Führen in benediktinischer Tradition

Das jährliche Seelsorgekapitel - Treffen aller Seelsorgenden des Generalvikariats Zürich-Glarus - lockte mit dem Hauptredner Abt Urban vom Kloster Einsiedeln.
Führen in benediktinischer Tradition

Führen durch Übung: Abt Urban Federer. Foto: A. Landtwing

Wenn Abt Urban referiert, dann strömen die Zuhörer herbei. So geschehen am vergangenen Montag, als gut 180 Seelsorger und Seelsorgerinnen zum jährlichen Seelsorgekapitel zusammenkamen. Nach den statuarischen Geschäften illustrierte Abt Urban anhand der Regeln des Heiligen Benedikt, was Führung damals und heute bedeuten kann. Ein Ausschnitt aus den gesungenen Heilandsklagen des Karfreitags führte zum Thema Klagen. Bei genaueren Hinhören ist überraschend, dass für einmal Gott sich beklagt und nicht der Mensch. „Der Karfreitag,“ so Abt Urban, „kehrt vieles um. Der freiwillig machtlose Gott prangert das Machtgehabe des Menschen an.“ Zwar breche dann Ostern die Macht des Todes und eröffne mit der Hoffnung einen Sinnhorizont für das Leben. Die Haltung von Jesus zeige sich jedoch „ im bewussten Verzicht auf Macht, in der Liebe, bis sie weh tut.“ Diese Haltung muss prägend sein für christliches Handeln, vor allem auch für das Führen in der Kirche. Abt Urban stellte fest, dass Papst Franziskus viele verstöre und verunsichere, weil er genau das konsequent umsetze. In der Regel des Heiligen Benedikt finden sich auch andere, ganz alltagsnahe und praktische Anleitungen zur Frage, was Führen beinhaltet, nämlich Begleiten, Ermutigen, Trösten und Ermahnen. Dass diese Aufgabe damals wie heute schwierig und mühevoll ist, kann nachvollziehen, wer selber in der Verantwortung des Führens steht. Gilt es doch, den einen mit gewinnenden, den anderen mit tadelnden und den dritten mit überzeugenden Worten abzuholen und auf ihn einzugehen. Ein Abt als Vater der Klostergemeinschafft muss zuerst ein Hörender sein, der durch das eigene Wort und Beispiel massvoll und dienend den Nächsten im Auge hat. Führen nach Benedikt ist eine Kunst, eine Haltung, die eingeübt werden muss. Wer Verantwortung trage, so Abt Urban, tue gut daran, den Rat der Brüder anzuhören und dann mit sich selber zu Rate zu gehen. Mit einem Aufruf zu viel Stille und Demut mitten im Betrieb ermunterte Abt Urban zu einer karfreitäglichen Umkehrung der Werte und furchtlosem Führen im Horizont von Ostern.

zuletzt verändert: 24.03.2015 12:15