Erklärung des Generalvikariates Zürich betreffend Teilnahme am Zurich Pride Festival (11.3.2011)

1. Die katholische Kirche geht von der einzigartigen Würde bzw. von der Gottebenbildlichkeit jedes Menschen aus. Personen mit einer gleichgeschlechtlichen Neigung sind wie alle anderen berufen, mit Gottes Hilfe ein erfülltes Leben zu führen. Deshalb unterstützen wir alle Bemühungen, ihre Gottesbeziehung zu fördern und in der Gesellschaft für gegenseitigen Respekt, Wertschätzung und Toleranz zu werben. Wir sind gegen jegliche Diskriminierung.
2. Das Zurich Pride Festival „fördert und fordert“ in seinen Statuten „die Akzeptanz der LGBT-Lebensweise (Lesbian, Gay, Bisexuel, Transgender) in der Öffentlichkeit und im Alltag“. Hier geht es nicht nur um die Nicht-Diskriminierung einzelner Menschen, sondern auch um weitergehende sozialpolitische Ziele. Auf dieser Ebene gehen unsere Ansichten auseinander. Vor allem Kinder sind nach unserer Überzeugung für die Entwicklung ihrer Identität und menschlichen Reife auf die Geborgenheit einer stabilen, heterosexuellen Partnerschaft angewiesen. Schon allein aus diesem Grund können wir nicht alle sozialpolitischen Ziele des Zurich Pride Festivals gutheissen (Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe von Mann und Frau und entsprechendes Adoptionsrecht). Wir glauben, dass die Ehe als eine Gemeinschaft des ganzen Lebens von Mann und Frau für die Gesellschaft die beste und tragfähigste Grundlage ist.

3. Eine seelsorgliche Begleitung gleichgeschlechtlich veranlagter Menschen ist uns ein grosses Anliegen. Wir sind damit einverstanden, dass ein katholischer Seelsorger sich an einem ökumenischen Gebetstreffen im Rahmen des Zurich Pride Festivals beteiligt unter der Bedingung, dass durch diese Beteiligung in der Öffentlichkeit nicht der Eindruck entsteht, dass wir die sozialpolitischen Ziele des Zurich Pride Festivals über die Nicht-Diskriminierung hinaus unterstützen. Wir sind jedenfalls dankbar für die seitens der Organisatoren signalisierte Bereitschaft, in einem fruchtbaren Dialog eine geeignete Form dafür zu finden.
 
Zürich, 11. März 2011
Dr. Josef Annen
Generalvikar für die Kantone Zürich und Glarus
zuletzt verändert: 16.08.2011 14:00