Kirche aktuell

Herausforderungen im Neuen Jahr

Präsident Synodalrat
Benno Schnüriger
Benno Schnüriger war bis Sommer 2018 Präsident des Synodalrats, der neunköpfigen Exekutive der Körperschaft vor. Nach einem Studium der Jurisprudenz an der Universität Zürich arbeitet er als Rechtsberater für öffentliche Verwaltungen. Spielt in einer Combo mit, bikt oft und hört sich gerne gute Musik an.
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09. Januar 2014

Das Jubiläumsjahr – 50 Jahre öffentlich-rechtliche Anerkennung als Körperschaft – mit den Meilensteinen ‚Präsenz am Zürifäscht’, ‚Festgottesdienst’ und ‚Unterstützung sozialer Projekte’ ist offiziell zu Ende. Eine Publikation mit dem Titel «Katholiken im Kanton Zürich. eingewandert anerkannt gefordert» wird am Aschermittwoch der Öffentlichkeit präsentiert und als Rück- und Ausblick des Jubiläums aufzeigen, wie sich die Katholische Kirche im Kanton in den letzten 200 Jahren als Kirche von Einwanderern entwickelt hat.

Im Neuen Jahr sind wir einmal mehr gefordert. Ich denke dabei u.a. an folgende Themen:

Errichtung eines Bistums Zürich
Die Schaffung eines Bistums Zürich ist erneut angestossen, nachdem aus der Synode 2011 eine entsprechende Schriftliche Anfrage erfolgt war und der Synodalrat im Dezember 2012 ein gleichlautendes Gesuch wie anno 1990 bei der Schweizer Bischofskonferenz eingereicht hat. Die Frage nach einem eigenen Bistum für den Kanton Zürich wird sehr kontrovers diskutiert und hat aufgrund der vielen Medienberichte grosse Kreise gezogen. Für die Bischofskonferenz ist ein Bistum Zürich, ja überhaupt die Neueinteilung der Bistümer in der Schweiz, ein altes Anliegen, das wieder auf die Traktandenliste gesetzt werden soll. Nach einem Gespräch mit dem Synodalrat bringt der Churer Bischof dem Anliegen Verständnis entgegen und will dieses mit dem Nuntius und im Vatikan in den nächsten Monaten besprechen. Gleichzeitig sprachen sich vor kurzem Exponenten des Bistums Lausanne, Genf, Freiburg für ein eigenes Bistum Genf aus. Wichtige Städte als Sitz eines Bistums aufwerten zu wollen scheint auch Papst Franziskus, wenn er im Apostolischen Schreiben «Evangelii Gaudium» von den Herausforderungen der Stadtkulturen spricht: « In der Stadt wird der religiöse Aspekt durch verschiedene Lebensstile und durch Gebräuche vermittelt, die mit einem Gefühl für die Zeit, das Territorium und die Beziehungen verbunden sind, das sich vom Stil der Landbevölkerung unterscheidet. »
Wir sind uns bewusst, dass der Weg hin zu einem Bistum Zürich lang und steinig ist. Für den Synodalrat und Generalvikar gilt als Voraussetzung zur Errichtung eines Bistums Zürich nach wie vor die Stellungnahme, die Weihbischof Peter Henrici an der Synodensitzung vom 9. Dezember 1999 abgegeben hat: «Es ist tatsächlich so, dass wir Schweizer Bischöfe keine neuen Bistümer möchten unter Aufgabe des bestehenden Mitwirkungsrechtes. Es ist ein halboffenes Geheimnis, dass genau dieser Punkt die ganze Sache verzögert. Es ist ein Seilziehen zwischen dem schweizerisch erworbenen Recht und der gegenwärtigen römischen kurialen Auffassung. Man wird bei der Schaffung eines Bistums Zürich sorgsam darauf achten, dass das nötige Mitwirkungsrecht gewahrt ist.» Mit Papst Franziskus ist auch hier Bewegung ins Spiel gekommen, wenn er in «Evangelii Gaudium» schreibt: « Ich glaube auch nicht, dass man vom päpstlichen Lehramt eine endgültige und vollständige Aussage zu allen Fragen erwarten muss, welche die Kirche und die Welt betreffen. … in diesem Sinne spüre ich die Notwendigkeit, in einer heilsamen ‚Dezentralisierung’ voranzuschreiten.»

Schienhutgasse  (10)
Schienhutgasse unterhalb von ETH und UNI als möglicher Wohnsitz des Bischofs einer Diözese Zürich

Analyse der Verwaltungsorganisation/Neuer Generalsekretär
Intern hat uns eine Organisationsanalyse aufgezeigt, wo wir gut aufgestellt sind und wo wir uns verbessern können. Bis Ende der Legislatur 2015 geben wir uns Zeit, aufgrund der Empfehlungen der Projektgruppe gemäss einem Massnahmenplan verschiedene Optimierungen umzusetzen.
Seit einiger Zeit beschäftigt uns auch das Projekt eines umfassenden Informations- und Kommunikations- Managements. Hier laufen Abklärungen für eine elektronische Geschäftskontrolle und ein Personalinformationssystem sowie eine Evaluation für ein Social Intranet. Gerade Letzteres geht einher mit einem einschneidenden Kulturwandel, einer Kultur des Teilens von vorhandenen Informationen, die Fingerspitzengefühl und Zeit braucht.
Bereits entschieden hat der Synodalrat im Einvernehmen mit dem Generalvikar, dass Markus Hodel Nachfolger von Generalsekretär Giorgio Prestele wird, der Mitte Jahr in Pension geht. Hodel wird erste Aufgaben schon ab Januar übernehmen. Wir wünschen ihm einen guten Start und werden ihn in seiner neuen Funktion nach Kräften unterstützen.

Wahl und Unterstützung der Kirchenpflegen
Im Frühjahr findet die Wahl in die Kirchenpflegen und in die Rechnungsprüfungskommissionen der Kirchgemeinden statt. Die 75 katholischen Kirchgemeinden im Kanton Zürich sind einmal mehr herausgefordert, engagierte Frauen und Männer für die anspruchsvolle Aufgabe in den beiden Gremien zu finden. Wie bei anderen kommunalen Ämtern auch, wird dies immer schwieriger. Zentrales Anliegen des Synodalrats wird auch dieses Jahr sein, mit den Kirchenpflegen direkt im Gespräch zu sein und sie in ihrer Arbeit tatkräftig zu unterstützen.

Tragtasche

Abstimmung zur Kirchensteuerinitiative
Die grösste Herausforderung stellt 2014 ohne Zweifel die Abstimmung zur Kirchensteuerinitiative dar. Es geht dabei schlicht um die Frage, ob Leistungen der Kirchen von gesamtgesellschaftlichem Interesse auch künftig von der Wirtschaft mitgetragen oder ob diese allein von den Bürgerinnen und Bürgern über höhere Steuern finanziert werden müssen. Was für die einzelne Unternehmung keine grosse Belastung bedeutet, schenkt für die katholische Kirche mit rund 50 Millionen Franken ein und entspricht einem Viertel aller kirchlichen Einnahmen. Damit stehen auch Arbeitsplätze und für das Gewerbe wichtige Aufträge auf dem Spiel. Es muss uns gelingen, glaubwürdig aufzuzeigen, was wir als Kirchen für den Mitmenschen und das Gemeinwohl leisten. Zusammen mit vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern. Und dass es sinnvoll ist, wenn sich die Firmen an dieser Aufgabe solidarisch beteiligen.
Mit der Vorkampagne «Sorge tragen» zeigt das Komitee Nein zur Kirchensteuer-Initiative , welches im Auftrag der reformierten, christkatholischen und römisch-katholischen Kirche arbeitet, was die Initiative aufs Spiel setzt. Der Zürcher Kantonsrat wird über die Initiative und seine Empfehlung an die Stimmberechtigten am 13. Januar 2014 öffentlich beraten. Die Volksabstimmung findet voraussichtlich am 18. Mai dieses Jahres statt.

Ich danke für Ihren solidarischen Einsatz in der Kirche oder ausserhalb und wünsche Ihnen für 2014 viel Glück, gute Gesundheit und Gottvertrauen.

Benno Schnüriger, Synodalratspräsident

www.kirchensteuerinitiative-nein.ch