Wir sind dankbar

Pfarrer Dr. h.c. Ruedi Reich, Alt-Kirchenratspräsident, ist tot.
Wir sind dankbar

Gleichberechtigte Partner engagieren sich für das neue Kirchengesetz: Ruedi Reich und Benno Schnüriger, Synodalratspräsident, im Zürcher Rathaus. Foto: Viviane Schwizer

Am letzten Sonntag ist Alt-Kirchenratspräsident Ruedi Reich nach längerer, schwerer Krankheit im Alter von 67 Jahren in Zürich verstorben. Er hat insbesondere bei der Neuausrichtung des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat, in der Ökumene und beim offenen Dialog mit anderen Religionsgemeinschaften eine wichtige Initial- und Vermittlerrolle eingenommen.

Ökumenische Zusammenarbeit im Alltag

«Längst ist uns bewusst, dass unsere Kirchen viel mehr verbindet als trennt.»

Mit diesem einleitenden Satz im Ökumenebrief von 1997 dokumentierte Ruedi Reich seine Haltung, stets das Verbindende zu suchen – im Wissen, dass damit Unterschiede nicht aus der Welt geschafft werden. Zusammen mit dem damaligen Weihbischof Peter Henrici sprach er dem ökumenischen Alltag das Wort: «Wir sollten vermehrt fragen, warum wir etwas nicht gemeinsam mit unserer Schwesterkirche unternehmen. Wenn wir uns in bestimmten Dingen noch für ein getrenntes Vorgehen entscheiden, müsste das begründet werden. Kooperation ist die Norm, Alleingang die Abweichung.» In seine Amtszeit fallen denn auch gemeinsame Projekte der reformierten und katholischen Kirche wie die Seelsorge-Angebote im Flughafen Zürich-Kloten und im Zürcher Hauptbahnhof oder die Sihlcity-Kirche.

Einsatz für interreligiösen Dialog

Auf Initiative von Ruedi Reich wurde 2004 der Interreligiöse Runde Tisch gegründet. Nicht zuletzt für sein Engagement um den interreligiösen Dialog wurde ihm 2005 die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Zürich verliehen.

Kirchenpolitiker mit Humor

Ruedi Reich setzte sich mit grosser Offenheit und Souveränität für das seit 2012 geltende neue Kirchengesetz ein, das den öffentlich-rechtlich anerkannten Kirchen Gleichberechtigung und mehr Autonomie brachte.

Im Februar 2011 verabschiedete sich Ruedi Reich im Editorial des katholischen Informationsblattes u.a. mit folgendem Gedanken: «Als Kirchen erbringen wir zahlreiche Dienstleistungen für die Menschen. Und wir stehen vor gesamtgesellschaftlichen  Herausforderungen. Umso wichtiger wird es darum sein, uns nicht mit uns selber zu beschäftigen, sondern uns stets auf unsere gemeinsame Grundlage zu besinnen: das Evangelium von Jesus Christus. Diese Verpflichtung gibt uns Kraft, im Vertrauen auf das Wort Gottes mit Freude zum Wohl der Menschen zu wirken.»

Die Katholische Kirche im Kanton Zürich hatte in Ruedi Reich stets einen gradlinigen und verlässlichen Gesprächspartner. Ob als Seelsorger oder Kirchenpolitiker: Seine Warmherzigkeit und Zuverlässigkeit, seine geistreichen Reden und sein leiser Humor werden uns in Erinnerung blieben.

Die Katholische Kirche im Kanton Zürich ist dankbar.

Eine Würdigung von Weihbischof Peter Henrici folgt kommende Woche.

Links

Medienmitteilung der Evangelisch-reformierten Landeskirche zum Tod von Ruedi Reich (14. August 2012)

Webseite der Evangelisch-reformierten Landeskirche: www.zh.ref.ch

Todesanzeige der Katholischen Kirche im Kanton Zürich vom 16. August 2012

Informationsblatt Februar 2011, Editorial von Ruedi Reich

Ökumene-Briefe 1997 und 2007

zuletzt verändert: 15.08.2012 16:05
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