Kirche aktuell

«Wir müssen auch künftig tüchtig rudern.»

«Wir müssen auch künftig tüchtig rudern.»
Aschi Rutz
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23. Juni 2014

Mit Panta Rhei und Stadtmusik auf die Ufenau

Freitag, 13. Juni 2014: Der katholische Stadtverband Zürich und seine Kirchgemeinden feiern ihr offizielles 50-Jahr-Jubiläum mit einer Schifffahrt und einem Festgottesdienst auf der Insel Ufenau. Zusammen mit über 300 Gästen bin ich zum Festanlass eingeladen.

13:20 Uhr, Bürkliplatz/Zürich: Die Geladenen trudeln einzeln und in Gruppen an der wichtigsten Anlegestelle der Zürichsee-Schiffe ein. Köpfe recken sich, halten Ausschau nach der Panta Rhei, die sich noch in der Werft Wollishofen versteckt hält. Bereits in Stellung gebracht haben sich vor dem Ticketschalter die meisten Instrumente der Stadtmusik Zürich. Für eine halbe Stunde gehört die Aufmerksamkeit auch der vielen Touristen ihnen.

Stadtverbandspräsident Bruno Graf inmitten von Gästen (oben); Panta Rhei fährt an den Steg (unten links); Stadtmusik Zürich spielt auf (unten rechts)

Stadtverbandspräsident Bruno Graf inmitten von Gästen (oben); Panta Rhei fährt an den Steg (unten links); Stadtmusik Zürich spielt auf (unten rechts)

Punkt 14 Uhr fährt die Panta Rhei («Alles fliesst») mit der Jubiläumsschar samt Stadtmusik Zürich los. Ziel ist die geschichtsträchtige Insel Ufenau, mit etwas mehr als 11 Hektaren die grösste Insel der Schweiz. Diese ist seit 965 im Besitz des Klosters Einsiedeln und öffentlich zugänglich. Stadtverbandspräsident Bruno Graf begrüsst die Gäste über Lautsprecher zum Apéro und meint mit Blick auf den Schiffsnamen:

«Alles fliesst. Alles bewegt sich fort und nichts bleibt, oder anders: nichts ist für alle Zeit erreicht oder gegeben, alles will ständig neu erschaffen und errungen werden. Wir alle haben Verantwortung für unsere christlichen Kirchen, für eine christliche Gesellschaft, für ein christliches Land, übernommen. Darum müssen wir auch diese Herausforderung annehmen und uns mit dem Fluss der Zeit  bewegen.»

Graf gedenkt der vielen, die sich damals mit unermüdlichem Einsatz für die Anerkennung der katholischen Kirche als Körperschaft und den Aufbau der Kirchgemeinden und des Verbandes eingesetzt haben. Er dankt allen Anwesenden für ihr treues und engagiertes Wirken und meint mit Verweis auf den Abstimmungserfolg vom 18. Mai dieses Jahres:

«Die Stimmbürger haben die Bedeutung der christlichen Gemeinschaften und die von diesen erbrachten Leistungen in unserer erfolgsverwöhnten Gesellschaft erkannt und anerkannt. Ich bin überzeugt, dass grosse Teile unserer Mitmenschen die Bedeutung christlicher Werthaltungen nicht nur aus heimeliger Erinnerung an christliche Kindheitserlebnisse anerkennen, sondern aus mündiger und durchaus kritischer Einschätzung.»

Claudia Bretscher, ref. Stadtverband und Bruno Graf, kath. Stadtverband (links): Pflege der Ökumene und solidarisches Handeln sind uns wichtig. Claudia Bretscher: Wir freuen uns, mit dem katholischen Stadtverband weiterhin gut zusammenzuarbeiten. Bruno Graf: Wir wollen für die ganze Stadt Zürich Zeichen der frohen Botschaft setzen.

Claudia Bretscher, ref. Stadtverband und Bruno Graf, kath. Stadtverband (links): Pflege der Ökumene und solidarisches Handeln sind uns wichtig.
Claudia Bretscher: Wir freuen uns, mit dem katholischen Stadtverband weiterhin gut zusammenzuarbeiten.
Bruno Graf: Wir wollen für die ganze Stadt Zürich Zeichen der frohen Botschaft setzen.

Die Panta Rhei erreicht die Anlegestelle der Insel Ufenau. Viele packen die mitgeführten Regenschirme aus, tobt doch in unmittelbarer Nähe ein veritables Gewitter. Der Schiffs-Kapitän und seine Crew fordern die Gästeschar zum Warten auf. Als wäre alles nur ein Spuk gewesen, gelangen wir 20 Minuten später trockenen Fusses auf die Ufenau. Viele nutzen die Führung auf der Insel zur Kirche St. Peter und Paul und ihrer Umgebung, andere gönnen sich im Schatten der Bäume ein erfrischendes Bier. Es bleibt gebügend Zeit zum Plaudern und Verweilen, und die Stadtmusik organisiert sich neu für die Begleitung des Gottesdienstes.

Ankunft bei der Anlegestelle Ufenau (oben rechts) Kirche St. Peter und Paul auf der Insel Ufenau (oben rechts) Ein erfrischendes Bier am Schatten (unten links) Stadtmusik Zürich macht sich bereit für den Gottesdienst (unten rechts)

Ankunft bei der Anlegestelle Ufenau (oben rechts)
Kirche St. Peter und Paul auf der Insel Ufenau (oben rechts)
Ein erfrischendes Bier am Schatten (unten links)
Stadtmusik Zürich macht sich bereit für den Gottesdienst (unten rechts)

Generalvikar Josef Annen zelebriert zusammen mit den Co-Dekanen der Stadt Zürich, Othmar Kleinstein und René Berchtold, den feierlichen Gottesdienst auf einer überdachten Bühne auf der Wiese. Die Sonne brennt heiss auf die Insel, die auch wettermässig zur Insel wird.

In seiner Festpredigt spricht Josef Annen als Erstes die Ökumene an:

«Zur Zeit der Reformation hat der Humanist Ulrich von Hutten auf der Ufenau Zuflucht gefunden. Und es war kein geringer als Huldrych Zwingli, der Hutten Asyl auf der Insel geboten hat. Mit diesem Ereignis ist auch schon die Brücke geschlagen zu unseren reformierten Schwestern und Brüdern. Sie möchte ich in unserer Mitte besonders begrüssen und ihnen für ihr Dasein danken. Längst verbindet uns mehr als uns trennt.»

Festprediger Generalvikar Josef mit aufmerksamen Zuhörenden

Festprediger Generalvikar Josef mit aufmerksamen Zuhörenden

Nicht von ungefähr, so Annen weiter, finde der Jubiläumsanlass, das Zurückblicken und Innehalten, auf der symbolträchtigen Ufenau statt. Die Legende erzähle, dass sich im 10. Jahrhundert schwäbische Adelige auf der Ufenau niedergelassen hätten, Reginlinde und ihr Sohn Adelrich, der vom Volk als Heiliger verehrt wurde. In der Folge sei die Ufenau über Generationen zu einem Ort geworden, wo die Menschen hingepilgertt seien und bei Herausforderungen ihres Lebens nach Gott Ausschau gehalten hätten.

Mit Bezug auf das Evangelium meint Josef Annen:

«Der Evangelist Markus berichtet, wie Jesus mit den Jüngern im Boot über den See ans andere Ufer gefahren ist. Dabei erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, das Boot begann sich mit Wasser zu füllen. Die Jünger gerieten in Panik, Jesus aber schlief hinten im Boot. Soweit der äussere Vorgang.
Die Botschaft des Evangeliums, die gute Nachricht für uns ist eine Doppelte. Erstens: Gott steht über den Wasserfluten, dem Sturm, dem Chaos, aller Bedrängnis. … Das ist die erste Botschaft: Gott ist da inmitten aller Stürme und reisst uns aus aller Angst. Er lässt uns nicht untergehen.
Und die zweite lautet: Habt Vertrauen. Ich bin da.»

Zum Schluss dankt Generalvikar Annen allen, die sich in Kirchenpflegen und im Stadtverband für die Kirche eingesetzt haben und sich weiterhin engagieren. Wir seien herausgefordert, auch künftig tüchtig zu rudern.

«Wir dürfen im Bild vom Boot auf dem stürmischen See mit den Jüngern und Jesus auch unsere eigene Kirche erkennen. Die Kirche gleitet nicht wie die Panta Rhei auf ruhiger See dahin. Der christliche Glaube und das kirchliche Leben sind und bleiben angefochten. Wer Jesus nachfolgt, wird herausgefordert, die Kirche muss sich den gesellschaftlichen Anfragen stellen. Wir müssen die Ruder selber in die Hand nehmen und das Schiff der Kirche durch alle Wogen und Stürme führen. Diese Aufgabe nimmt uns Jesus nicht ab. Er schläft mitten im Sturm, aber er ist da.»

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Zurück auf dem Schiff wird uns von der überaus aufmerksamen und behenden Restaurantcrew ein feines Nachtessen serviert, derweil sich die grauen und schwarzen Wolken wieder auftürmen und kurz vor Zürich mächtig entladen. Am Bürkliplatz angekommen, entlässt die Panta Rhei als jüngstes Mitglied der Zürichsee-Flotte alle Gäste wohlbehalten und ohne Regen in den Abend.

Zurück auf die Panta Rhei: Einstieg der Gäste unter düsteren Wolken (rechts oben); Transport von Instrumenten der Stadtmusik Zürich mit dem Traktor Andreas Meile, Geschäftsführer des Stadtverbandes: Wir sind dankbar, dass so viele am Jubiläumsfest dabei waren (rechts)

Zurück auf die Panta Rhei: Einstieg der Gäste unter düsteren Wolken (rechts oben); Transport von Instrumenten der Stadtmusik Zürich mit dem Traktor
Andreas Meile, Geschäftsführer des Stadtverbandes: Wir sind dankbar, dass so viele am Jubiläumsfest dabei waren (rechts)

Reich an attraktiven Begegnungen und eindrücklichen Bildern mache ich mich auf den Heimweg und sinniere:

Besser orchestrieren mit Markus-Evangelium, Wetterspektakel und Stadtmusik hätte sich die von vielen guten Geistern toll organisierte Jubiläumsschifffahrt wahrlich nicht. Herzlichen Dank.

www.kirche-zh.ch
www.ufenau.ch