Kirchen im Kanton Zürich: Auf profilierter Basis in die Zukunft (18.8.2009)

Medienkonferenz - Abstimmung vom 27. September 2009 über die Kirchenordnungen der Evangelisch-reformierten Landeskirche und der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich
Medienmitteilung

Am 27. September 2009 stimmen die stimmberechtigten Mitglieder der reformierten und der katholischen Kirche im Kanton Zürich je über ihre Kirchenordnung ab. Die Überarbeitung der beiden innerkirchlichen Regelwerke ist nötig geworden durch die neue Kantonsverfassung von 2005 und durch das neue Kirchengesetz, das auf den 1. Januar 2010 in Kraft tritt. Mit diesen Schritten kommt ein langjähriger Reformprozess zum Abschluss.

Mit dem neuen Kirchengesetz bringt der Kanton die Wertschätzung für die integrative Leistung der Kirchen zum Ausdruck. Das Kirchengesetz regelt die Rechtsstellung und die Grundzüge der Organisation der kirchlichen Körperschaften sowie deren partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Kanton. Es sorgt bezüglich der staatlichen Beiträge auch für einen gerechten Ausgleich zwischen den Kirchen.

Kantonsverfassung und Kirchengesetz gewähren den öffentlich-rechtlichen Kirchen weitgehende Autonomie. Die Kompetenzen, die im Zuge dieser Neuregelung des Verhältnisses von Kirchen und Staat an die Kirchen übergehen, müssen in deren Kirchenordnungen neu festgelegt werden. Die Kirchenordnungen sind somit für beide Kirchen je ihre innerkirchliche gesetzliche Grundlage und ein wichtiges Arbeitsinstrument für alle, die in Kirchgemeinde und Pfarrei oder auf kantonaler Ebene Verantwortung tragen.

Die wichtigsten Neuerungen der reformierten Kirchenordnung

Neu ist die Kirchenordnung nach Handlungsfeldern gegliedert. Im ersten Teil werden stärker die theologischen Grundlagen und das Selbstverständnis der Landeskirche betont, z.B. die Präsenz in der Öffentlichkeit, die Nähe zu den Menschen, die ökumenische Zusammenarbeit und der interreligiöse Dialog.

Weiter erhalten alle Mitglieder ab 16 Jahren das aktive Stimm- und Wahlrecht. Dies gilt auch für die Mitglieder mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Beim passiven Wahlrecht - der Möglichkeit, sich in eine kirchliche Behörde wählen zu lassen - bleibt die Altersgrenze bei 18 Jahren.

Die Amtsdauer für die Pfarrerinnen und Pfarrer beträgt neu vier statt sechs Jahre. Die bisher übliche stille Bestätigungswahl wird durch eine obligatorische Wiederwahl an der Urne ersetzt. Die Stimmberechtigten erhalten so die Möglichkeit, ihrem Pfarrer, ihrer Pfarrerin alle vier Jahre das Vertrauen auszusprechen.

Weiter wird in der neuen Kirchenordnung die Kirchenmusik aufgewertet und es wurde ein separater Familien-Artikel eingefügt. Schliesslich verpflichtet sich die Landeskirche in der neuen Kirchenordnung zu «einer sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit».

Die wichtigsten Neuerungen der katholischen Kirchenordnung 

Zu den wichtigsten Neuerungen gehört die Schaffung einer Rekurskommission als eigene Rechtsmittel- und Aufsichtsinstanz. Zusammen mit dem Synodalrat nimmt sie die Aufsicht über die Kirchgemeinden und Zweckverbände wahr.

Im weiteren wird das Mitgliederstimmrecht für alle volljährigen Mitglieder der Körperschaft eingeführt, die im Kanton Zürich niedergelassen sind oder eine Aufenthaltsbewilligung haben.

Schliesslich wird das geltende Pfarrwahlrecht gestärkt, indem künftig auch Pfarradministratoren mit Gemeindeleitungsfunktion nach spätestens zwei Jahren gewählt werden. Kann kein Priester gewählt werden, sieht die Kirchenordnung neu vor, dass Diakone und Pastoralassistenten (-innen) mit Gemeindeleitungsfunktion an der Kirchgemeindeversammlung für drei Jahre gewählt werden können. Wählbar sind dabei lediglich Personen, welche die Voraussetzungen für die Amtsausübung nach der kirchlichen Ordnung erfüllen.

18. August 2009

zuletzt verändert: 16.08.2011 14:00