Kirche aktuell

Begegnungen an der Hochzeitsmesse

Begegnungen an der Hochzeitsmesse
Kerstin Lenz
Author
14. Januar 2014

Alljährlich machen sich diverse Seelsorgende aus reformierter und katholischer Kirche sowie Mitarbeitende der Verwaltung auf den Weg nach Oerlikon. Der Grund: Es ist Hochzeitsmesse und am Stand beider Kirchen möchten heiratswillige Pärchen – zumindest die, die eine kirchliche Trauung in Betracht ziehen – beraten werden. Unser Stand sieht edel aus: bunte Kirchenfenster, weisse schlichte Möbel. Es gibt den himmlischen Drink: süss, rosa, prickelnd aber ohne Alkohol.

Brautkleider en masse – Blicke in die falsche Richtung

An der Messe fühle ich mich wieder der Restaurant-Lockvogel im Türkei-Urlaub. Um die Blicke von den mehr oder weniger prachtvollen Kleidern am Stand gegenüber abzulenken (ich als Frau schaue auch als erstes dorthin), quatsche ich die Paare, Freundinnen, Mutter und Töchter gnadenlos an: „Grüezi, seid Ihr interessiert an Informationen über eine kirchliche Trauung?“ Wer verneint, zieht natürlich unbehelligt weiter. Häufig folgt ein schüchternes: „Ja, schon“, oder „Wir wissen noch gar nichts darüber“ oder aber „Schatz, komm mal“ her, von den Frauen, die prinzipiell drei Meter vor ihren Männern im Stechschritt über die Messe rasen.

Heiraten im Ausland, auf dem Berg, ohne Taufschein

Was dann folgt, ist oft kompliziert. Einige Beispiele: Ich bin getauft, er nicht, wir möchten katholisch heiraten aber in einer reformierten Kirche. Wir möchten unter freiem Himmel katholisch getraut werden. Wir suchen eine schöne Kirche im Zürcher Oberland, die nicht zu gross und nicht zu klein ist. Dann geht es los: entweder an den Computer oder rasch zu einem der Seelsorgenden am Stand – möglichst auch passend zur Konfession. Die Seelsorgenden nehmen sich Zeit, manche Pärchen sitzen bis zu einer halben Stunde bei „ihrem“ Seelsorgenden. Manchmal werden schon die Agenden gezückt, Termine und Telefonnummern ausgetauscht.

Kollege Zufall ist auch auf der Messe

Besonders in Erinnerung bleibt mir ein junges Pärchen, das ich anspreche: Beide katholisch, sie stammt aus dem Osten Deutschlands, in dem die Menschen aus der Geschichte heraus gar nicht getauft sind. Wohnhaft in der Stadt Zürich. Sie sind auf der Suche nach einem Pfarrer, der sie traut, möchten aber nicht in ihrer Heimatgemeinde heiraten, erzählen sie. Tja, ich frage weiter, ob sie denn einen Seelsorgenden kennen? Nein. Ob sie einen Seelsorgenden schätzen? Ja, rückt die Frau raus, sie gehen häufig zusammen in den Gottesdienst der Nachbargemeinde. Dort schätzen sie den Pfarrer, persönlich sind sie ihm aber noch nicht begegnet. Sie nennt auf Nachfrage den Namen des Pfarrer: Herr Böni. Da bin ich doch heilfroh, dass Pfarrer Alfred Böni drei Meter entfernt von uns ein Gespräch führt. Lange sitzt Pfarrer Böni danach mit den Paar im Gespräch.

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„Wir finden eine Lösung“; erzählt er mir danach. „Das war so ein sympathisches Paar.“ Und erzählt begeistert weiter, wie spannend für ihn die zwei Stunden an der Messe waren: Er begegnete seinen ehemaligen Schülern, Primarkindern aus dem Unti, die ihn nun als erwachsene Männer nach dreissig Jahren wieder erkannt haben, und schwärmt von den vielen Begegnungen – bereichernden und herausfordernden – , die er hier am Messestand der Kirchen an der Hochzeitsmesse erlebt hat. Und ist schon wieder auf dem Sprung in die Pfarrei: Ein Kind möchte getauft werden.

www.kirchenhochzeit.ch