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Sterbehilfe - eine Sünde?

Sterbehilfe - eine Sünde?
Redaktionsteam
Katholische Kirche im Kanton Zürich
Die Beiträge im Blog geben die Haltung der Autoren wider und müssen nicht in jedem Fall mit der offiziellen Haltung der kirchlichen Körperschaft übereinstimmen.
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02. Februar 2014

Natürlicher Tod? Passive oder aktive Sterbehilfe? Oder gar Freitod?
Die Fragen um Sterben und Tod sind heute in unserer Gesellschaft aktueller denn je. Im Mittelalter wurden Selbstmörder ausserhalb der Friedhofsmauern begraben. Sie wurden verdammt. Heute werden für sie Trauergottesdienste gelesen. Wir beten für sie. Die Kirche hat sich bewegt.

Die Zürcher Pfarrei St. Josef feiert ihren 100.Geburtstag mit einer Reihe von spannenden Anlässen: Diskussionen, Vorträge, Theater und eine grosse Feier mit Festgottesdienst setzen von Januar bis Mai Höhepunkte.

Die Frage „Sterbehilfe – eine Sünde?“ wurde kürzlich in einem Rundtischgespräch mit Expertinnen und Experten diskutiert. Über siebzig Zuhörerinnen und Zuhörer folgten aufmerksam dieser Diskussion. Die Sterbehilfe wurde in unserer Gesellschaft enttabuisiert. Wir lesen darüber in der Presse, hören davon in Fernsehen und Radio. Es gibt unzählige Bücher darüber. Die Grenzen zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe vermischen sich immer mehr. Die Kirche hat sich mit solchen gesellschaftspolitischen Realitäten auseinanderzusetzen.

Podium

Podiumsdiskussion Sterbehilfe FOTO Anna Bucher

Unter Moderation von PhD Susanne Brauer  (2.v.l, Paulus Akademie) diskutierten auf dem Podium  Dr. med. Roland Kunz (Chefarzt Geriatrie und Palliative Care), Lic. theol. Lisa Palm-Senn (Katholische Spitalseelsorgerin USZ und Palliative Care Beauftragte der Spitalseelsorge), und PD Dr. theol. Markus Zimmermann-Acklin (Departement Moraltheologie und Ethik Universität Fribourg)

Schülerinnen und Schüler der Maturaklasse des Gymnasiums der FKSZ (Freie Katholische Schulen Zürich) verfolgten interessiert das Gespräch. Sie beteiligten sich auch aktiv an der Diskussion und zeigten, dass — und wie — junge Menschen mit wachem Geist und vielen Fragen die Welt wahrnehmen.
Sie brachten Fragen ein wie

  • Woher kennt man die Meinung eines komatösen Patienten?
  • Wie kann sichergestellt werden, dass keine Eigeninteressen der Angehörigen vorhanden sind?
  • Kann der Staat wirklich Tötung erlauben?
  • Warum darf man einen todkranken Menschen nicht von den Schmerzen erlösen?

In der Runde sassen auch zahlreiche älteren Personen, die ganz konkrete Fragen einbrachten:

  • Ist eine Patientenverfügung heutzutage ein Muss für mich?
  • Wo bewahre ich diese auf, damit sie im Ernstfall gefunden wird?

Der Palliativmediziner Roland Kunz ermunterte, gerade im Sterben loszulassen und geschehen zu lassen: „Das Problem unserer Gesellschaft ist, dass man nichts mehr geschehen lassen kann. Dass man in unserer Autonomiegesellschaft „vorgegaukelt“ bekommt, man könne alles selbst bestimmen, auch das Sterben. Die Idee, es laufe dann genauso, ist aber falsch, denn es wird nicht so sein, wie wir das wollen und planen. Es wird garantiert anders kommen. Ich denke, wenn wir wieder etwas mehr Gelassenheit lernen und nicht das Gefühl haben, wir müssten alles immer selbst bestimmen, wenn wir eine Haltung entwickeln, die auch etwas geschehen lässt – dann habe ich das Gefühl, dass es wesentlich besser geht.“

Die erfrischenden und ermutigenden Gedanken der Podiumsgäste wurden mit grossem Applaus verdankt. Der Abend zeigte auf, dass keine einfache Antwort möglich ist. Auch wenn nicht alle Fragen einzeln abschliessend beantwortet werden konnten, haben sie zum Nachdenken angeregt.
Ganz im Sinn der Pfarrei St. Josef.

www.stjosef-zuerich.ch

www.fksz.ch