Perspektiven wieder entdecken... (2014)

Um die 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten sich an der Tagung des Seelsorgerates am 17. Mai 2014 auf die Suche nach Visionen und Perspektiven. Ausgangspunkt war, dass die katholische Kirche seit dem 13. März 2013, seit der Wahl von Papst Franziskus, einen deutlichen "Klimawandel" erlebt. Dieser regt an zu der Frage, ob auch wir als katholische Kirche im Kanton Zürich Visionen und Perspektiven wieder entdecken sollten.
Perspektiven wieder entdecken... (2014)

Foto: A. Landtwing

Im Mittelpunkt stand ein Impulsreferat des emeritierten Weihbischofs Peter Henrici. Die aus seinen Anregungen entstandene Diskussion war geprägt von Offenheit, Respekt und gegenseitigem Hinhören.

Weihbischof Henrici "in Aktion"

Weihbischof Henrici eröffnete in einem lebendig erzählten und mit  Anekdoten angereicherten Rückblick von den Visionen, die ihn und die eigens eingerichtete Arbeitsgruppe in den 90-er Jahren angetrieben und bewegt haben. Ausgehend von den Veränderungen in der Gesellschaft entwickelte sich die Erkenntnis, dass die Kirche Schritt halten und sich weiterentwickeln muss. Programmatisch hiess dies einen Perspektivenwechsel zu wagen: von einer „Komm-her-Kirche“ zu einer „Geh-hin-Kirche“. Daraus entstand eine Präsenz der Kirche mit Seelsorgestellen wie am Flughafen, im Bahnhof oder im Einkaufszentrum Sihlcity. Eine weitere Schwerpunktsetzung war die Priorisierung der Diakonie. Die praktisch gelebte, christliche Liebe als glaubhaftes Zeugnis nach aussen sollte die Basis für die anderen Dimensionen von Kirche (Verkündigung und Liturgie) sein – ganz im Sinn des Zitats von Bischof Gaillot: „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts.“ In diesem Gefüge sollte auch der Dienst der Laien eine tragende Rolle spielen.

Diese Grundlagen wurden in einem intensiven Prozess in mehreren Jahren zu einem Arbeitspapier verarbeitet, das zur Vernehmlassung in die Pfarreien gegeben wurde. Der daraus entstandene Pastoralplan I mit dem Titeel "Für eine lebendige und soldarische Kirche" wollte und will nach wie vor motivieren, Perspektiven im Sinne des Apostolischen Schreibens von Papst Franzikus (EVANGELII GAUDIUM) wieder zu entdecken bzw. neu zu akzentuieren.

Für viele eindrücklich war die Diskussion mit dem Weihbischof: Es wurde deutlich, dass er bestens vertraut ist mit den pastoralen Gegebenheiten der heutigen Zeit. Von solch offenen und alltagsnahen Diskussionen, die gleichzeitig von grosser Klarheit des kirchlichen Würdenträgers geprägt sind, wünschten sich viele mehr.

Während gut einer Stunde wurden verschiedene Angebote vorgestellt, angefangen von der Behindertenseelsorge über das kirchliche Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene jenseits IM VIADUKT bis hin zur vielfältigen sozialen Arbeit in den Pfarreien. Wertvolle Impulse lieferten auch Gedanken zu Frauen in der Kirche, die Leitung der Pfarrei oder von Generalvikar Josef Annen zum Thema Liturgie.Dabei wurde auch deutlich, dass Etliches aus diesem Pastoralpan von 1999 bereits umgesetzt ist, Weiterentwicklungen aber auch noch anstehen.

Beim gemeinsamen Imbiss wurde der Gedankenaustausch lebhaft weitergeführt. Der Nachmittag war dann geprägt von einer "Perlensuche". Hierzu ermutigte der heutige Generalvikar Dr. Josef Annen, sich vom Heiligen Geist leiten zu lassen und mutig zu handeln. Ihn beeindruckt die römische Laiengemeinschaft Sant‘ Egidio, die beispielsweise am Heilig Abend Tische und Stühle in die altehrwürdige Basilika Santa Maria in Trastevere aufstellt und dort ein Festessen für Obdachlose organisiert. Hier findet mitten in der Kirche das Leben statt.

Die Teilnehmenden an der Tagung präsentierten so auch ihre besonderen Schätze ("Perlen"), welche das Leben in den Pfarreien kostbar machen. Zudem wurden weitere "Perlen" gesammelt, die noch der Umsetzung harren, aber für eine offene und mutige Kirche stehen. Die eindrückliche Vielfalt begeisterte die Anwesenden und motivierte sie, Impulse nach Hause in die eigene Pfarrei mitzunehmen und dort umzusetzen.

Freude, Dankbarkeit und Hoffnung schwangen in der Abschlussfeier mit, die - geleitet vom Initiator der Tagung, Pastoralamtsleiter Dr. Rudolf Vögele, dem Moderator des Nachmittags, Damian Kaeser-Casutt, sowie dem Kantor Andreas Gut von Küsnacht - den Tag zusammenfasste und zur weiteren Umsetzung um Gottes Segen bat.

Verweise
Pastoralplan I
zuletzt verändert: 22.05.2014 09:00