Stellungnahme des Generalvikariates für die Kantone Zürich und Glarus zur Blick-Schlagzeile von heute (31.5.2010)

Die Zeitung ‚Blick‘ rollt heute unter dem Titel «Kirchen-Skandal» eine Angelegenheit auf, über die die Presse bereits vor Jahren berichtet hatte. Der Vorwurf: Der 2005 wegen Herunterladens von pornografischen Kinder- und Jugendbildern verurteilte Priester arbeite als Italienerseelsorger in Bülach, und die Kirche verschweige dies den Gemeindemitgliedern. Dazu hält das Generalvikariat fest:

 

  1. Über die Angelegenheit ist seinerzeit von den Medien breit berichtet worden.

  2. Es ist nirgendwo üblich, über das Vorleben einer neu anzustellenden Person an einer Betriebsversammlung zu orientieren. Es reicht, wenn die Anstellungsbehörden und der Mitarbeiterkreis offen ins Bild gesetzt werden, was in diesem Fall auch geschehen ist.

  3. Das bedauerliche Delikt darf nicht zu einer Vorverurteilung wegen nie eingetretener Geschehnisse werden. Der Priester hat keine sexuellen Übergriffe begangen, und sein Verhalten seit der Anstellung in Bülach ist tadellos. Auch auf seinen eigenen Wunsch hin sind mit der Anstellung strenge Kontrollmassnahmen verbunden, die mit dem Generalvikariat schriftlich vereinbart wurden. Im Übrigen hat er selber immer offen Auskunft gegeben, wenn er auf seine Verurteilung angesprochen wurde.

  4. Es trifft nicht zu, dass der Angeschuldigte als Spitalseelsorger arbeitet. Richtig ist, dass er aufgrund seiner Sprachkenntnisse Seelsorger der Unità Pastorale im Einzugsgebiet des Flughafens ist, wo er selbstverständlich auch alte und kranke Leute besucht. Ausser in öffentlichen Gottesdiensten hat er mit Kindern und Jugendlichen nichts zu tun.

  5. Aufgrund seiner Offenheit und der regelmässigen psychologischen Betreuung waren sich Generalvikariat und Anstellungsbehörde einig, dass dem gut Fünfzigjährigen eine zweite Chance gegeben werden sollte, die er unseres Erachtens gut genutzt hat. Eine lebenslange Ächtung wäre unmenschlich und würde der Kirche mit Recht in der Öffentlichkeit vorgeworfen.

 

Generalvikariat für die Kantone Zürich und Glarus

Dr. Josef Annen, Generalvikar mit Personalverantwortung

 

 

Zürich, 31.Mai 2010

 

zuletzt verändert: 16.08.2011 14:00