Katholische Kirche im Kanton Zürich verliert und gewinnt Mitglieder (21.3.2011)

Am letzten Freitag hat die Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich die Zahlen zur Konfessionszugehörigkeit in den Gemeinden publiziert. Die Mitgliedschaftszahlen für die Katholische Kirche im Kanton Zürich vermitteln ein ambivalentes Bild: Während die Gesamtzahl der Mitglieder in etwa konstant geblieben ist, bedeuten die Kirchenaustritte mit knapp 6‘200 Personen Rekord.

Communiqué zur Kirchenmitgliedschaft 2010

Die Zahl der Katholikinnen und Katholiken im Kanton Zürich ist 2010 gegenüber 2009 mit 387‘678 praktisch konstant geblieben (minus 149). Diese war zwischen 2006 und 2009 um 10‘000 Mitglieder angewachsen. Damit sind 28.3 Prozent der Wohnbevölkerung mit gesamthaft 3‘171‘007 Personen katholisch. Die Gründe dafür liegen einerseits in der Zuwanderung, zum andern beim Geburtenüberschuss (Geburten minus Sterbefälle). Es waren wiederum viele Ausländer, die sich 2010 im Kanton Zürich niedergelassen haben. Zudem hat das Statistische Amt per Ende 2010 erstmals eine neue, für alle Gemeinden einheitliche Zählweise angewandt. Neu werden die Kurzaufenthalter präziser erfasst sowie die vorläufig Aufgenommenen, die schon über ein Jahr in der Gemeinde leben, mitgezählt.

Die starke Zuwanderung und der Geburtenüberschuss kompensieren die grosse Zahl von insgesamt 6‘161 Kirchenaustritten. War 2009 die Zahl derjenigen, die der Kirche den Rücken kehrten, gegenüber 2008 bereits um über 50 Prozent gestiegen, schnellten die Austritte 2010 gegenüber dem Vorjahr nochmals um 60 Prozent in die Höhe. Obwohl die Austretenden ihre Motive in der Regel nicht explizit angeben, verweisen verschiedene Indizien auf vier Hauptgründe für den Kirchenaustritt: die sexuellen Übergriffe und den Umgang damit, die Rehabilitierung von vier Bischöfen der Pius-Brüderschaft durch Papst Benedikt XVI. (darunter ein Holocaust-Leugner), die andauernden Querelen im Bistum Chur sowie finanzielle Überlegungen (Einsparung der Kirchensteuer).
Die Kircheneintritte bewegten sich 2010 mit 139 wie bisher auf bescheidenem Niveau.


Zürich, 21. März 2011/aru

 

Amtsblatt Nr. 11 vom 18. März 2011

zuletzt verändert: 16.08.2011 14:00