Firmung als Integration in die Gemeinschaft

Nuntius Thomas Edward Gullickson ist nicht nur in Sachen Bischofswahl gefragt. Am 2. April spendet er in der Englischsprachigen Mission neun jungen Erwachsenen das Sakrament der Firmung.

Ein lauer Frühlingstag in Bern. Beim Eingangsportal zur Nuntiatur werden wir von einer Ordensschwester empfangen und in den Salon geleitet. Temperamentvoll erscheint Nuntius Gullickson und begrüsst uns in seiner Residenz. Direkt und unkompliziert steigen wir ins Thema ein. Welche pastorale Erfahrung bringt der Nuntius mit? Was meint er zum Firmalter? Und wie erklärt er den Firmanden in Zürich, was der Heilige Geist ist?

Arnold Landtwing und Nuntius Gullickson im Gespräch_FOTO_Christoph WiderArnold Landtwing im Gespräch mit Nuntius Thomas Edward Gullickson. Foto: Christoph Wider

Thomas Gullickson bringt seine pastorale Erfahrung schnell auf den Punkt: «Ich habe in Rom Theologie studiert und war dann fünf Jahre in der Seelsorge: drei Jahre davon als Religionslehrer an einer Highschool. Für drei Semester war ich auch noch Lateinlehrer. Schliesslich arbeitete ich zwei Jahre als Vikar an meiner Heimat-Kathedrale in Sioux Falls/South Dakota in der Seelsorge.» Anschliessend kehrte er für das Kirchenrechtsstudium nach Rom zurück. Eine spezielle Erinnerung verbindet er mit dem Jahr 1990, als er den Auftrag hatte, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in Prag die Nuntiatur neu zu eröffnen. Dort wurde er zum Gründungspfarrer der englischsprachigen Gemeinde in Prag.

Als junger Priester machte Gullickson in den 70-er Jahren in Sioux Falls die Erfahrung, dass Kinder der öffentlichen Schulen und Jugendliche der Highschool nur zu einem winzigen Teil das Angebot des ausserschulischen Religionsunterrichtes besuchten. Die Frage des Firmalters erachtet Gullickson als heikel, er plädiert aber klar für ein frühes Firmalter. Wenn die Firmung erst im fortgeschrittenen Alter gespendet wird, hat man sie seiner Meinung nach zu einem früheren Zeitpunkt verpasst: «Da war nicht genug Kraft in der Familie.» stellt er fest und ergänzt: «Vielleicht wäre es besser, wie beim byzantinischen Ritus, alle bereits bei der Taufe zu firmen und auch gleich die Erstkommunion zu geben. Dann ist die volle Integration in die Gemeinschaft der Kirche da.» Mit einem kritischen Blick auf das 2. Vatikanische Konzil meint er, man hätte mehr für die Familien tun müssen: «Wir haben es öfters verpasst, die Freizeit zugunsten einer Vertiefung des Glaubens im Leben der Familien zu gestalten.» Als Nuntius liegt es ihm fern, die Firmung als ein Sakrament der Reife zu bezeichnen. Für ihn liegt der Fokus auf der «vollständigen Integration in die Gemeinschaft des dreieinigen Gottes. Das ist die Firmung. Das bedeutet, dass man nicht unbedingt 16 oder 18 Jahre alt sein muss, um etwas zu entscheiden.»

Nuntius Thomas Edward Gullickson_FOTO_Christoph Wider

Nuntius Gullickson in seiner Residenz in Bern. Foto: Christoph Wider

Und wie erklärt er den Jugendlichen in Zürich, was der Heilige Geist ist? Die Antwort kommt mit einem Augenzwinkern: «Heiliger Geist ist die Nummer 3 in der Dreifaltigkeit», um dann auszuführen, dass Taufe, Erstkommunion und Firmung die volle Eingliederung in die Gemeinschaft der Kirche bedeuten. So einfach wie klar ist das für ihn.

Arnold Landtwing, Informationsbeauftragter des Generalvikariats für die Kantone Zürich und Glarus

Hinweis:

Nuntius Thomas Gullickson wird am 2. April in der englischsprachigen Mission in Zürich neun jungen Erwachsenen das Sakrament der Firmung spenden. Der Gottesdienst findet um 11.15 Uhr in der Kirche St. Anton (Neptunstr. 70) statt, anschliessend sind alle zu einem Apéro eingeladen.

Dieser Beitrag erschien auch im forum Nr. 7/2017 

zuletzt verändert: 27.03.2017 07:21
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