Eva-Maria Faber predigt mit Grossmünster-Pfarrer Sigrist

Katholische Predigt im reformierten Grossmünster? Passt! Zumindest, wenn Theologieprofessorin Eva-Maria Faber zusammen mit Pfarrer Christoph Sigrist am 22. Januar eine Dialogpredigt hält.
Eva-Maria Faber predigt mit Grossmünster-Pfarrer Sigrist

Theologieprofessorin Eva-Maria Faber predigt am 22. Januar 2017 im Grossmünster. Foto: Arnold Landtwing

Von Januar bis kurz nach Ostern prägt eine Predigtreihe zum Johannes-Evangelium die Gottesdienste im Grossmünster. An jedem Sonntag steht ein Text aus dem Johannes-Evangelium im Mittelpunkt der Predigt. Gerade weil Johannes so anders als seine Evangelisten-Kollegen über das Leben Jesu berichtet, fasziniert seine Botschaft, fordert heraus, regt an und manchmal auch auf.

Dialogpredigt mit katholischer Theologieprofessorin

Der Gottesdienst vom 22. Januar ist der Gebetswoche für die Einheit der Christen gewidmet. Da verwundert es kaum, dass Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist einen besonderen Gast für eine Dialogpredigt eingeladen hat: Die Churer Theologieprofessorin Eva-Maria Faber. Unter dem Titel „Der Wind und die christlichen Werte“ widmen sich die beiden dem Bibeltext aus Johannes 3,8: „Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weisst aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.“

Früchte der Reformation anerkennen

Wir haben Theologieprofessorin Eva-Maria Faber zu diesem besonderen Auftritt als katholische Theologin im reformierten Grossmünster befragt:

«Tut um Gottes Willen etwas Tapferes» mahnte Zwingli. Und jetzt predigt ausgerechnet eine katholische Professorin für Dogmatik und Fundamentaltheologie im Grossmünster. Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie angefragt wurden?

„Als der Pfarrer des Grossmünsters, Christoph Sigrist, mich anrief, war das eine dieser Anfragen, bei denen ich nicht lange überlegen muss, ob ich zusage. Dabei habe ich mir einmal vorgenommen, keine Einladung mehr am Telefon direkt anzunehmen …

Ich habe hohen Respekt vor den Protagonisten der Reformation. Sie sind ihren Weg mit grosser Ernsthaftigkeit und mit einem ungeheuren Engagement gegangen. An den Ort eingeladen zu werden, an dem Huldrych Zwingli gewirkt hat, ruft diesen Respekt wach, und es ist mir eine Ehre, dort predigen zu dürfen. Übrigens ist mir gerade dieses Wort von Zwingli sehr kostbar. Ich habe es sehr oft im Kopf und im Herzen, wenn ich auf kirchliche und politische Situationen schaue.“

Spielt es für Sie eine Rolle, dass Sie gerade zu Beginn des Reformationsjubiläums ins Grossmünster kommen?

„Ja, natürlich ist das ein Rahmen, der mir sehr bewusst ist. Mir persönlich ist es ein grosses Anliegen, dass wir Katholiken dem Reformationsjubiläum nicht nur von aussen zuschauen. Wir können und dürfen anerkennen, welche Früchte die Reformation getragen hat. Auch wir haben (jedenfalls inzwischen) davon profitiert. Zugleich sehen wir heute gemeinsam, dass es uns gut tut, aus abgrenzenden Haltungen herauszukommen und uns füreinander zu öffnen. Mein vorbereitendes Gespräch mit Christoph Sigrist war von dieser gegenseitigen Offenheit geprägt; und das sind für mich schöne Bausteine des Reformationsjubiläums.“

Welcher Wind weht denn im Gottesdienst vom 22. Januar um 10 Uhr - auf welches Thema können Gottesdienstbesucherinnen und -besucher sich freuen?

„Am 1. Januar 1519 begann Huldrych Zwingli im Grossmünster damit, die Schrift fortlaufend auszulegen, das heisst nicht einzelne Texte auszusuchen, sondern der Reihe nach die ganze Schrift auszulegen. Ich reihe mich gern in diese Tradition ein. Sie fordert dazu heraus, sich der Schrift zu stellen, ob sie einem gerade passt oder nicht. Insofern verband sich die "fordernde" Einladung von Christoph Sigrist nicht mit der Frage, was wir uns als "Thema" aussuchen. Uns ist die Auslegung des dritten Kapitels des Johannesevangeliums aufgetragen. Ein nicht einfacher Text; es begegnen uns dort sperrige und fordernde Worte Jesu. Es weht dort ein Wind, der aus Distanz ins Engagement herausholen will … und ich freue mich darauf, mich zusammen mit Christoph Sigrist und allen, die kommen, von diesem Wind erfassen zu lassen.“

Sonntag 22. Januar 10:00 Uhr
Der Wind und die christlichen Werte.
3. Predigt zu Johannes 3,8
Pfr. Christoph Sigrist, Liturgie und Predigt | Eva-Maria Faber, Gast | Andreas Jost, Orgel

Mehr Informationen zur Predigtreihe im Grossmünster gibt es hier

zuletzt verändert: 19.01.2017 11:48
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