Kirche aktuell

Jesus ist weg und Heiliger Geist noch nicht da

Jesus ist weg und Heiliger Geist noch nicht da
Arnold Landtwing
Author
14. Mai 2015

Auffahrt? Diesen Feiertag lassen wir uns gerne gefallen, vor allem, wenn sich daraus vier freie Tage ergeben. Pfingsten? Hoch willkommen, denn ein freier Montag und eine verkürzte Arbeitswoche ist doch ganz angenehm.

Diese Feiern im Kirchenjahr sind eng mit unserem Alltag verbunden. An Auffahrt feiern wir, dass Jesus in den Himmel zu Gott heimgegangen ist. Als einziger Evangelist erzählt Lukas davon – dafür gleich zweifach: in seinem Evangelium (Lk 24,50-52) , sowie in der Apostelgeschichte widmet er sich diesem Ereignis.

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Jesus ist nicht mehr da. Und der Heilige Geist, den er zu schicken versprochen hat, erwarten wir an Pfingsten . Er ist noch nicht da. Solch unbefriedigende Situationen begegnen mir im Alltag zuhauf.

Zum Beispiel die junge Familie mit zwei Kindern. Sie möchte ein drittes Kind, weiss aber, dass sie sich trotz vollberuflichen Einkommen des Vaters eine grössere Wohnung in und um Zürich gar nicht leisten kann.

Jesus ist nicht mehr da – und der Heilige Geist lässt auf sich warten.

Und was sagt der Jugendliche, der auch nach der 120. Bewerbung keine Lehrstelle bekommt? Oder die Frau, deren Liebe gestorben ist und die in ihrer ungelebten Trauer zunehmend verbittert und verhärtet?

Eben. In solchen Situationen stellt sich mit Recht die Frage nach Gott und Heiligem Geist, denn aus diesen Situationen finden die Betroffenen nicht selber heraus. Hier sind wir gefordert. Als Glaubende. Als Kirche. Schliesslich haben wir den Verstand und viele Möglichkeiten mit auf den Weg bekommen, um sie zu nutzen, ja sogar richtiggehend mit ihnen zu wuchern. Wir sollen mutig und kreativ anpacken, unsere Verantwortung wahrnehmen und diese Welt gestalten.

Einmal mehr zeigt uns Papst Franziskus exemplarisch, wie das geht: ganz direkt auf den Menschen zugehen, ihn in den Arm nehmen und deutlich machen „Ich bin für dich da.“ Und dann dementsprechend handeln. Selbstbewusst, unerwartet und unkonventionell.

Das stört zwar die behagliche Ruhe, ich gehe aber jede Wette ein, dass plötzlich die Gewissheit im Raum steht: Das muss mit dem Heiligen Geist zu tun haben. Und dann ist Pfingsten.