Permanenter Konsum?

Fixe freie Zeiten für Erholung, Ruhe und soziale Kontakte.
Permanenter Konsum?

Permanenter Konsum macht unfrei. Foto: Christian Murer

Medienmitteilung vom 25. Mai 2012

Permanenter Konsum macht unfrei

Es gibt zahlreiche Bedenken gegen die Initiative «Der Kunde ist König», welche die Menschen mehr zu Sklaven denn zu Königen macht. Die Katholische Kirche im Kanton Zürich setzt sich ein für den freien Sonntag als sichtbares Zeichen für Erholung, Ruhe und Musse sowie soziale Kontakte in einem immer hektischeren Leben.

Wir sind der Ansicht, dass es für unsere Gesellschaft eine grössere Freiheit bedeutet, wenn eine Mehrheit der Bevölkerung an einem Tag pro Woche keiner Verpflichtung nachgehen muss, als dass fehlendes Ei oder Mehl jederzeit eingekauft werden kann. Nichts gegen den Kuchen, der trotzdem gebacken werden kann. Die Nachbarin hilft gerne aus. Funktionierender sozialer Kontakt bleibt auf der Strecke, wenn immer mehr fixe freie Zeiten für alle wegbrechen.

Die vollständige Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ist ein weiterer Schritt hin zur Ökonomisierung des gesamten Lebens. Diese Entwicklung ist mit einem schleichenden Kulturwandel verbunden, der die Menschen nicht frei macht. Vielmehr verstärkt sich der Druck auf die kleineren Läden und auf die betroffenen Angestellten. Die Ausdehnung der Arbeitszeiten wird sich nicht auf die Verkaufsläden beschränken: Zulieferer, Techniker, Informatiker und andere müssten nachziehen. Und mit dem Wegfall der Sonntags- und Nachtruhe stellt sich die berechtigte Frage, warum Arbeitgeber die Sonntags- oder Nachtarbeit speziell honorieren sollen.

Gesundheitsstudien belegen, dass das rasante Lebenstempo ungesund ist und viele Menschen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt. So leiden von Burn-Out betroffene Menschen unter der zunehmenden Geschwindigkeit und Verfügbarkeit in allen Lebensbereichen und fallen wegen psychischen und physischen Beschwerden aus dem Arbeitsprozess. Die Wirtschaft selbst kennt das Phänomen und hat darauf bereits mit verschiedensten Angeboten (timeout, sabbatical, unbezahlter Urlaub, Auftank- und Entspannungsseminare, Ruhezonen usw.) reagiert.

Von den negativen Auswirkungen der vollständigen Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten wären einmal mehr jene Menschen in unserer Gesellschaft betroffen, die nicht die Wahlfreiheit haben, dann zu arbeiten, wenn sie möchten. Aufgrund ihrer beruflichen und finanziellen Situation können sie sich dem zusätzlichen Druck und den Nachteilen für ihr Wohlbefinden wie auch für ihr soziales Netz nicht entziehen.

Die regelmässige gemeinsame Arbeitsruhe aller am Wirtschaftsprozess beteiligten Menschen ist eine grundlegende Errungenschaft der jüdisch-christlichen Tradition. Der Staat schafft mit dem Sonntag die Voraussetzung für eine Zeitspanne gemeinsamer Ruhe und Erholung für den einzelnen Menschen, für die Familie und die ganze Gesellschaft und trägt damit bei zur psychischen, mentalen und körperlichen Gesundheit aller.

 

Benno Schnüriger                                      Josef Annen

Präsident Synodalrat                                  Generalvikar

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zuletzt verändert: 18.06.2012 16:23
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