Seelsorgerat: Wo eine Tagung Tatkraft tankte

Wer vorwiegend ergraute Häupter erwartete, sah sich getäuscht: Das Durchschnittsalter lag knapp über 45. Gekommen waren über 70 Frauen und Männer aus den verschiedensten Pfarreien des Kantons Zürich – sie folgten dem Lockruf des Seelsorgerates mit der Einladung zur Impulstagung „Gott in der Familie entdecken“.
Seelsorgerat: Wo eine Tagung Tatkraft tankte

Foto: A. Landtwing

„Braucht es immer erst einen Weckruf im Sinn des Liedes von Reinhard May „What a lucky man you are“ bis wir realisieren, welches Glück Familie bedeutet?“, stimmte Rudolf Vögele, Leiter des Ressorts Pastoral im Generalvikariat die Teilnehmerrunde musikalisch zum Nachdenken ein. „Nein“ antwortete Referentin Dr. Helga Kohler-Spiegel in ihrem anschliessenden Referat, „es ist aber wichtig, dass wir uns darüber Rechenschaft geben, wie wir Familie verstehen.“ Fragt sie als Fachfrau Kinder nach deren Familie, bekommt sie ganz viele verschiedene Antworten: von der klassischen Familienkonstellation über die Ein-Eltern- zur Patchwork- bis hin zur verwandtschaftsübergreifenden Familie verstehen sich alle selbstverständlich als Familie. Wichtig sei, so die Referentin, die eigene Umgebung wahrzunehmen, den Blick dafür zu schärfen und genau hinzusehen, denn: „Jede Familie hat ihre eigenen Werte und Prägungen.“ Bei den Ausführungen, wie Glaube in der Familie an die nächste Generation weitergegeben werden könne, zielten ihre Fragen mitten in die Lebenswirklichkeit der Zuhörer: „Wen habe ich betend erlebt? Wann habe ich meinen Vater betend erlebt? Wann meine Mutter oder Grossmutter?“. Mit dem Wort von Papst Franziskus „Der Geist geht uns immer voraus: Gott kommt immer vor uns an“ ermunterte sie, in der Religion das Rückbindende und im Glauben das Festzuhaltende immer wieder neu zu entdecken, denn „das bedeutet ein Bindungsangebot über den Tod hinaus.“ In den Überlegungen, wie Paare gestärkt werden können, plädierte Kohler-Spiegel für Räume für junge Menschen, in denen Austausch möglich ist: Räume für Gespräche mit Erwachsenen und Gespräche über die Generationen hinweg, Räume, in denen davon erzählt wird, wie man Liebe im Alltag leben lernen kann. Ein wichtiges Anliegen waren ihr auch konkrete Orte, an denen man sich kennenlernen kann: „Menschen mit ähnlicher Sozialisation und ähnlichen Werten lernen sich kaum in einer Bar kennen.“

Als Impuls für die Familien erinnerte die Referentin an den Schatz von Geschichten und Bildern, Ritualen und Feiern, Gebeten und Liedern, der im christlichen Lebensvollzug zur Verfügung steht. Sie ermutigte Väter und Mütter, mit ihren Kindern viel Zeit zu verbringen und Angebote wahrzunehmen, die in heutigen beengten Wohnsituationen oftmals zu Hause platzmässig nicht mehr möglich sind: mit Holz arbeiten, basteln, Papier schöpfen usw. In kleinen Gruppen trugen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre eigenen Erfahrungen zusammen, die dann Dr. Helga Kohler-Spiegel wieder auf den Punkt brachte. Sie ermutigte aufgrund positiver Erfahrungen dazu, sich in Regionen zu vernetzen und „den Kreis des Gelungenen zu eröffnen“, indem man sich gegenseitig erzähle, was erfolgreich klappe. Der bereits beim Mittagessen weitergeführte rege Gedankenaustusch erfuhr am Nachmittag in Ateliers eine Fortsetzung. Neben Gertrud Schuster und Stefan Sigg von der Fachstelle Religionspädagogik gaben auch Matthias Koller von der Fachstelle Partnerschaft, Ehe und Familie St. Gallen, Adrian Marbacher von der Jugendseelsorge Zürich, Rudolf Vögele vom Generalvikariat oder Markus Neurohr vom Eheseminar Zürich Impulse weiter.

Ateliers in kleinen Gruppen

Zum Abschluss: Papst

Ein Gedanke von Papst Franziskus schloss die Tagung ab: „Gerade die gläubigen Laien sind berufen, ohne Furcht hinauszugehen, um auf die Menschen in den Städten zuzugehen: im Alltag, bei der Arbeit, als einzelne oder Familien, zusammen mit der Gemeinde oder in den kirchlichen Bewegungen, denen sie angehören, können sie die Mauer der Anonymität und der Gleichgültigkeit durchbrechen, die in den Städten fot unangefochten herrscht. Es geht darum, den Mut zum ersten Schritt aufzubringen und den anderen Menschen entgegenzugehen, um die Apostel der Stadtviertel zu sein.“

(Rede an die Teilnehmer der Vollversammlung des päpstlichen Rats für die Laien 07.02.2015)

zuletzt verändert: 17.03.2015 11:53