Kirche aktuell

Gespräch mit Generalsekretär Markus Hodel

Gespräch mit Generalsekretär Markus Hodel
Informationsbeauftragter Synodalrat und stellvertretender Bereichsleiter
Aschi Rutz

Schwerpunkte: Verhältnis Kirche Staat, Kirchgemeinden, Jahresbericht und Informationsblatt

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08. September 2014

Markus Hodel ist seit Juni 2014 Generalsekretär des Synodalrats, der Exekutive der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich. Knapp 100 Tage im Amt, haben wir dem 49-jährigen Wirtschaftsingenieur einige Fragen gestellt.

Welches sind die ersten Erfahrungen bei der Kantonalkirche?
Ich wurde am Hirschengraben in Zürich sehr freundlich und offenherzig empfangen und habe motivierte Leute angetroffen. Für eine gute Zusammenarbeit steht mir ein Team zur Seite, das eine offene Kommunikationskultur pflegt. Und es gibt viel zu tun.
Selbstverständlich «menschelt» es auch bei der Kirche. So stelle ich fest, dass Chur unser Tun und Handeln mehr als nur kritisch beobachtet. Erstaunt bin ich auch über die eher getrübte Atmosphäre zwischen einzelnen Exponenten der Synode und dem Synodalrat. Da fehlt mir das Verständnis, wirken wir doch im gleichen Boot für das Wohl der Menschen im Kanton Zürich.

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Markus Hodel, hinten links, mit seinem Vorgänger, den Synodalratsmitgliedern und dem Generalvikar. Bild: Peter Knup


Was sind die Hauptaufgaben als Generalsekretär des Synodalrats?
Ich bin Chef aller Mitarbeitenden der Verwaltung und Berater der Exekutive. In der Funktion des Generalsekretärs vertrete ich – zusammen mit dem Synodalratspräsidenten – die Körperschaft in der Biberbrugger Konferenz und der Römisch-katholischen Zentralkonferenz der Schweiz, dem Zusammenschluss aller kantonalen kirchlichen Organisationen im Bistum Chur respektive in der Schweiz. Eine wichtige Aufgabe liegt bei der Kontaktpflege mit den Kirchgemeinden respektive Kirchenpflegen, mit dem Kanton und der reformierten Schwesterkirche.

Wo liegen die Schwerpunkte in den kommenden Monaten?
Aktuell befinden wir uns mitten im Budgetprozess für das kommende Jahr. Im weiteren bin ich am Umsetzen aller beschlossenen Massnahmen der 2013 durchgeführten Organisationsanalyse. Eine sehr grosse Herausforderung bedeutet schliesslich das Ausrichten der Informations- und Kommunikationstechnik auf unsere künftigen Bedürfnisse.

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Katholisches Pfarreizentrum Horgen. Bild: Verena Kutter


Vom Kirchenpflege-Präsidenten zum Generalsekretär …
Die Kirchenpflege ist ein Exekutivamt, wo viele Entscheide gefällt werden, für deren Umsetzung jedoch die Ressourcen im operativen Bereich weitgehend fehlen. Die inhaltliche und zeitliche Belastung vieler Kirchenpflegmitglieder im Milizsystem sind gross. Für ein gutes Gelingen braucht es neben einer guten Planung ein eingespieltes Pfarreiteam und freiwillige Helferinnen und Helfer.

Als vollamtlicher Generalsekretär steht mir ein professionelles Team zur Verfügung, das mich beim Umsetzen der Synodalratsentscheide unterstützt. Bei der Kantonalkirche ist alles ein paar Schuhnummern grösser als in der Kirchgemeinde und nicht auf das Lokale und Regionale begrenzt.
Der Wechsel von der Kirchenpflege in die Verwaltung der Körperschaft brachte für mich nicht viel Überraschendes und Unvorhergesehenes, weil ich während meiner Zeit als Präsident in Horgen bereits einen Einblick in die kirchlichen Strukturen gewinnen konnte.

Was hat bis jetzt besonders Freude gemacht? Was war eher schwierig?
Zu sehen, welch gute und engagierte Arbeit die Kirche für Alt und Jung erbringt, macht mich für die Zukunft optimistisch. Ich konnte auch bereits einige tolle Veranstaltungen besuchen, so zum Beispiel die ökumenische Spitalseelsorgetagung in Winterthur oder die Verleihung des Prix Caritas in Luzern, um nur zwei zu nennen. Ein grosser Aufsteller war natürlich das grandiose Abstimmungsergebnis zur Kirchensteuerinitiative im Mai dieses Jahres. Das klare Resultat hat uns aufgezeigt, dass die Zürcher Bevölkerung hinter der Arbeit der Kirchen steht.
Eher schwierig und ärgerlich finde ich jene Zeitungsmeldungen, welche die Kirche zu spalten versuchen, statt auf die gemeinsam erbrachten Dienstleistungen von gesamtgesellschaftlichem Interesse hinzuweisen.

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Entspanntes Warten auf das Abstimmungsergebnis zur Kirchensteuerinitiative. Bild: Aschi Rutz


Gibt es bereits schöne Geschichten und Anekdoten?
Ganz toll fand ich die Verabschiedung meines Vorgängers Giorgio Prestele. Zusammen mit den Bereichsleitern (als Ordensschwestern) organisierten wir einen «nicht ganz ernst zu nehmenden» Rückblick seiner Tätigkeiten bei der Kantonalkirche. Die Darbietung war ein Hit. Noch besser waren aber unsere Vorbereitungstreffen. Wir hatten einen Riesenspass und sehr viel gelacht.

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Bereichsleiter verabschieden den abtretenden Generalsekretär Giorgio Prestele auf ihr Weise: als Ordensschwestern. Bild: Kerstin Lenz


Was macht der Generalsekretär in seiner Freizeit?
Am liebsten unternehme ich etwas mit der Familie. Die Kinder werden grösser und selbständiger. Ich will die Zeit nutzen, solange sie noch etwas mit mir als Vater unternehmen wollen. Bei schönem Wetter trifft man mich im Winter beim Skifahren oder im Sommer auf dem Motorrad.

Markus Hodel hat die Nachfolge von Giorgio Prestele angetreten, der frühzeitig in Pension gegangen ist. Hodel wohnt seit 21 Jahren in Horgen, war die letzten vier Jahre Präsident der Kirchgemeinde, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

www.zh.kath.ch