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Zürichs Schutzheiligen auf der Spur (2) - Heute: in der Linthebene

Zürichs Schutzheiligen auf der Spur (2) - Heute: in der Linthebene
Redaktionsteam
Katholische Kirche im Kanton Zürich
Die Beiträge im Blog geben die Haltung der Autoren wider und müssen nicht in jedem Fall mit der offiziellen Haltung der kirchlichen Körperschaft übereinstimmen.
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13. September 2014

Nach den dreissig Kilometern des ersten Tages verdichtet sich nicht nur der Regen, sondern auch die Gedanken. Ulrike Nitzschke lässt im Blog an Freud und Leid, an Krisen und Aufbrüchen teilhaben.

Vergiss dich selber, dann kann etwas werden

Kopflos hängen sie an der Wand – Regula und Felix in der nach ihnen benannten Kapelle oberhalb von Uetliburg . Rechts und links vom Altar halten die beiden aus Holz geschnitzten Figuren ihre Köpfe in Händen. Blutverschmiert sind ihre Hälse. Man möchte wegsehen. Und ist doch gebannt. Pepe Kohler sucht nach einer Erklärung.

Immer wieder wird der Glarner Pfarrer und Initiant des Felix-und-Regula-Pilgerweges nach dem Sinn dieser Darstellung gefragt. Dann erzählt er die Legende. Und von deren Symbolkraft. Mit dem Kopf durch die Wand – das habe doch jeder schon und nicht nur einmal wollen. Absolut überzeugt von der eigenen Idee. Oder von der schier unabänderlichen Situation. Da kann man doch nichts machen.

Kann man doch.„Es geht anders“, meint Pfarrer Kohler und empfiehlt, Sorgen und Ängste mutig beiseite zu schieben. Mit Gottvertrauen Platz zu machen für Neues.

„Vergiss Dich selber, dann kann etwas werden.“

Sicherheit aufgeben um aufrecht gehen zu können

Ich denke an die Gespräche unterwegs. Wie gut spricht sich beim Laufen aus, worüber man vielleicht schon lange gegrübelt hatte. Da ist der Endfünfziger. Er hat eine gute Position aufgegeben. Und mit ihr auch Sicherheit. Um wieder aufrecht gehen zu können. Er begibt sich auf den Arbeitsmarkt und erfährt, seine Berufserfahrung ist nicht gefragt. Das hat ihn beinahe aus der Bahn geworfen. Dann nimmt er eine Stelle auf Zeit an, teilt Verantwortung mit Kollegen und fühlt sich endlich wieder wohl. In seinem Beruf. Im Alltag. Im Leben.
Das motiviert. Es macht Sinn, Risiken einzugehen. Risiken, die gar ein grösseres verhindern können. Das, die Gesundheit zu ruinieren.

Wenn ich mich verbiege, leidet auf Dauer nicht nur meine Wirbelsäule. Eines Tages auch meine Seele. Doch ich kann die eingefahrenen Gleise verlassen. Muss mich nicht ängstlich daran festklammern. Es gibt andere Wege. Auswege. Lösungen.

Bänkli bei Wegkreuz

Wegkreuz bei Schänis FOTO Ulrike Nitzschke

Pepe Kohler meint noch mehr. Spricht von Gottes Wegen. Der Nachfolge Jesu. Loslassen, um seine Wege einzuschlagen. Wer liebt, kenne das. Wer liebt, gehe gern einen Schritt von sich weg, auf den anderen zu.

„Vergiss dich selber – lass Gottes Geist wirken.“

Apfelbaum

Herbst, Zeit der Ernte FOTO Ulrike Nitzschke

Es regnet immer mehr an diesem zweiten Pilgertag. Zudem macht der Asphalt in der Linthebene müde. Manches ist nicht so glänzend wie beim ersten Pilgerweg. Nach dem gelungenen Start im vergangenen Jahr sind nun die Mühen der Ebene zu meistern. Heisst es, sich selbst einzubringen. Und sei es, kehrt zu machen, zurückgebliebenen Pilgern auf den Weg zu helfen. Sie für das Ziel zu motivieren. Gemeinsam der Ernte dieser Auszeit entgegen zu laufen.

Text und Fotos: Ulrike Nitzschke