Zeit des Jahres nicht. Was ich jedoch mit Respekt zur Kenntnis nehme und an vielen Orten auf ganz neue Weise entdecke: Spannend sind die uralten Rituale und Hintergründe schon allein aufgrund der Verschiedenheit.

Teufelsmaske (3)

Fasnacht Einsiedeln_Teufel (3)_FOTO_Arnold Landtwing

Oftmals geht es um uraltes Kulturgut und Bräuche, die gepflegt und erhalten werden. In diesem Fall ist es immer verbunden mit ganz klaren Regeln, die genau beachtet und weitergegeben werden. Lärmend, Treicheln schellend und maskiert geht es darum, die Geister des Winters zu vertreiben, damit Frühling werden kann. So begegnet einem ausgerechnet im Klosterdorf Einsiedeln der Teufel: mit langen, verdrehten Hörnern, heraushängender Zunge, einer Mistgabel und einer langen Kette, die er rasselnd hinter sich herschleift.

Die maskierte Wahrheit

Dieses Bild nehme ich auf und stelle fest: Die Fasnacht hat tatsächlich etwas Dämonisches. Da laufen ansonsten todernste und biedere Zeitgenossen plötzlich zu Hochform auf. Sie kommen richtig aus sich heraus und hauen auf den Putz, schliesslich ist die Fasnacht dazu da, Grenzen in mancherlei Hinsicht zu überschreiten. Im fasnächtlichen Treiben, versteckt hinter einer Maske, zeigen viele erst ihr wahres Gesicht. Oftmals eröffnen sich tiefste Abgründe. Dabei haben wir das ganze Jahr durch die närrische Freiheit die Wahrheit und die eigene Meinung zu sagen.

Welche Maske tragen wir im Alltag?

Tragisch oder eben auch dämonisch wird es im Alltag ausserhalb der Fasnachtszeit, wenn ein freundliches Gesicht aufgesetzt wird, im Innern jedoch eine Fratze lauert: egoistisch, zynisch und menschenverachtend. Deshalb ist es zuweilen erschreckend wie heilsam, wenn Masken fallen und der wahre Kern zum Vorschein kommt. Sei dies bei Menschen, wirtschaftlichen oder politischen Organisationen und auch in der Kirche.

So hält uns die Fasnacht gnadenlos einen Spiegel vor, welche Abgründe in uns lauern. Darum ist es auch gut, dass es sie gibt: Denn wenn ich beim Blick in den Spiegel einen Fremden sehe, kann dies durchaus einen heilsamen Schrecken auslösen.