Gefängnisseelsorge

Verteidigung und Seelsorge in der Untersuchungshaft
Gefängnisseelsorge

Am 17. November 2011 fand in Zürich die alljährliche Gefängnisseelsorger-Konferenz statt mit dem Thema „Verteidigung und Seelsorge in der Untersuchungshaft“.

Am 17. November 2011 fand in Zürich die alljährliche Gefängnisseelsorger-Konferenz statt mit dem Thema „Verteidigung und Seelsorge in der Untersuchungshaft“.

Was haben Strafverteidiger und Gefängnisseelsorger/innen (GS) gemeinsam? Beide Berufsgruppen haben mit denselben Menschen zu tun: mit Gefangenen, die am Rande der Gesellschaft stehen, Mitmenschen, die sich oft einsam, verzweifelt, unverstanden und abgestempelt fühlen. Durch den Gefängnisaufenthalt sind sie nicht nur in eine akute Krise geraten, sondern leiden auch unter Existenzängsten. Die meisten befinden sich durch ihre Situation zusätzlich in einer peinlichen Beziehungsproblematik.

In den Referaten der Staatsanwaltschaft, der Strafverteidigung und durch Beiträge der GS wurde das gemeinsame Ziel deutlich, einen gelungenen Kontakt zu finden zu den Angeklagten, Vertrauen aufzubauen und ihnen in einer schweren Lebenssituation beizustehen.

Im Beitrag des Staatsanwaltes Dr. Stefan Heimgartner kam besonders das Thema der gesetzlichen Sicherstellung der Verteidigungsrechte von Untersuchungshäftlingen zu Sprache. Rechtsanwältin Tanja Knodel sprach über die Möglichkeiten und Grenzen der Strafverteidigung. Das Referat des GS Matthias Berger ging darauf aus, dass Angeklagte im Strafverteidiger vor allem ihren grossen Hoffnungsträger sehen, in den sie ihr ganzes Vertrauen setzen. Sie erwarten, dass er für ihre Rechte kämpft, gegebenenfalls ihre Unschuld beweist oder sie zumindest entlastet, sodass letztlich das Strafmass, das sie erwartet milde ausfällt und ihnen so eine positive Perspektive für ihre Zukunft ermöglicht wird. Manchmal – so stellte GS Matthias Berger fest – kippt dann aber dieses Vertrauen und schlägt um in Enttäuschung. Die GS werden dann zur Klagemauer der Inhaftierten.

Bei der Konferenz wurde deutlich, dass GS und Strafverteidiger viele Möglichkeiten haben, sich gemeinsam für das Wohl und die Rechte der Angeklagten einzusetzen. Dabei spielt der Austausch zwischen GS und Strafverteidiger eine bedeutende Rolle, weil dadurch das Engagement von beiden Berufsgruppen mit unterschiedlichem Auftrag transparent wird. Das Ziel, den Angeklagten mit Würde und Achtung zu begegnen und sich für ihre Rechte einzusetzen kann dadurch gemeinsam eingeschlagen werden.

Die Begegnung der Strafverteidiger und der GS war wertvoll, weil beide Seiten einen Einblick in ihre spezifische Tätigkeit für das Wohl der Angeklagten erhielten.

Pfr. Rolf Maria Reichle

Leiter der katholischen Gefängnisseelsorge im Kanton Zürich

zuletzt verändert: 28.11.2011 14:43
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