Generalvikar und Synodalrat nehmen Stellung

Nachdem in den letzten Wochen im Generalvikariat wie beim Synodalrat zahlreiche besorgte und wütende Reaktionen zu den Aussagen von Bischof Dr. Vitus Huonder eingetroffen sind, nehmen Generalvikar Josef Annen und Synodalratspräsident Benno Schnüriger gemeinsam Stellung. Sie drücken ihre Sorge aus, dass das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Kirche grossen Schaden nehmen. Sie bitten Homosexuelle und alle anderen, die skandalisiert sind um Entschuldigung, insbesondere auch die Schwestern und Brüder der evangelisch-reformierten Kirche.
Generalvikar und Synodalrat nehmen Stellung

Generalvikar Josef Annen (rechts) und Synodalratspräsident Benno Schnüriger. Foto: Christoph Wider

Medienmitteilung

Die Äusserungen von Bischof Vitus Huonder in Fulda vom 31. Juli 2015 zur Homosexualität werfen seit Wochen hohe Wellen. Im Generalvikariat und Synodalrat treffen seither zahlreiche besorgte und wütende Reaktionen von Gläubigen und Seelsorgenden ein. Bis heute haben wir uns bewusst mit einer öffentlichen Stellungnahme zurückgehalten, denn wir wollten den angekündigten (und am 12.8.15 eingegangenen) Brief des Bischofs an die Seelsorger und Seelsorgerinnen des Bistums abwarten. Dieser wurde in Kirche und Öffentlichkeit hinlänglich kommentiert.

Mit Sorge stellen wir fest, dass das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Kirche grossen Schaden nehmen.

Dankbar nehmen wir die klaren Stellungnahmen der Bischöfe von St. Gallen, Lausanne-Genf-Fribourg und Basel sowie von Abt Urban Federer zur Kenntnis. Wir vertrauen auf das Gewissen jedes und jeder Einzelnen und freuen uns mit den Worten von Bischof Markus Büchel „an jeder Beziehung, in der sich die Partner als gleichwertige, wertvolle, geliebte Kinder Gottes annehmen, die Würde des anderen achten und das Wohl der Person fördern.“

Als Katholische Kirche im Kanton Zürich und damit Teil des Bistums Chur ist es uns ein Anliegen, um Entschuldigung zu bitten: zuerst bei den homosexuellen Menschen, aber auch allen anderen, die skandalisiert sind. Unsere Entschuldigung richtet sich ebenfalls an die Schwestern und Brüder der evangelisch-reformierten Kirche. Auch sie sind vom entstandenen Schaden betroffen.

Der Vorfall macht deutlich, dass die katholische Kirche ihre Sexualnormen in der Gesellschaft nicht fundamentalistisch behaupten darf. Gefragt ist (was eigentlich der katholischen Tradition entspräche) ein Glaube, der das Gespräch mit der Vernunft sucht und vor ihr bestehen kann. Zukunft hat ein Glaube, der die vom Konzil geforderte Wahrnehmung der Zeichen der Zeit ernst nimmt. Dazu gehören der offene Dialog über wissenschaftliche Erkenntnisse zur Anthropologie, insbesondere zur Sexualität des Menschen, das Wahrnehmen der heute gelebten Familienvielfalt sowie der Respekt vor anderen Lebensentwürfen. Der von Papst Franziskus angestossene synodale Prozess zu Ehe und Familie weist in diese Richtung. Nicht vergessen ist seine Aussage «Wenn eine Person homosexuell ist und Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich, über ihn zu richten?»


Generalvikar Josef Annen

Synodalratspräsident Benno Schnüriger

 

Zürich, 17.8.2015

 

zuletzt verändert: 17.08.2015 16:54
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