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Vom Product Manager zum Priester: Felix Hunger

Vom Product Manager zum Priester:  Felix Hunger
Redaktionsteam
Katholische Kirche im Kanton Zürich
Die Beiträge im Blog geben die Haltung der Autoren wider und müssen nicht in jedem Fall mit der offiziellen Haltung der kirchlichen Körperschaft übereinstimmen.
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17. November 2014 / 4 Kommentare

Gepflegter Dreitagebart, leuchtend blaue Augen, federnder Schritt. Klar und direkt kommt der junge Mann einem entgegen und begrüsst mit festem Händedruck. Ausserhalb des Pfarrhauses würde Felix Hunger präzis als das durchgehen, was er einst war: erfolgreicher Product Manager einer Grossfirma. Auf dieser Karriereleiter war der 35-jährige wirtschaftlich gesehen auch unterwegs nach oben. Doch dann hat er sich entschieden, die Ebene zu wechseln und zu verkünden statt zu verkaufen. Er entschied sich, Priester zu werden.

Priester im Büro

Neupriester Felix Hunger in seinem Büro FOTO Arnold Landtwing

Entscheid zum Priestertum? Reift langsam heran!

Wer mit Felix Hunger ins Gespräch kommt, dem wird klar: der Entscheid zum Priestertum ist über viele Jahre herangereift und gewachsen. Aufgewachsen in einem religiös beheimateten und sozialisierten Umfeld war er zunächst Ministrant. Bereits in den Jugendjahren setzte er sich mit der Frage nach seiner Berufung auseinander: „Das erste Mal wahrgenommen habe ich die Frage nach einem Dienst in der Kirche bereits als 14-jähriger – und behielt es erst einmal für mich“, sinniert er im Gespräch. Motiviert machte er eine Ausbildung zum Drogist und erinnert sich: „Hier konnte ich den Menschen gesamtheitlich betrachten und eine Dienstleistung zum Unterstützen der Gesundheit anbieten.“

Im Engagement als Pfarreirat, in der Jugendarbeit und als Firmbegleiter suchte er zusammen mit anderen nach Antworten auf die grossen Fragen des Lebens, wie Jesus-Nachfolge heute aussehen könnte.

Karriere nach oben: Radiomann, Drogist, Manager

Nach einem kurzen Abstecher zum Radio startete Hunger beruflich so richtig durch und wurde bei einem Pharmamulti Product Manager mit Verantwortung für ein Millionenbudget.

Die Frage der Berufung liess ihn nicht los und führte ihn als damals jüngsten Teilnehmer zum Studiengang Theologie. Mit 28 Jahren stellt er die Weichen zum vollen Theologiestudium an der Universität Luzern und in Rom.

Im kirchlichen Dienst angekommen, sammelte er seelsorgerliche Erfahrungen im weitläufigen Glarnerland. An besonders eindrücklichen Erfahrungen nimmt er die traditionellen Rituale und die tiefe Naturverbundenheit der Glarner mit.

Karriere in die Tiefe

„Warum bist du Priester geworden?“ Wer Felix Hunger diese Frage stellt, spürt in der Antwort seine Sehnsucht nach Leben in Fülle:

„Als Priester möchte ich die Sakramente als Geschenk des Lebens und der Hoffnung den Menschen jeden Alters weitergeben, ihnen nahe sein und sie begleiten.“

Der Entscheid zum Priestertum beinhaltet auch den bewussten Verzicht, eine Partnerschaft zu leben. Darauf wird er oft angesprochen. Mit entwaffnender Offenheit und Klarheit steht Felix Hunger dazu, dass sich in diesem Verzicht auch ein grosse Freiheit eröffnet: Der Freiheit, als Seelsorger verfügbar zu sein, aber auch der Freiheit, sich in die Stille zurückzuziehen. „Zölibat darf kein Selbstzweck sein, damit eine egoistische Lebenshaltung uneingeschränkt ausgelebt werden kann“, vermerkt er kritisch. Vielmehr ist es ihm wichtig, gerade in dieser Lebensform sich selber Sorge zu tragen und ein Beziehungsnetz zu pflegen, das über den beruflichen Horizont hinausreicht. „Ein guter Priester gäbe auch einen guten Familienvater – und umgekehrt.“ Punkt.

Karte Priesterweihe

Anzeige mit Einladung zur Priesterweihe

Auf der Karte zur Einladung zur Weihe steht ein Abschnitt aus dem Hochgebet „Jesus, unser Weg“:

„Lasst uns die Zeichen der Zeit verstehen und uns mit ganzer Kraft für das Evangelium einsetzen. Mache uns offen für das, was die Menschen bewegt, dass wir ihre Trauer und Angst, ihre Freude und Hoffnung teilen und als treue Zeugen der Frohen Botschaft dir entgegengehen.“

Mit diesem Programm im Herzen macht sich der Neupriester auf den Weg.