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Wir sind Kirche! Meine Erfahrungen als Synodaler

Wir sind Kirche! Meine Erfahrungen als Synodaler
Redaktionsteam
Katholische Kirche im Kanton Zürich
Die Beiträge im Blog geben die Haltung der Autoren wider und müssen nicht in jedem Fall mit der offiziellen Haltung der kirchlichen Körperschaft übereinstimmen.
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01. Mai 2015

von Haymo Empl, Synodaler aus Winterthur

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Die Churer Bistumsleitung sorgt seit Jahren immer wieder für – je nach Sichtweise – unrühmliche Schlagzeilen: Angedrohte Sanktionen gegen die Unterzeichner der Pfarreiinitiative, den Ausschluss von geschiedenen Wiederverheirateten von den Sakramenten, die Bezeichnung der Homosexualität als psychische und physische Störung oder die vorgesehene Entlassung des Pfarrers von Bürglen wegen seiner Segnung eines Lesbenpaares. Nicht verwunderlich beträgt die Zahl der Austritte aus der Katholischen Kirche in Winterthur im Durchschnitt der letzten fünf Jahre 288 Personen pro Jahr. Das ist bei einer Gesamtzahl von 26 000 Katholiken in Winterthur nicht viel, etwas über 1%.

Doch es schmerzt.

Die negativen Schlagzeilen überdecken die vielfältigen Leistungen der Kirche zugunsten von Benachteiligten, von Kranken, Ratsuchenden, in Projekten für Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Die Hilfestellung erfolgt in Winterthur auf der Ebene der Pfarreien, der Kirchgemeinde, für überregionale Aufgaben durch die Katholische Kirche im Kanton Zürich.

Synode

Fraktion Winterthur der Synode: Haymo Empl sitzt in der Mitte der Reihe am Fenster

Ich bin Mitglied des Kantonalen Kirchenparlamentes, der Synode. Gemäss Kirchenordnung ist es unsere Aufgabe, „im Kanton Voraussetzungen für eine lebendige Kirche zum Wohle der Menschen zu schaffen.“ Die Leistungen von kirchlichen Organisationen und Einzelpersonen werden jeweils in einem Jahresbericht festgehalten. Er wird, zusammen mit der Rechnung, an unserer nächsten Synodensitzung vom 18. Juni 2015 diskutiert und verabschiedet. Die finanzielle Unterstützung der Katholischen Kirche allein für den Bereich Diakonie und Soziales betrug im vergangenen Jahr auf Kantonsebene knapp 18 Mio Franken. Dazu kommen die Leistungen der 30 Katholischen Kirchgemeinden im Kanton Zürich auf lokaler Ebene.

Ein wichtiger Partner der katholischen Kirche im Kanton Zürich ist die Caritas. Sie hilft armutsbetroffenen Menschen mit vielfältigen Angeboten und fokussiert ihre Hilfe insbesondere für Familien. Zusätzlich unterstützt die Kirche die Dargebotene Hand, die kirchliche Fachstelle bei Arbeitslosigkeit, die Paulus-Akademie usw. Sie finanziert auch die Gefängnis-, Spital-, Bahnhof- oder Migrantenseelsorge, teilweise gemeinsam mit der Reformierten Kirche, in ökumenischer Zusammenarbeit. Es ist nicht möglich, die vielfältigen Leistungen in einem kurzen Abschnitt zu würdigen.

Ein weiteres Geschäft der Synodensitzung vom 18. Juni 2015 ist der Antrag, die ökumenische Paarberatung in 11 Bezirken unseres Kantons mit jährlich 800 000 Franken zu unterstützen. Es gibt keine Zweifel, dass die Synode dem Antrag zustimmen wird. Die Kirche sieht sich verpflichtet, Eheleute auch nach der Trauung in schwierigen Situationen zu begleiten.

Nach acht Jahren Tätigkeit in der Kirchenpflege Winterthur und weiteren acht Jahren als Mitglied des Kantonalen Kirchenparlamentes gebe ich alle Behördentätigkeiten altershalber auf. Trotz negativer Schlagzeilen: Viele Menschen setzen sich für eine offene, den Menschen zugewandte Kirche ein.