Stellungnahme der Katholischen Kirche im Kanton Zürich zur Demission von Weihbischof Paul Vollmar (15.10.2009)

Weihbischof Paul Vollmar wurde am 11. Oktober 1934 in der Nähe von Konstanz, dem früher für die alemannische Schweiz zuständigen Bischofssitz, geboren und am 14. März 1964 zum Priester geweiht. Er wurde Mitglied der Kongregation der Marianisten, welche in der westafrikanischen Mission tätig ist. Besonders Togo liegt ihm sehr am Herzen, von wo er vor 14 Tagen – zusammen mit anderen Mitgliedern der Schweizer Bischofskonferenz – zurück gekehrt ist. Seine Dissertation widmete Paul Vollmar den ‚liturgischen Anschauungen des Ignaz Heinrich Wessenberg’, dem letzten Generalvikar des im Jahre 1821 aufgehobenen Bistums Konstanz. Seine Kenntnisse der Liturgie haben dazu geführt, dass Paul Vollmar von der Schweizer Bischofskonferenz zum Vertreter der Schweiz in der römischen Kommission von Bischöfen zur Überarbeitung des ‚Missale Romanum’ bestellt wurde. Paul Vollmar kam 1968 als Religionslehrer und Hausgeistlicher für die Marianisten nach Zürich und wirkte zwischen 1972 und 1984 als Rektor der Freien Katholische Schulen Sumatra. In dieser Zeit leistete er regelmässige Einsätze als Seelsorger in den beiden Pfarreien Dielsdorf und Dietikon. Während seiner achtjährigen Amtszeit als Provinzial leitete er 65 Mitbrüder und reorganisierte den Orden.

Im Jahre 1993 wurde Paul Vollmar zusammen mit dem Zürcher Peter Henrici vom Papst zum Weihbischof des Bistums Chur ernannt mit dem Auftrag, die verfahrene Situation in der Diözese zu entkrampfen. Zunächst in Graubünden und in der Zentralschweiz tätig, wurde Paul Vollmar nach dem altersbedingten Rücktritt von Peter Henrici im Jahre 2003 der Verantwortliche für die Seelsorge in den Kantonen Zürich und Glarus. Deren zukünftige Planung war ihm sehr wichtig, wusste er doch, dass diese urbanen Gebiete andere Bedürfnisse haben als andere Bistumsteile. Der Einbezug der Seelsorgenden und des Gottesvolkes war für ihn ebenso selbstverständlich wie die Zusammenarbeit im Rahmen des dualen Systems mit den Verantwortlichen der kantonalzürcherischen Körperschaft. So unterstützte er die neue Kirchenordnung, über die am 27. September abgestimmt worden ist. Verbunden mit der seelsorgerlichen Planung durch Seelsorgerat und Dekanenkonferenz, stärkt die Kirchenordnung das Selbstverständnis der Zürcher Katholikinnen und Katholiken in der Gesellschaft. Auch die ökumenische Zusammenarbeit mit der Evangelisch-reformierten Schwesterkirche und mit anderen Glaubensgemeinschaften war ihm wichtig. 2007 erneuerte er mit dem 2. Zürcher Ökumenebrief die zentrale Aussage, dass die reformierte und katholische Kirche im Kanton Zürich viel mehr miteinander verbindet als trennt.

Die Katholische Kirche im Kanton Zürich nimmt mit Freude zur Kenntnis, dass mit der Ernennung von Josef Annen zum Generalvikar ad interim auf den 26. Oktober 2009 die Kontinuität gewahrt wird, wonach der Kanton Zürich seit dem Jahr 1956 ein eigenes Generalvikariat besitzt.

Weitere Entscheide bezüglich der Ernennung von Weihbischöfen liegen in der Kompetenz des Vatikans und sind noch nicht gefallen.

Für das Generalvikariat:  
Franz Stampfli  

Für die römisch-katholische Körperschaft:
Benno Schnüriger, Präsident der Zentralkommission

Zürich, 15. Oktober 2009

zuletzt verändert: 16.08.2011 14:00