Kirche aktuell

Zu Pfingsten: Gottes Rückenwind für junge Menschen

Zu Pfingsten: Gottes Rückenwind für junge Menschen
Josef Annen
Author
11. Mai 2016

40 Firmgottesdienste. 794 junge Menschen. Ein Heiliger Geist. Generalvikar Josef Annen ist an vielen Wochenenden unterwegs, um das Sakrament des Heiligen Geistes zu spenden.  Beatrix Ledergerber-Baumer vom f orum-Pfarrblatt hat ihn befragt, was der Heilige Geist für ihn bedeutet und wie er ihn den jungen Menschen näherbringt.

Wie erklären Sie den jungen Leuten den Heiligen Geist?

In der deutschen Sprache bringen wir  das Wort Geist gerne mit dem Intellekt, dem Kopf in Verbindung. Das italienische Wort „spirito“ oder französisch „esprit“ ist näher am Atem des Lebens, der inneren Lebenskraft. Wenn ein Kind zur Welt kommt, sagen junge Eltern gerne: Dieses neue Leben ist für uns ein Wunder, ein Geschenk Gottes.

Was macht ein Baby als erstes? Es schreit, weil es seine Lungen mit Luft füllen muss. So erkläre ich den Heiligen Geist: es ist die Lebenskraft, die seit dem ersten Atemzug deines Daseins in dir ist, die Urkraft des Lebens.

Der Geist Gottes durchwirkt die ganze Schöpfung, lebt in der Welt der Pflanzen und Tiere und wirkt in jedem Menschen.

Foto_Dario Vittani

Foto_Dario Vittani

Was bedeutet der Heilige Geist für Sie persönlich?

Wenn ich bete, werde ich still, nehme mich selber wahr im ruhigen Atmen. Da begegne ich schon dieser Lebenskraft, dem Heiligen Geist. Paulus sagt es so: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt?“ Erst dann formuliere ich ein Gebet, spreche mit Gott, höre auf ihn.

Sie begegnen an diesen Firmungen vielen Jugendlichen…

Ich bin immer wieder berührt von dem, was mir viele von ihnen in den Briefen schreiben, von den Fragen, die sie an unseren Begegnungen vor der Firmung stellen. Viele haben schon Schweres erlebt, Krankheiten, Tod der Grosseltern, Trennung der Eltern. Sie stellen ganz grundlegende Fragen, wie z.B.:  Warum lässt Gott dieses Leiden zu?

Was antworten Sie?

Viele sagen: „Ich glaube an etwas Höheres“. Ich versuche ihnen das christliche Gottesbild zu vermitteln. Jesus ist unser Weg. Was hat Jesus erlebt, am Kreuz, in der Auferstehung? Wir können zu Gott eine Beziehung haben, er will bei uns sein, auch im Leid. Wichtig ist mir das Gespräch mit den Jugendlichen.

Wie können Sie mit so vielen Jugendlichen reden?

Wenn wir uns treffen, will ich keine lange Vorstellungsrunde. Ich nutze die Zeit, um wirklich mit ihnen zu reden. Ich stelle mich kurz vor und halte eine Katechese zur Firmung.  Je nach Verlauf des Gesprächs machen wir für kurze Zeit Murmelgruppen, wo die Jugendlichen zu zweit oder dritt überlegen können, was sie fragen oder mir sagen wollen. Das gibt dann meist ganz tiefe Gespräche. Natürlich gibt es immer auch ein paar, die ganz anderes im Kopf haben. Aber die grosse Mehrheit ist echt interessiert und will in die Tiefe gehen.

40 Firmgottesdienste pro Jahr, gibt das keine Routine?

Dank der Briefe der Jugendlichen und der Treffen mit den meisten Firmgruppen wird jede Firmung anders, weil ich die Jugendlichen, die zur Firmug kommen, etwas wahrgenommen habe. Besonders persönlich wird eine Feier, wenn die Jugendlichen auch selber musizieren, singen oder gar ein Zeugnis geben, warum sie sich firmen lassen wollen. Die Projektgruppe Neues Geistliches Lied hat kürzlich in Workshops tolle neue, zur Firmung passende Lieder vorgestellt, die man einüben könnte. Ein wenig anstrengend ist es dann, wenn über Monate  jeden Samstag und jeden Sonntag eine Firmung ist und ich somit lauter Festtage und keine „normalen“ Sonntagsgottesdienste erlebe.

Foto_Dario Vittani

Foto_Dario Vittani

Für manche ist die Firmung der Abschluss der „Kirchen-Karriere“…

In einigen Pfarreien gibt es jugendliche Firmgruppenleiter, die ihre jüngeren Kolleginnen und Kollegen auf den Weg zur Firmung  begleiten. Jugendchöre oder Ministranten- oder Lektorinnendienste, Jubla und Pfadi sind weitere Möglichkeiten, mit ihnen im Kontakt zu bleiben. So oder so: Firmung ist die Zusage Gottes: Ich habe dich gern, ich bin bei dir. Auch wer Gott den Rücken zukehrt oder einen Bogen um die Kirche macht, Gott sagt ihm: Ich warte auf dich, ich trage dich. Das ist das Siegel der Firmung, und dieser Rückenwind  Gottes ist ein Geschenk für jeden jungen Menschen, für seinen ganz persönlichen Lebensweg, wie immer dieser aussieht.

Materialtipp :

Die Jugendseelsorge hat in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Religionspädagogik die DVD „The level beyond- Unterwegs als FirmbegleiterIn“ (Preis: CHF 25) und die  Broschüre „Firmung. Eckwerte für die katholische Kirche im Kanton Zürich“ entwickelt. Diese können beim Sekretariat der Jugendseelsorge info@jugendseelsorge.ch bezogen werden.