Medienkonferenz zu Tätigkeitsprogramm

Kirche-Staat

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Kostenbeiträge an die anerkannten Religionsgemeinschaften

Video der Medienkonferenz zum Nachschauen (www.news.zh.ch)

 

Medienkonferenz vom 18. September 2012

Kostenbeiträge an die anerkannten Religionsgemeinschaften

Synodalrat der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich

Das Verhältnis zwischen Staat und Kirche steht nach fast 20 Jahren Arbeit – politische Vorstösse, Abstimmungen, Verfassungsänderungen, neuem Kirchengesetz und Übergangsregelung – auf einem neuen Fundament: eine weitgehend historisch begründete und gewachsene Verflechtung ist durch ein Verhältnis von gleichberechtigten Partnern abgelöst worden. Dieses ist geprägt von grösserer Autonomie, aber auch höherer Eigenverantwortung der Kirchen, einem neuen Finanzierungssystem und der Anerkennung zweier jüdischer Gemeinden.

Der Abschluss der Übergangszeit erfolgt 2013, just 50 Jahre nach der öffentlich-rechtlichen Anerkennung der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich mit der Annahme des damaligen Kirchengesetzes durch die Zürcher Stimmberechtigten. Wir werden unser 50-Jahrjubiläum 2013 dazu nutzen, der Zürcher Bevölkerung für diese Anerkennung mit speziellen Projekten zu danken und der Öffentlichkeit aufzuzeigen, wo sich die Katholische Kirche im Kanton Zürich im Kleinen und im Grossen zum Wohl der Menschen einsetzt.

Dieser Grundauftrag der Kirche wird von der Präambel der Kirchenordnung aufgenommen. In dieser steht, dass die katholischen Einwohnerinnen und Einwohner diese unter anderem erlassen haben «in der Absicht, im Kanton Zürich Voraussetzungen für eine lebendige Kirche zum Wohl der Menschen zu schaffen». In diesem Sinne haben Synodalrat und Generalvikar für die Legislaturperiode 2011 – 2015 die Diakonie, den Dienst an den Mitmenschen, als gemeinsamen Schwerpunkt ihres Wirkens festgelegt, wie es der Pastoralplan 1 „Für eine lebendige und solidarische Kirche“ aus dem Jahre 1999 postuliert hatte. Dieser führte aus, dass in der Diakonie das Wesen des Gemeindelebens und der Weltauftrag der Christen am deutlichsten zum Ausdruck kommen. Denn Jesus ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen.

Diesen Auftrag dokumentieren die vorliegenden Tätigkeitsprogramme der beiden Kirchen – Programme, welche Auskunft geben über kirchliche Tätigkeiten mit gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Es sind Tätigkeiten im Bereich der Diakonie – zum Beispiel Caritas, Spital- und Klinikseelsorge, Seelsorge für Menschen mit Behinderung, Polizei- und Notfallseelsorge, Bahnhofkirche, Flughafenpfarramt, hiv-aidsseelsorge – im Bereich der Jugend- und Erwachsenenbildung – z.B. Lehrlingsseelsorge, Mittelschulfoyers, Paulus-Akademie, Freie Katholische Schulen – im Bereich der Kultur (Chöre, Konzerte, Theater, Bücher und Filme) und Weiteres wie z.B. Kirchen als Kulturgüter, Pfarreizentren als Versammlungsorte auch für nichtkirchliche Organisationen und Gruppen. All diese Angebote, aber auch zahlreiche weitere mit ausgeprägt spirituellem Charakter, stehen nach katholischem Verständnis grundsätzlich allen Menschen offen.

Einen besonderen Hinweis verdient die Migranten- oder Anderssprachigenseelsorge. Hier bieten die Kirchgemeinden und die Körperschaft rund einem Drittel ihrer Mitglieder und vielen mit diesen verbundenen Menschen in über 20 im Kanton Zürich ansässigen Missionen ein Stück kulturelle und katholische Heimat. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Integration anderssprachiger Menschen im Kanton Zürich.

Diese von den Kirchen finanzierten und erbrachten Leistungen im gesamtgesellschaftlichen Interesse lassen sich in Zahlen ausgedrückt – in aller Bescheidenheit – sehen. Das Tätigkeitsprogramm der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich und den 75 katholischen Kirchgemeinden für die Jahre 2014-2019 zeigt: Von den in den Bereichen Bildung, Soziales, Kultur und Weiteres vorgesehenen insgesamt 180 Mio. Franken (Budget 2012) werden 109 Mio. Franken oder rund 60% für Leistungen mit gesamtgesellschaftlicher Bedeutung aufgewendet. Diesen Leistungen stehen gemäss aktueller Rechnung 2011 Einnahmen aus Steuererträgen natürlicher Personen in der Höhe von 124.6 Mio. Franken, Einnahmen aus Steuererträgen juristischer Personen von 56.7 Mio. Franken und Kostenbeiträge des Staates von 15.4 Mio. Franken gegenüber. Letztere erhöhen sich bis 2013 aufgrund der Übergangsregelung – Neuverteilung aufgrund der Mitgliederzahlen – auf 22.1 Mio. Franken.

Die Zahlen bestätigen, dass die Kirchen mit den Steuern ihrer Mitglieder auch einen Grossteil der erbrachten Leistungen im gesamtgesellschaftlichen Interesse finanzieren. Uns ist bewusst, dass der für 2012 budgetierte Gesamtaufwand die Gegenwart abbildet, er ist aber mit Blick auf das Programm 2014 - 2019 gleichzeitig die Basis für eigene oder unterstützte Tätigkeiten in der Zukunft. Dies garantieren die Kirchgemeinden und die Körperschaft durch ihr fast 50-jähriges Wirken.

Wir freuen uns über die Wertschätzung des Kantons und die Weiterführung der bewährten Partnerschaft. Eine Partnerschaft, die davon ausgeht, dass die Kirchen «weder Einrichtungen noch gar staatliche Organe, sondern vielmehr historisch gewachsene, gesellschaftliche Institutionen» (Antrag RR vom 31. Mai 2006 zum Kirchengesetz, S. 20) sind.

Die Katholische Kirche im Kanton Zürich wird sich weiterhin für den interkonfessionellen und –religiösen Dialog einsetzen und ihre soziale sowie integrative Funktion in der Gesellschaft wahrnehmen. Wir tun dies zusammen mit den beiden Schwesterkirchen, der reformierten Landeskirche und der christkatholischen Kirchgemeinde sowie dem Staat.

Benno Schnüriger

Präsident

Medienkonferenz Tätigkeitsprogramm

Tätigkeitsprogramm der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich für die Beitragsperiode 2014–2019

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Medienkonferenz Statement Schnüriger

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