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Diakonat für Frauen

Diakonat für Frauen
Redaktionsteam
Katholische Kirche im Kanton Zürich
Die Beiträge im Blog geben die Haltung der Autoren wider und müssen nicht in jedem Fall mit der offiziellen Haltung der kirchlichen Körperschaft übereinstimmen.
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03. Juni 2016

Papst Franziskus will mehr Klarheit über den Diakonat der Frau, wie die frühe Kirche ihn kannte.  Bei einem Treffen mit Ordensoberinnen aus allen Erdteilen dachte er laut darüber nach, eine Kommission einzurichten. Diese soll die Aufgaben der Diakoninnen der frühen Kirche klären, um daraus allenfalls Schlussfolgerungen für eine zukünftige kirchliche Praxis zu ziehen. Eine Weihe zur Diakonin würde bedeutet, zum Klerus zu gehören.  Ein erster Schritt Richtung Priesterweihe für die Frau? Wie kommt das bei den Frauen selber an? Amanda Ehrler, die Präsidentin des Kantonalen Frauenbundes , denkt in diesem Blogbeitrag darüber nach.

Nur eine Randnotiz

Zehn Tage vor dem Treffen der Ordensoberinnen in Rom startete in St. Gallen die Pilgergruppe „Für eine „Kirche mit* den Frauen“ . Noch ist mir der Aussendungsgottesdienst in bester Erinnerung. Die Feier wirkte auf mich wie eine Vision für ein neues Miteinander in der Kirche. Eine Woche später verbrachte ich einige Tage in der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé . Das gelebte und gefeierte Miteinander dort beflügelte meine Vision. Zwischen diesen zwei prägenden Erlebnissen nahm ich die Frage des Diakonats für Frauen kaum wahr.

Männer in Rom mögen eine längst überfällige Frage neu zu studieren beginnen. Ob sie das mit Frauen zusammen tun werden? Immerhin bewegt sich was.

Wann endlich?

Wann endlich wird es sein, dass Frauen zum Diakonat zugelassen werden? So fragen viele. Sie erhoffen es seit Jahren. Ich stelle die Frage anders.

Ist die Beteiligung am Weiheamt für uns Frauen wirklich erstrebenswert? Ich wünsche und hoffe vielmehr, dass wir, Frauen und Männer, der verfilzten Hierarchie endlich entwachsen!

Sie sind doch einfach nur ätzend, all die Fragen darum, wer was darf oder wem was zusteht. „Lauft zu den Jüngern und sagt ihnen: Er lebt“, heisst es im Matthäus-Evangelium (Mt, 28,7). Im Innersten berührt und in grosser Freude liefen die Frauen. Sie laufen bis heute.

Getauft und gottgeweiht

870 Ordensfrauen aus aller Welt waren am 12. Mai mit Papst Franziskus im Gespräch . Gottgeweihte Frauen, Vertreterinnen einer unzählbaren Menge von Frauen im diakonischen Einsatz für Menschen. Sie versuchen, Jesus gleich, den Ärmsten und Notleidenden nahe zu sein. Dazu brauchte und braucht es keine besondere Weihe. Getauft und gottgeweiht genügt. Frauen in Ehe und Familie, Frauen im pastoralen Dienst laufen mit der Botschaft des Lebens. Die Diakonatsweihe für Frauen wäre bloss eine Stufe auf der Treppe der Hierarchie. Dafür lohnt es sich nicht zu laufen.

Die drängende Frage heute ist die einer glaubwürdigen Kirche. Einer Kirche als Gemeinschaft, in der Männer und Frauen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene sich gleich würdig miteinander auf dem Weg wissen.

In der Einfachheit des Lebens wird Christus uns dort begegnen, wo er uns vorausgegangen ist.

Kirche in konzentrischen Kreisen

Im Gespräch mit Frère Roger Schutz , dem Gründer der ökumenischen Gemeinschaft in Taizé, sprach Papst Johannes XXIII. von einer „Kirche in konzentrischen Kreisen“. Werfen sie einen Stein ins Wasser. Das Bild bewegt. Kraft unserer Taufe sind wir alle ermächtigt, der geheimnisvollen Kraft Gottes in dieser Welt Gestalt zu geben.

Entdecken was gegeben ist

In seinem Anliegen um Versöhnung sagte Roger Schutz: „Die Einheit muss nicht hergestellt werden, sie muss entdeckt werden.“ Genauso kann gesagt werden:

Die Gleichheit von Mann und Frau in der Kirche muss nicht hergestellt werden, sie muss entdeckt werden.

Als Kantonalverband KFB des Schweizerisch Katholischen Frauenbundes SKF ist es unser Anliegen, Frauen zu ermutigen:

„Lebt euer Charisma. Folgt dem Geist Gottes. Ihr habt nichts zu verlieren. Ihr könnt alles gewinnen“ (Katharina Ganz, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen im Interview mit Radio Vatikan ).

Mit der Delegiertenversammlung am 14. Juni werfen wir Steine ins Wasser. Sie ziehen ihre Kreise. Wir freuen uns, Vertreterinnen aus den Ortsvereinen des Kantons Zürich im Centrum 66 willkommen zu heissen. Gemeinsam sind wir Kirche.

Amanda Ehrler

Amanda Ehrler ist Präsidentin des Katholischen Frauenbundes Zürich, dem Kantonalverband des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes

Übersicht Links zum Thema Diakonat für die Frau:
http://www.radiovaticana.va/proxy/tedesco/tedarchi/2016/Mai16/ted13.05.16.htm