Kirche aktuell

„Stille Nacht, Heilige Nacht“ - Ein Lied, ein Film

„Stille Nacht, Heilige Nacht“ - Ein Lied, ein Film
Regula Bosshard
Diplomkatechetin für die Primarstufe, Mitarbeiterin von Relimedia
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12. Dezember 2014 1 Kommentar

Eine kleine geschnitzte Holzkrippe aus dem Erzgebirge ist während der Weihnachtszeit das Highlight im Hause der Grosseltern. Die Krippe besteht aus zwei Ringen, im äusseren stehen die 3 Könige mit Kamel und die Hirten mit ihren Schafen, im inneren Kreis sind Maria, Josef und das Kindlein in der Krippe zu sehen. Durch die Wärme von 4 Kerzen werden diese Ringe mittels eines Propellers zum Drehen gebracht. Je nach Grösse der Kerze tanzen die Könige und Hirten mit ihren Tieren wie in einem Karussell schneller oder langsamer um die kleine Krippe.

Da stehen also unsere Enkelkinder und bestaunen fasziniert das kleine Wunderwerk. Was ist die Faszination? Die geschnitzten Figuren? Die Kerzen? Der Tanz der Figuren? Der Propeller, welcher die Drehung ermöglicht? Die Weihnachtstimmung in der warmen Stube, kombiniert mit dem Duft der feinen Spitzbuben und Zimtsterne?

Die Kinder wollen mehr wissen über die Geschichte, welche die Figuren erzählen. Der kleine Jesus im Kripplein hat es ihnen besonders angetan und für sie ist es selbstverständlich, dass die Hirten und Könige zu ihm unterwegs sind. Auch dass die Eltern Maria und Josef das Kind umsorgen passt gut in ihre Erfahrungswelt.
So kommt es also, dass die kleinen quirligen Buben ganz andächtig und still werden vor dieser kleinen Weihnachtsgeschichte. Die „Grossen“ singen „Stille Nacht, heilige Nacht“.
Schon reihen sich auch unsere Enkelkinder unter all die Menschen ein, welche weltweit dieses Lied kennen und welches in mindestens 50 Sprachen weltweit in all den zahlreichen Weihnachtsfeiern gesungen wird.

1-Gruber und Mohr

Die Entstehungsgeschichte des berühmtesten Weihnachtsliedes

Die Entstehung von „Stille Nacht!“ fällt in eine schwere Zeit. Die Napoleonischen Kriege waren zu Ende gegangen und Europa hatte auf dem Wienerkongress eine Neuordnung erfahren.

1817 kommt der Hilfspriester Joseph Moor nach Oberndorf bei Salzburg, wo er Armut und Hoffnungslosigkeit vorfindet. Mittels Predigten und Liedern in deutscher statt lateinischer Sprache, möchte er die Kirche allen Menschen zugänglich machen. Doch derlei progressive Ideen sind seinem Vorgesetzten, Pfarrer Nöstler, ein Dorn im Auge.

Bald steht Mohr vor der Entscheidung, entweder seine Bemühungen aufzugeben und Oberndorf für immer zu verlassen, oder zusammen mit seinem Freund Franz Gruber (Organist und Schullehrer in Arnsdorf) den Menschen die wahre Bedeutung der Heiligen Nacht näher zu bringen.

Erst am Morgen des 24. Dezember 1818 überreichte Moor seinem Freund Franz Gruber, ein von ihm verfasstes Gedicht, mit der Bitte, bis zur Christnachtfeier eine passende Melodie für 2 Solostimmen samt Chor und für eine Gitarrenbegleitung zu komponieren, weil laut Vermutung, das alte Positiv der Kirche nicht mehr spielbar gewesen ist. Mohr sang Tenor und übernahm die Begleitung mit der Gitarre, und Gruber sang Bass. Das Lied fand bei der Oberndorfer Bevölkerung sehr grossen Beifall. Und so verwandelt sich Heilig Abend 1818 ein von ihm selbst geschriebenes Gedicht in eines der bekanntesten Weihnachtslieder aller Zeiten…
Um diese erste Darbietung von Stille Nacht ranken sich viele Legenden und romantische Geschichten, welche die Entstehungsgeschichte mit anekdotischen Einzelheiten ausschmücken.

Der Film: „Stille Nacht, Heilige Nacht“- Eine wahre Weihnachtsgeschichte
Diese Entstehungsgeschichte nimmt der Film auf, visuell hinreissend, mit einer wunderschönen inspirierenden Erzählung über Glaube, Hoffnung und Beharrlichkeit. Es geht hier nicht einzig um eine romantische Dorfweihnacht, sondern es werden auch durchaus kritische Töne angeschlagen.

Der Film geht der Frage nach, was der Grundauftrag der Kirche ist: Klerikale Selbstinszenierung oder Heimat für Bedürftige?

„Stille Nacht“ trifft ins Herz. Alle, die Weihnachten feiern und schon einmal das Lied „Stille Nacht“ gesungen haben oder singen werden, sollten diesen Film gesehen haben!

An Originalschauplätzen in Österreich gedreht, besticht der Film durch seine gründlich recherchierte Geschichte und die atmosphärische Umsetzung. Ein Weihnachtsfilm für die ganze Familie: besinnlich, klug und einfühlsam, ist ein „Meisterwerk“, mich jedenfalls hat er begeistert. Er bringt die Besinnlichkeit, die heute oft an Weihnachten etwas zu kurz kommt, ins Haus. Die Bedeutung des weltbekannten Liedes steigert sich um ein Vielfaches. Das Lied „Stille Nacht Heilige Nacht“ werde ich in Zukunft noch mit grösserer Inbrunst singen.

Spielfilm, 95 Minuten
Matthias- Film, 2012

1-Stille Nacht

Verleih und Verkauf, Download verfügbar: www.relimedia.ch
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