Stellungnahme zur Minarettverbots-Initiative (22.10.2009)

Am 29. November 2009 stimmt der Schweizer Souverän über die Volksinitiative «Gegen den Bau von Minaretten» ab. Die Römisch-katholische Zentralkommission des Kantons Zürich und das Generalvikariat für die Kantone Zürich und Glarus schliessen sich der Stellungnahme der Schweizer Bischofskonferenz an und lehnen die Minarettverbots-Initiative ab.

Die Katholische Kirche im Kanton Zürich findet es richtig, dass es in der Bundesverfassung keine religiösen Ausnahmeartikel mehr gibt. Und es sollen auch keine neuen eingeführt werden. Das friedliche Miteinander in der Gesellschaft setzt den gegenseitigen Respekt und den offenen Dialog voraus. Ein generelles Minarettverbot würde das Zusammenleben unnötig belasten und religiösen Unfrieden stiften. Zur Integration gehört, dass Menschen ihre Religion auch sichtbar leben dürfen. Zudem verlangt die Rechtsgleichheit, dass dies auch den Muslimen in unserem Land gestattet ist. Alles andere ist willkürlich, undemokratisch und mit den Menschenrechten nicht vereinbar.

Wir sind uns bewusst, dass die in der Schweiz geltende Religions- und Kultusfreiheit nicht in allen islamischen Ländern respektiert wird. Wir sehen auch, dass Christen in einigen islamischen Staaten diskriminiert und verfolgt werden. Doch, was wir anderswo als Unrecht empfinden, darf nicht dazu führen, dass alle hier lebenden Muslime für diese Zustände verantwortlich gemacht werden. Wir verkennen auch nicht die Ängste und Probleme in der Bevölkerung mit Blick auf den Islam. Aber die Menschen muslimischer Herkunft sind da bei uns und werden es auch bleiben.

Das von der Initiative verlangte Minarettverbot löst weder Probleme und Schwierigkeiten mit Muslimen, noch kann es gegen islamischen Radikalismus und Fundamentalismus etwas ausrichten. Vielmehr gelten Bundesverfassung, Rechtsordnung und Gesetze für alle Menschen in diesem Land. Die Errichtung und der Betrieb von allfälligen Minaretten sind im Rahmen der Bauvorschriften zu regeln. Es braucht also keine diskriminierenden Bestimmungen für einzelne Religionsgemeinschaften.

Die Minarettverbots-Initiative ist unserer Ansicht nach abzulehnen, da sie zu einer Polarisierung innerhalb unserer Gesellschaft und zu einem grossen Imageschaden für die Schweiz führt. Die Herausforderungen einer pluralistischen Gesellschaft können wir nur über den gemeinsamen Weg der Integration meistern. Grundlage dafür ist eine respekt- und würdevolle Begegnung mit allen Bevölkerungsgruppen und religiösen Gemeinschaften. Wie eine Gesellschaft die Würde ihrer Mitglieder achtet, entscheidet sich an ihrem Umgang mit Minderheiten.

Zürich, 21. Oktober 2009

Römisch-katholische Zentralkommission des Kantons Zürich
Dr. Benno Schnüriger, Präsident  

Generalvikariat für die Kantone Zürich und Glarus
Dr. Josef Annen, Bischofsvikar

zuletzt verändert: 16.08.2011 14:00