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Armut von Familien halbieren: Vision und Herausforderung

Armut von Familien halbieren: Vision und Herausforderung
Redaktionsteam
Katholische Kirche im Kanton Zürich
Die Beiträge im Blog geben die Haltung der Autoren wider und müssen nicht in jedem Fall mit der offiziellen Haltung der kirchlichen Körperschaft übereinstimmen.
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17. Februar 2014

Die Caritas will in der Schweiz bis 2020 die Armut halbieren. „Im Alltag ist es immer wieder herausfordernd, dieser Vision Schritt für Schritt näherzukommen“, stellt Daniel Wirz fest. Als Mitarbeiter von Caritas Zürich engagiert er sich in der gleichnamigen nationalen Kampagne „Armut halbieren“ .

Die Journalistin Viviane Schwizer hat Caritas Zürich besucht und mit Geschäftsleitungsmitglied Daniel Wirz gesprochen. Für unseren Blog hat sie ein eindrückliches Stimmungsbild der Armut von Familien mitgebracht.

Zahnarztrechnung gefährdet das finanzielle Gleichgewicht

«Jeder fünfte Erwerbstätige in der Schweiz gerät aus dem finanziellen Gleichgewicht, wenn eine ausserordentliche Ausgabe von 2000 Franken ansteht», weiss Daniel Wirz von Caritas Zürich. Dies ist alarmierend und heisst auch, dass die Reserven von Einzelpersonen und Familien ständig schwinden. Verschiedene Faktoren sind dafür verantwortlich. Allen voran sind es vor allem Schulden und Probleme rund ums Wohnen , die insbesondere Familien gefährden.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:

  • 56% der Personen, die bei Caritas Zürich Rat suchen, haben Finanzfragen oder Schulden,
  • 9% sind von Wohnproblemen betroffen.

Die restlichen Schwierigkeiten sind in den Bereichen Arbeit , Migration und Beziehungen anzusiedeln. Die verschiedenen Probleme sind oft ineinander verzahnt, so dass gerade Familienarmut nicht einfach anzugehen ist.

Wohnen wird für alle problematischer

Als besonders alarmierend erachtet Daniel Wirz die Situation der Wohnkosten. In den vergangenen Jahren stiegen die Mieten im Kanton Zürich unaufhörlich. Die Löhne stiegen zwar auch, doch nicht so stark wie die Mieten . Günstiger Wohnraum wird immer knapper.

„Die Entwicklung betrifft alle. Armutsbetroffene Familien jedoch am meisten,“ hält Daniel Wirz fest.

Dabei sei nicht nur die Höhe der Wohnungsmiete entscheidend. Belastend könne die Lage des Logis an einem lärm- oder schadstoffreichen Ort oder auch fehlender Platz sein. «Es braucht neben einem Küchentisch zum Beispiel Platz für einen Tisch oder einen Pult, damit Kinder Hausaufgaben machen können», sagt Wirz. Wenn dieser fehle, sei das für die Familie stressfördernd. Falls die Wohnung weit weg von einem Zentrum liege, könne dies zudem zusätzliche Kosten verursachen. «Mobilität ist teuer», sagt der Caritas-Mitarbeiter unumwunden.

Working Poor: Kosten hoch – Lohn tief

Als Beispiel nennt er den aus Kostengründen abgelegen wohnenden Schichtarbeiter Klaus L. Er ist auf ein Auto angewiesen, um zu den vorgeschriebenen Zeiten spätabends oder früh am Morgen, überhaupt zur Arbeit zu kommen. Neben hohen Wohn- und Mobilitätskosten gibt es weitere Problemfelder: Niedrige Löhne bestimmter Berufsgruppen lassen betroffene Arbeitnehmer zu Working Poor werden. Das bedeutet, dass sie zwar ein Einkommen haben, dieses jedoch so tief ist, dass es unter der Armutsgrenze liegt. Auch Erwerbslosigkeit, eine Scheidung, ein Unfall oder gesundheitliche Probleme können Einzelpersonen und Familien an den Rand bringen.

Freiwillige begleiten und unterstützen

Bei der Bekämpfung der Armut legt Caritas Zürich einen Schwerpunkt auf die Prävention .

„Es braucht Instrumente, um vor allem Bildung und Integration zu fördern.“ Daniel Wirz, Caritas.

Deshalb klärt Caritas in der Beratung unter anderem, wie die Qualifikation der Klientinnen und Klienten verbessert werden kann. Ziel ist, dass dank dem anvisierten höheren Lohn die Existenz in der Zukunft gesichert wird.

Caritas ist ein katholisches Hilfswerk und fördert im Sinne der frühzeitigen Integration vor allem benachteiligte Kinder und Jugendliche . Angeboten werden beispielsweise «mit mir»-Patenschaften , um die Isolation zu durchbrechen und den Horizont der jungen Leute lustvoll zu erweitern.

„incluso“ heisst das Mentoring-Projekt, mit welchem Jugendliche auf der Suche nach einer Lehrstelle gecoacht werden. In den letzten zehn Jahren profitierten rund 900 Jugendliche von dieser Begleitung durch Freiwillige.

Vergünstigt einkaufen

Weitere Angebote von Caritas Zürich können ganz konkret das Portemonnaie schonen: Rund 100´000 Mal im Einsatz war im letzten Jahr im Kanton Zürich die «KulturLegi», die Nutzerinnen und Nutzern bei Sport -, Bildungs – und Kulturangeboten eine Reduktion von mindestens 30 Prozent garantiert. Caritas Zürich gibt die KulturLegi Personen ab, die am oder unter dem Existenzminimum leben.

Weiter bieten die beiden Caritas-Märkte in Zürich-Oerlikon und Winterthur vergünstigte Lebensmittel für Menschen mit knappem Budget an. In den Secondhand-Läden können zudem Mode und Accessoires zu teilweise sehr tiefen Preisen erstanden werden.

Caritas- Projekt Armut halbieren

Daniel Wirz: Die Caritas Zürich hilft Armutsbetroffenen. Foto Viviane Schwizer

Die Dunkelziffer ist hoch.

Wie viele Arme es im Kanton Zürich gibt, kann letztlich auch Caritas Zürich nicht beantworten. Der Bezug von bedarfsabhängigen Sozialleistungen im Jahr 2011 zeigt aber, wie viele Personen staatliche Unterstützung erhielten, weil ihr Einkommen unter dem Existenzminimum lag. Insgesamt erhielten im Berichtsjahr 99´390 Personen im Kanton Zürich Leistungen, was 7,2 % der Wohnbevölkerung entspricht. Eine Bundesstudie belegt, dass 60 % der Personen, die leistungsberechtigt sind, keinen Anspruch auf Hilfe erheben. Das bedeutet im Klartext, dass im Kanton Zürich noch viel mehr Personen armutsbetroffen sind, als in der offiziellen Statistik erscheinen. Ein Blick in den Züri-Blog der Caritas öffnet die Augen für die Armut in unserer Stadt.

Hilfe empfangen und Hilfe geben.

Armut ist keine Schande. Die Caritas Zürich hilft armutsbetroffenen Menschen , die Hilfe suchen, kompetent und unkompliziert. Sie ist mitten in der Stadt zu finden, an der Beckenhofstrasse 16 in 8006 Zürich. Erreichbar ist sie auch über Telefon: 044 366 68 68 oder E-Mail info@caritas-zuerich.ch

Damit Caritas möglichst vielen Menschen helfen kann, ist sie angewiesen auf Freiwillige , die Zeit für dringend nötige Hilfe investieren und sich in der einen oder anderen Art für Benachteiligte einsetzen.

Eine wirksame und willkommene Unterstützung im Kampf gegen die Armut sind aber auch Spenden auf das Postcheckkonto PC 80-12569-0

Weitere Informationen finden sich auf der Homepage http://www.caritas-zuerich.ch .