Mit Überzeugung für eine neue Kirchenordnung der Katholiken im Kanton Zürich (22.1.2009)

Communiqué zur Sitzung der Römisch-katholischen Synode des Kantons Zürich - 22. Januar 2009
Die Synode der katholischen Körperschaft im Kanton Zürich hat an der ganztägigen Sitzung vom Donnerstag die neue Kirchenordnung in 2. Lesung beraten. Die Schlussabstimmung und Verabschiedung wird in einer Woche erfolgen. Danach kann sie den Katholiken im Kanton Zürich in einer Urnenabstimmung vorgelegt werden. Abstimmungstermin ist der 27. September 2009. Die neue Kirchenordnung tritt bei Annahme durch die Stimmberechtigten am 1. Januar 2010 in Kraft.

Bewährtes und Neuerungen


Die neue Kirchenordnung baut im Wesentlichen auf der bestehenden Kirchenordnung auf. Die seit 2006 geltende neue Kantonsverfassung und das neue Kirchengesetz, das auf den 1. Januar 2010 in Kraft treten wird, verlangten einerseits Vollzugsbestimmungen zur Umsetzung, geben aber der kirchlichen Körperschaft auch mehr Autonomie und Eigenverantwortung. Wesentliche Neuerungen sind die Einführung einer Judikative, das Mitgliederstimmrecht und die Volkswahl der Gemeindeleitenden in den Kirchgemeinden. Die vierte Sitzung der Synode, an der die Kirchenordnung zur Diskussion stand, diente vor allem der Klärung verschiedener Fragen. Materielle Änderungen wurden kaum mehr vorgenommen. Die Neuerungen wurden in zweiter Lesung deutlich bestätigt.

Judikative als neue Rekurs- und Aufsichtsinstanz

 

Die seit 1963 bestehende Römisch-katholische Körperschaft des Kantons Zürich wird neben der Exekutive Zentralkommission (künftig Synodalrat) und der Legislative Synode ab 2010 mit der Einführung einer Rekurskommission auch eine Judikative haben. Streitigkeiten innerhalb der Körperschaft werden künftig nicht mehr vom Verwaltungsgericht, sondern von der körperschaftseigenen Rekurskommission beurteilt. Bei arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen in den Kirchgemeinden wird der Synodalrat anstelle des Bezirksrates als erste Instanz wirken. Auch die Aufsicht über die Kirchgemeinden wird nicht mehr durch den Bezirksrat erfolgen, sondern durch die Rekurskommission. Bei der Anwendung staatlichen Rechts gemäss Kirchengesetz bleibt aber die Aufsicht dem Bezirks- und Regierungsrat vorbehalten.

Mitgliederstimmrecht


Dank der von der Verfassung eingeräumten Stimmrechtsautonomie kann ein altes Postulat umgesetzt werden, die Einführung des Mitgliederstimmrechts. Heute sind nur Schweizerbürgerinnen und -bürger in der kirchlichen Körperschaft stimm- und wahlberechtigt. Knapp ein Drittel der Katholiken im Kanton Zürich besitzen aber keinen Schweizer Pass. In den Pfarreien machen viele ausländische Katholiken sehr aktiv mit. Künftig sind alle Mitglieder, welche das 18. Lebensjahr zurückgelegt haben, den Schweizer Pass oder die Niederlassungs- respektive Aufenthaltsbewilligung besitzen, in kirchlichen Angelegenheiten stimm- und wahlberechtigt.

Selbstbewusst gegenüber dem Diözesanbischof


Viel zu diskutieren gaben die Bestimmungen zur Einführung der Volkswahl der Gemeindeleitung. Dass in den Kirchgemeinden künftig nicht nur die Pfarrer, sondern auch die Diakone oder Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten mit Gemeindeleitungsfunktion durch das Volk gewählt werden können, wurde vom Diözesanbischof Vitus Huonder in einer schriftlichen Stellungnahme als mit dem von Rom erlassenen Kirchenrecht als unvereinbar bezeichnet. Der Mangel an geeigneten Priestern für die Leitung einer Gemeinde veranlasste die Synodalen, trotz der Ablehnung durch den Diözesanbischof eine solche Volkswahl vorzusehen. Sie ist so ausgestaltet, dass sie nicht einer Pfarrwahl gleichgestellt sein kann und will. Für eine erspriessliche Ausübung der Leitungsfunktion ist eine gute Akzeptanz durch die Gemeinde erforderlich. Die kirchliche Leitungsfunktion des Diözesanbischofs wird vollumfänglich respektiert, indem nur eine von ihm zur Gemeindeleitung beauftragte Person gewählt werden kann.

 Zürich, 22. Januar 2009

zuletzt verändert: 16.08.2011 14:00