Filmpreis der Zürcher Kirchen geht an «Blue My Mind»

Der Preis der Zürcher Kirchen am 13. ZFF geht an den Film «Blue My Mind» von Lisa Brühlmann. Die Jury hat damit einen Schweizer Erstlingsfilm aus der Wettbewerbsreihe «Fokus: Schweiz, Deutschland und Österreich» ausgezeichnet.
Filmpreis der Zürcher Kirchen geht an «Blue My Mind»

Szene aus "Blue My Mind"

«Blue My Mind» hat die Jury der Zürcher Kirchen überzeugt, weil Lisa Brühlmann darin mutig der Frage nachgeht, warum Jugendlichen die Luft zum Atmen fehlt. Sie sprengt im Film drastisch und verstörend Grenzen. Künstlerisch originell zeigt sie das Innere der Teenagerin Mia. Das universelle Thema des Erwachsenwerdens trifft auf aktuelle Generationenkonflikte, die im Familienalltag stattfinden. Mit einer berührenden Metapher öffnet sie den Horizont für das Neue.

Schwere Konflikte und hoffnungsvoller Blick in die Zukunft

Das Erwachsenwerden ist schwierig. Gerade für Mia, die mit Ihren Eltern umgezogen ist und sich in einer neuen Schule zurechtfinden muss, wiegt die Last besonders schwer. Sie lebt in der Zürcher Agglo und fühlt sich fremd in einer Welt, die ganz in Blau getränkt ist. Ihr Körper verwandelt sich, die Eltern werden ihr fremd. Die Teenagerin muss einen Weg aus dieser Verlorenheit und Verzweiflung finden.

Unter der Regie von Lisa Brühlmann gerät dieses «Coming-of-Age-Drama» zu einem wahren Juwel. Sie wählt dabei die Form des Sozialdramas, das aber nicht in die Tragödie führt. Die verstörenden Erfahrungen der jungen Darstellerin vermischen sich mit Elementen des magischen Realismus. Dabei sprengt die junge Regisseurin in ihrem Erstlingswerk die Grenzen des Genres. Ihr gelingt ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft. Mit viel Empathie für die Figuren geht sie das universelle Thema des Erwachsenwerdens an. Drastisch ist die Darstellung des körperlichen Leidens, aber auch das vollständige Versagen der Eltern. Schlussendlich ist es die Solidarität unter Freundinnen, die zu einer Lösung des Konflikts führt.

Die Konflikte von Jugendlichen mit ihrer Umwelt und die Unfähigkeit der Elterngeneration damit umzugehen, waren ein starkes Thema in mehreren Filmen des «Fokus». Die Wahl der Jury ist auch ein Zeichen der Wertschätzung für dieses starke Familien-Thema in der Wettbewerbsreihe.

Politische Dokumentarfilme zeigen gesellschaftliche Bedeutung des ZFF

Neben dem ausgezeichneten Film hat die Jury auch intensiv über die Dokumentarfilme im Fokus-Wettbewerb diskutiert. Besonders aufgefallen ist dabei «Impreza – Das Fest» von Alexandra Wesolowski.

Das Fest. Anhand einer goldenen Hochzeit gibt die Regisseurin Einblick in ihre polnische Familie, ihre politischen Ansichten und deren Alltagsleben. Was gibt uns in Europa eine Orientierung? Und welche Werte sind für die Zukunft wichtig? Mit dem intimen Porträt einer Mittelschichtsfamilie schärft «Das Fest» die Wahrnehmung für die zeitgeschichtliche Aktualität in Europa.

Auch «Free Lunch Society», ein Film über die politische Debatte zum Grundeinkommen weltweit, hat den Anspruch auf politischen Diskurs und Auseinandersetzung unterstrichen. Insgesamt war der Fokus des 13. ZFF von starken Dokumentarfilmen geprägt, die sich mit wichtigen gesellschaftlichen Debatten beschäftigen.

Filme mit universeller Perspektive

Am ZFF hat die kirchliche Jury aus der Wettbewerbsreihe «Fokus: Schweiz, Deutschland und Österreich» mit zwölf Beiträgen einen Film als Preisträger ausgewählt. In der Expertengruppe sassen die Religionswissenschaftlerin Daria Pezzoli-Olgiati, die Zürcher Filmemacherin Lisa Blatter («Skizzen von Lou»), Zeno Cavigelli, Synodalrat der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, Bernhard Egg, Kirchenrat der reformierten Landeskirche und Charles Martig, Direktor des Katholischen Medienzentrums Zürich.

Die Jury bewertete die künstlerische Qualität, die biblische Sichtweise, die christliche Verantwortung und die Relevanz der Filme in Bezug auf aktuelle gesellschaftliche Auseinandersetzungen. Dabei wurden Filme mit universeller Perspektive gesucht. Zudem sollten die Beiträge auch christliche Verantwortung, Humanität und Menschenrechte berücksichtigen.

Dialog zwischen Religionen und Kulturen fördern

Der Preis wird ökumenisch ausgerichtet und fördert den Dialog zwischen den Religionen und Kulturen. Der Filmpreis der Zürcher Kirchen ist mit 5000 Franken datiert.

Kurzinformation: Filmpreis der Zürcher Kirchen am Zurich Film Festival, Preisverleihung heute, 5. Oktober, 19.00 Uhr im Sihlcity. Um 20.45 Uhr öffentliche Vorführung des Preisträgerfilms im Kino Arena.

Filmpreis der Zürcher Kirchen: www.kirchen-zuerich.ch/filmpreis

 

zuletzt verändert: 06.10.2017 12:41
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