Kirche aktuell

Was sucht der Mensch von heute?

Was sucht der Mensch von heute?
Redaktionsteam
Katholische Kirche im Kanton Zürich
Die Beiträge im Blog geben die Haltung der Autoren wider und müssen nicht in jedem Fall mit der offiziellen Haltung der kirchlichen Körperschaft übereinstimmen.
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10. August 2016

Am 10. August 258 starb in Rom der Diakon Laurentius – damals zuständig für die Verwaltung der Kirchengelder.

Malerei aus der Kirche in Biasca/Tessin

Malerei aus der Kirche in Biasca/Tessin

Der Legende nach wollte er den Kirchenschatz nicht dem Kaiser geben, sondern verteilte diesen an die Armen und präsentierte dem Kaiser die Menschen als „wahren Schatz der Kirche“. Laurentius starb als Märtyrer auf einem glühenden Eisenrost.

Der Heilige Laurentius ist auch Patron der Stadt Bülach. Der Pfarrer von Bülach, Jaroslaw Duda, schreibt zum Heiligen Laurentius und zur Zukunft der Kirche:

Ich spüre als Pfarrer in Bülach, dass die Gläubigen in der Kirche vor allem viel menschliche Nähe sowie die göttliche Nähe suchen – weniger dagegen grossartige theologische Diskussionen.

Menschliche Nähe, Beachtung, Wertschätzung und Zuwendung schenken – das hat uns schon der Heilige Laurentius , Schutzpatron der Stadt Bülach, beispielhaft vorgelebt. Er war einer der sieben Diakone der Christengemeinde in der Stadt Rom, zuständig für die Sozialarbeit der Kirche dort. Er praktizierte durch seine Besuche bei Kranken das, was wir moderne Seelsorge, die sogenannte „Geh-Hin-Kirche“, nennen. Diese unterscheidet sich wesentlich von der lange, ja viel zu lange praktizierten „Komm-her-Kirche“. Diese beschränkte sich darauf zu warten, bis die Menschen in die Kirche kamen.

Im Zuge der „Geh-Hin-Kirche“ hat sich in der letzten Jahren weltweit und gerade auch hier bei uns in der Kirche im Kanton Zürich vieles getan. So sind Bahnhofkirche , Flughafenpfarramt , die Kirche im Sihlcity-Einkaufszentrum entstanden: Angebote für Seelsorge genau dort, wo Menschen sind. So kann Christus zu den Menschen getragen werden und Christus zu den Menschen tragen: seine Barmherzigkeit, seine Liebe, seine Lebenskraft.

Dies an- und wahrzunehmen, ist für mich Seelsorge.

Irdische Dinge – göttliche Liebe

Die Idee der „Geh-hin-Kirche“ können wir in der Pfarrei aber nicht einfach delegieren. Auch für uns sind entsprechende Anstrengungen notwendig. Ich bin überzeugt, dass wir als Kirche solche Schritte machen sollten – auch auf die Gefahr hin, missverstanden zu werden. Dazu inspiriert mich auch das Weihnachtsgeheimnis, das ich sehr gern habe. Gott wird klein, er wird uns gleich. Er lässt uns nicht „antraben“. Er kommt zu uns, um uns zu vergeben, von Mensch zu Mensch. Und er kommt vor allem mit der guten Nachricht, dass er uns mit unseren Sorgen und unseren Schwächen nicht allein lässt. Diese Hinwendung zum Nächsten wird auch unser Miteinander bestimmen müssen, wenn wir als Kirche unsere Glaubwürdigkeit wieder erlangen möchten –  oder sie wenigstens nicht noch mehr verlieren wollen.

Die Philosophin Simone Weil sagte einmal: „Nicht an der Art und Weise, wie ein Mensch über Gott spricht, sehe ich, ob er der durch das Feuer der göttlichen Lieben gegangen ist, sondern an der Art, wie er mit mir über die irdischen Dinge spricht“.

Zur Zukunft der Kirche

Die Kirche hat die Zukunft vor sich. Aber so, wie sie sich im Laufe der Zeit verändert hat, muss sie sich weiterhin verändern, auch wenn viele das nicht wollen. Wenn Sicherheit und Orientierung verloren gehen, brauchen die Menschen einen festen Halt, einen sicheren Ort, eine starke Kirche.

Die Kraft aber muss aus der Tiefe kommen – von unten!

Die Kirche kann ihren Auftrag nur erfüllen, wenn sie auf Menschen zugeht und ihnen von jener guten Nachricht Zeugnis gibt, die das Leben verwandeln kann. Denken wir daran: Das Volk ist die Kirche und durch das Volk – die Menschen – kann das Evangelium lebendig und die Kirche in ihrer Tiefe erfahrbar werden.

Die Kirche hat die Zukunft vor sich. Die Zukunft besteht aber nicht darin, dass wir die Vergangenheit verwalten. Ein gewisser Typus von Kirche liegt im Sterben. Eine neue Form wird entstehen und ist bereits im Begriff dazu. Ich zweifle nicht daran, dass die Kraft des Evangeliums und die Lebendigkeit der Kirche dies schaffen. Es fehlt ihr weder an Intelligenz und Kraft noch an anderen wertvollen Fähigkeiten.

Es fehlt ihr höchstens ein bisschen an Mut.

Unsere Kirche steht an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt. Er wird ganz anders aussehen als der vergangene. Aber wenn wir das Wort Jesu: ,,Geht hin zu den Menschen und verkündet ihnen die frohe Botschaft. Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28, 19a.20), beherzigen, kann uns dies Mut geben, der uns manchmal noch fehlt. Jesus lehrte und redete nicht nur, er lebte es auch vor und handelte. Er hat mit Sünderinnen und Sündern zusammen gegessen, hat Kranke besucht und sich auf Hochzeiten vergnügt. Das Zugehen auf die Menschen, das Hingehen zu ihnen, war die Sache Jesu und dies sollte auch unsere werden!

Duda
Pfarrer Jaroslaw Duda, Pfarrer in Bülach

www.kath-buelach.ch