Kirche aktuell

Hilfe aus Zürich in Erbil im Nordirak

Hilfe aus Zürich in Erbil im Nordirak
Redaktionsteam
Katholische Kirche im Kanton Zürich
Die Beiträge im Blog geben die Haltung der Autoren wider und müssen nicht in jedem Fall mit der offiziellen Haltung der kirchlichen Körperschaft übereinstimmen.
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21. April 2015

Im  Dezember 2014 sprach die Synode der Katholischen Kirche im Kanton Zürich 200 000 Franken Soforthilfe an den vor Ort tätigen Flüchtlingsdienst Jesuit Refugee Service JRS . Alleine 120‘000 Menschen sind von ihren Wohnorten in Irak und Syrien in die Stadt Erbil geflüchtet. Diese Gegend ist weniger im Fokus der Medien, den Menschen fehlt es am Notwendigsten. Für rund 1‘500 Familien leisten die Jesuiten direkte Nothilfe, eine Schule ist im Aufbau. Judith Behnen von der deutschen Jesuitenmission hat die Zeltstadt in einem Vorort der Stadt Erbil besucht. Dies ist ihr Bericht:

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Abouna Raed steht am Eingang des Zeltes und begrüsst alle Gemeindemitglieder, die zur Sonntagsmesse kommen. Seine Kirche hat der chaldäische Priester verloren. Sie liegt in Karakosch, das bis zum vergangenen Sommer mit rund 50’000 Einwohnern die grösste christliche Stadt im Irak war. Jetzt gehört Karakosch zu dem Gebiet, das von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ gewaltsam kontrolliert wird. „Am 6. August kamen die IS-Kämpfer und wir sind alle geflohen“, sagt Abouna Raed. Fast seine ganze Gemeinde lebt jetzt in Ozal City, einem noch trostlosen und halbfertigen Neubaugebiet am Rande der kurdischen Provinzhauptstadt Erbil . Andersgläubige Minderheiten wie Jesiden und Christen, aber auch muslimische Schiiten hat der „Islamische Staat“ mit menschverachtender Grausamkeit vertrieben. 700’000 der 1,5 Millionen der Flüchtlinge sind in die autonome Region Kurdistan im Nordirak geflohen.

Schule mit 12 Klassenzimmern neben der Kirche geplant

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Das Zelt, das zur Behelfskirche umfunktioniert wurde, füllt sich schnell. Eine Jugend-Schola beginnt zu singen. Die Gesänge der chaldäischen Liturgie klingen getragen und voller Trauer, als würde eine Kirche im Exil ihrem Schmerz in der Musik Ausdruck verleihen. Es ist zu spüren, wie wichtig den Flüchtlingen der gemeinsame Gottesdienst ist. Abouna Raed begrüsst am Ende der Messe Pater Tony Calleja vom Flüchtlingsdienst der Jesuiten (JRS). Er ist aus Beirut gekommen, um gemeinsam mit dem JRS-Team vor Ort die nächsten Projektschritte zu planen. Denn hier in Ozal City baut der JRS mit finanzieller Unterstützung der Kirche im Kanton Zürich eine Schule aus Container-Modulen.

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Der Bauplatz liegt direkt neben der Zeltkirche. Zwölf Klassenzimmer, ein Computerraum mit 20 Computerplätzen, Büro, Küche und Toiletten sind hufeisenförmig angeordnet, so dass der entstehende Innenhof mit einem Spielplatz im Sommer mit einen Sonnenschutz ausgestattet werden kann. Vier Schichten sind pro Tag geplant, so dass mehr als tausend Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterrichtet werden können.

Neben Kindergarten, Grund- und Sekundarschule wird es auch Hausaufgabenhilfe und am Abend Sprach- und Computerkurse für Jugendliche und Erwachsene geben. In Ozal City leben mehr als 6’000 Flüchtlinge: Christen, Jesiden und Moslems. Die Bildungsprojekte des JRS sind für alle offen. Über Familienbesuche und psychosoziale Begleitung hat das JRS-Team bereits guten Kontakt zu sehr vielen Flüchtlingsfamilien in Ozal City und konnte sie über die Nothilfe unterstützen. Solange die Container-Schule noch nicht eröffnet ist, hat der JRS einen Bus-Shuttle organisiert, damit die Kinder und Jugendlichen aus Ozal City und anderen Flüchtlingsunterkünften an den Bildungs- und Freizeitaktivitäten des JRS teilnehmen können, die in vier gemieteten Häusern in Erbil bereits stattfinden.

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Für die Kinder und Jugendlichen ist es enorm wichtig, aus der Enge der Unterkünfte herauszukommen und Platz und Raum für Austausch, Lernen und Kreativität zu haben.

„In Karakosch hatten wir ein grosses Haus.“

Das erzählen Talal und Souad. Das Ehepaar lebt jetzt mit 39 weiteren Flüchtlingen in einem der halbfertigen Neubauten in Ozal City.

„Neben unserer Familie leben hier die Familien meiner drei Brüder und meiner Schwester. Hier in dem Wohnzimmer schlafen nachts 21 Leute“, erklärt Talal und deutet auf die ordentlich gestapelten Matratzen an der Wand. „Wir sind zu Fuss aus Karakosch geflohen, haben in Erbil die erste Nacht auf der Strasse geschlafen, sind dann in einer Schule untergekommen und jetzt können wir hier wohnen. Die Kirche zahlt die Miete und wir sind sehr dankbar dafür. Es ist nicht so leicht, hier einen Job zu finden, da wir kein Kurdisch sprechen. Mein Traum ist, dass meine Kinder aufs College gehen und etwas werden. Für mich habe ich keine Träume mehr, aber für meine Kinder.“

Maryam ist in Karakosch auf College gegangen, um Krankenschwester zu werden. Behnam war in der 8. Klasse und spricht gut Englisch. Malaka ist noch im Grundschulalter. Alle drei wollen weiter lernen und wieder zur Schule gehen. Dank der Bildungsprojekte des JRS und der Unterstützung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich wird dieser Wunsch nun Wirklichkeit.

Dieser Beitrag ist in gekürzter Form auch im Forum Pfarreiblatt erschienen.

www.jesuiten.ch/jrs-jesuitenfluechtlingsdienst.html