Kirche aktuell

Wie geht katholisch in Zürich?

Wie geht katholisch in Zürich?
Arnold Landtwing
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08. März 2016

Nach Feierabend kehrt Leben ein im stimmungsvollen Gewölbe des Salomonkellers. Nur ein paar Schritte von der lauten und schrillen Ausgehmeile des Niederdorfs entfernt, treffen sich sieben Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Spanne reicht vom smarten Jusstudenten über die zweifache Mutter bis zur lebenserfahrenen Seniorin. Gemeinsam ist ihnen die Suche nach etwas, wovon sie nicht genau wissen, was es ist – und auf das sie trotzdem neugierig sind: der Glaube an Jesus Christus, die Grundlagen der Lehre der katholischen Kirche. Ich habe die Gruppe besucht und eine Stunde lang zu Motivation, Hoffnungen und Erkenntnissen befragen können.

Glauben suchen - Halt finden_(2)_FOTO_Arnold Landtwing

Die Gretchenfrage: warum genau ein katholischer Kurs?

Bei meinem Besuch interessierte mich natürlich zuerst die Gretchenfrage, wie die Personen mit ihren vielfältigen Hintergründen ausgerechnet diesen Kurs gefunden haben. Der erste, der antwortet, ist ein 50-jähriger reformierter Mann.

Er wollte es einfach genauer wissen, was katholisch ist, und hat über das Internet den Kurs gefunden. Im Kontakt und in der Diskussion mit dem Seelsorger kam er zur Überzeugung, dass er seinen Wissensdurst löschen muss.

Cherchez la femme – oder: Die Freundin: Bei anderen Männern in der Runde war es die Freundin, welcher der persönliche Glaube wichtig ist und deren Haltung neugierig gemacht hat. Getauft sind längst nicht alle, die am Tisch sitzen, sei es, dass die Eltern den Entscheid dafür damals bewusst dem Kind überlassen wollten oder die Person in einem anderen, nichtchristlichen Kulturkreis aufgewachsen ist.

Bedürfnis nach Verbindlichkeit

Ein wichtiges Motiv, den Kurs zu besuchen, war das Bedürfnis nach Verbindlichkeit. Wer vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten ist und sich entschieden hat, den Faden wieder aufzunehmen, bekam ihn über die Begegnung und das Gespräch mit einem Seelsorger vor Ort wieder in die Hand.

Gerade im Fall eines Wiedereintretens in die Kirche ist das Bedürfnis „nach einem Mehr im Bekenntnis“ erfahrungsgemäss sehr gross.

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Zwei der Taufbewerber in der Runde sind sehr überrascht, wie sie die katholische Kirche kennenlernen: mit menschlicher Wärme, Natürlichkeit und mit dem Leben in der Welt vertraut. Überrascht hat sie auch die Entdeckung, dass vorwiegend jüngere Menschen unterschiedlichster Herkunft sich auf dem gleichen Weg befinden.

Ein Kursteilnehmer mit asiatisch-schweizerischem Hintergrund ist religionslos aufgewachsen. Er sagt:

„Ich habe eine „Schwäche“ für traditionelle Rituale. Die grosse Frage die mich beschäftigt lautet; Wo gehöre ich hin?“.

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Die junge Mutter in der Runde hat neben dem eigenen Bedürfnis auch die Zukunft der Kinder vor Augen: „Ich bin extrem froh, diesen Kurs gefunden zu haben. Noch nie habe ich so viel über die katholische Kirche gelernt wie hier. Die Auseinandersetzung ist sehr intensiv und es ist spannend, andere Meinungen zu hören. Mein Beweggrund ist es auch, meinen Kindern dieses Wissen mit auf den Weg zu geben.“

Perlen der Erkenntnis

Überrascht hat die Auseinandersetzung mit den 10 Geboten: Dass die Interpretation und das konkrete Übersetzen ins Leben so herausfordernd und vielfältig sein kann, haben nicht alle erwartet. Der historisch Interessierte in der Runde ist fasziniert mit der Auseinandersetzung der geschichtlichen Wahrheitsfindung in der Frage der Inquisition und der Hexenverfolgung.

„Die katholische Kirche ist viel zeitgemässer als man gemeinhin annimmt und aufgeklärter als viele Vorurteile besagen“ brachte es ein Teilnehmer abschliessend auf den Punkt.

Was an diesem Abend auch deutlich wurde: Die katholische Kirche darf und soll viel offensiver mit solchen Angeboten auftreten, sodass man sie nicht suchen muss, denn nicht jeder mag sich länger auf die Suche machen.

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Rudolf Vögele ist Verantwortlicher des Generalvikariats für das Ressorts Pastoral und leitet den Kurs. Die Diskussion dieses Abends entspricht für ihn weitgehend den Erkenntnissen aus früheren Kursen. Er fast die fünf wesentlichsten Punkte zusammen:

  1. Das Bedürfnis nach Gedankenaustusch (und spirituellem Suchen) in Gemeinschaft ist gross.

  2. In diesem Suchen ist es wesentlich, dass der Gedankenaustausch in einem offenen Dialog stattfinden kann.

  3. Die Auseinandersetzung um das Suchen und Finden von Werten hat eine zentrale Rolle.

  4. Die Sprache und die Form müssen so sein, wie die Menschen, die den Kurs besuchen: zeitgemäss.

  5. und eine der wesentlichsten Motivationen: Das persönliche Beispiel. Wer seinem Glauben im Leben Platz gibt, strahlt die Kraft aus der Tiefe aus und macht andere neugierig, die sich nach dieser Quelle sehnen. Und wer im persönlichen Gespräch sich befragen und erkennen lässt, kann (unwichtig ob man Seelsorger, Freund oder Freundin ist) suchenden Menschen den Weg weisen.

Wie geht katholisch Zürich?

Die Frage „Wie geht katholisch in Zürich?“ führt zum Kurs „Glaube suchen – Halt finden“ . An neun Abenden vermitteln Rudolf Vögele (Leiter Ressort Pastoral Generalvikariat Zürich) und die Priorin des Klosters Fahr, Irene Gassmann Grundlagen und Hintergründe zu grundlegenden Fundamenten des katholischen Glaubens. An den neun Abenden spulen sie nicht einfach einen Fahrplan ab, sondern richten die Themenabende nach den Bedürfnissen und dem Gesprächsbedarf der Teilnehmenden aus. Gedacht ist der Kurs für Interessenten, die das „katholische Proprium“ des christlichen Glaubens kennenlernen wollen. Allenfalls ist dies auch verbunden mit der Frage der Taufe, eines Über- bzw. Eintritts in die römisch-katholische Kirche.

  • Einführung
  • Der Gott der Christen –ein „Was“ oder ein „Wer“?
  • Wie Christen handeln
  • Sakramente: Wenn Dinge anfangen zu sprechen
  • Die Kirche Petri als „Zeichen und Werkzeug“
  • Die Gemeinschaft der „Heiligen“
  • Die „letzten“ Dinge: Himmel, Hölle, Fegefeuer
  • Katholisch beten
  • «Reif» werden im christlichen Glauben

Begleitet wird der Kurs durch Querverweise zu den aktuellen Festen des Kirchenjahres.