Kirche aktuell

Wenn das Tor zur Welt klemmt

Wenn das Tor zur Welt klemmt
Informationsbeauftragter des Generalvikariates
Arnold Landtwing

Schwerpunkte: Mitarbeitende in der Seelsorge, Beratung Pfarreien, pastorale Gremien. Katholischer Theologe.

Author
09. November 2013

Hoch konzentriert schaut Paula auf den Bildschirm. „APFEL“ erklingt die Stimme aus dem Computer. Mit dem Zeigefinger der linken Hand sucht sie Buchstaben in der rechten Hälfte der Tastatur. Noch vor zwei Jahren haben ihre Finger als Chefsekretärin in schnellem Rhythmus komplizierte Texte getippt.

Kämpfen um das richtige Wort zu finden

Seit einem Schlaganfall ist Paula rechtsseitig gelähmt und leidet an Aphasie. Wegen dieser Schädigung des Gehirns spricht Paula sehr langsam, kämpft, um das richtige Wort zu finden. Acht von zehn Computeraufgaben konnte sie heute richtig lösen. Paula strahlt, denn mit jedem sprachlichen Fortschritt öffnet sich das Tor zur Welt ein wenig mehr. „Ich kann die Namen meiner Enkel schreiben. Ich erkenne das Gesicht dazu“, strahlt sie in der Kaffeerunde in den Räumen der Behindertenseelsorge in Zürich. Hier treffen sich Menschen mit Aphasie, um ohne Hemmungen und ohne Zeitdruck Erfahrungen auszutauschen. Was vor bald 20 Jahren mit dem schicksalshaften Hirnschlag eines Zeitungsredaktors begonnen hatte, ist seither ein Angebot, das von der Behindertenseelsorge der Katholischen Kirche im Kanton Zürich unterstützt und seelsorgerlich begleitet wird. Der Aphasiker-Treff ist eine von zahlreichen Gruppen von Menschen mit einer Beeinträchtigung, um die sich die Behindertenseelsorge kümmert.

gemeinsam – barrierefrei – selbstbestimmt!

Ziel der Behindertenseelsorge ist, dass Menschen mit Behinderung am kirchlichen Leben teilnehmen und ihre Lebenserfahrung einbringen können. „Als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Behindertenseelsorge setzen wir uns ein, dass Träume immer wieder wahr werden“, bringt Stellenleiter Stefan Arnold die Ziele auf den Punkt. „Wir gehen auf Pfarreien, Kirchgemeinden und Institutionen zu. Wir sorgen dafür, dass sich Menschen mit und ohne Behinderung näher kommen, sich kennen und schätzen lernen.“ Neben seelsorgerlicher Begleitung bietet die Behindertenseelsorge spirituelle Anlässe und Gottesdienste an, Reisen und Ferienwochen, Bildungstage und auch ökumenische Freizeithöcks. Alle Anlässe sind spezifisch auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten von intellektuell-, körperlich-, seh- oder hörbehinderten Menschen ausgerichtet.

Arnold Landtwing