Ethikpreis zu Leihmutterschaft, Armut und Eingliederung

Einbezug von Menschen mit Beeinträchtigungen im Gebäudemanagement, ethische Fragen zur Leihmutterschaft und die Verantwortung der reichen Länder in Bezug auf die Weltarmut: So breit und schwierig sind die Themen der Abschlussarbeiten an Hochschulen und Universitäten, die die Katholische Kirche im Kanton Zürich mit ihrem Ethikpreis auszeichnete.
Ethikpreis zu Leihmutterschaft, Armut und Eingliederung

Synodalrätin Ruth Thalmann gratuliert Berat Vishaj zum Ethikpreis. Foto: Simon Spengler

Im Rahmen der Synodensitzung im Rathaus verlieh die Ethikkommission der Katholischen Kirche im Kanton Zürich die Preise. „Mit dem Ethikpreis möchten wir als Kirche einen Beitrag zur öffentlichen Diskussion leisten. Viele ethische Fragen betreffen auch die Kirche und ihre Werte“, erklärte die zuständige Synodalrätin Ruth Thalmann dem versammelten katholischem Parlament im Zürcher Rathaus. Neben Abschlussarbeiten unterstützt die Ethikkommission auch Fachtagungen oder Publikationen zum Thema.

Die Preisträger mit der Ethikkommission. Foto: Simom Spengler

Erster Preis für Arbeit zu Eingliederung von Menschen mit Beeinträchtigungen

Für seine Abschlussarbeit an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften erhielt der 31jährige Vishaj Berat den ersten Preis mit einem Preisgeld von 5000 Franken. Unter dem Titel „Menschen mit Beeinträchtigungen besser im Facility-Management-Arbeitsmarkt inkludieren“ hatte Berat nicht nur Daten, sondern auch konkrete Vorschläge gesammelt, wie Menschen mit Beeinträchtigungen im Bereich Facility Management beschäftigt werden können. „Die erhobenen empirischen Daten sind aussagekräftig und zeigen Neues in dieser noch jungen Wissenschaft `Facility Management`“, lobte Hanspeter Schmitt (siehe Bild unten), Professor für Theologische Ethik an der Theologischen Hochschule Chur, die Arbeit von Vishaj Berat.

Laudator Prof. Hans-Peter Schmitt

„Menschen mit Beeinträchtigung finden wenig Eingang in den Arbeitsmarkt im Gebäudemanagement. Die ausgezeichnete Arbeit zeigt auf, wie das geändert werden könnte.“ Wenn von Inklusion die Rede sei, so sei die Gesellschaft gefragt, fuhr Schmitt fort: „Wie gehen wir bei der Eingliederung von behinderten Menschen vor?“ Vishaj Berat engagiert sich als Freiwilliger bei den Behindertenorganisationen Insieme und Pro Infirmis. So kam er auf das Thema seiner Abschlussarbeit am Institut für Facility Management.

Leihmutterschaft und Weltarmut – grosse Themen

Die mit dem zweiten Preis ausgezeichnete Master-Arbeit der erst 26 Jahre alten Sandrine Gehriger hat den Titel „Die moralische Rechtfertigung der Leihmutterschaft“ und befasst sich mit Fragen rund um die in der Schweiz verbotene Leihmutterschaft. Die Ethikerin Susanne Brauer, Studienleiterin der Paulus-Akademie, hob in ihrer Laudatio den Bezug zur Kirche hervor: „Da es um Familienkonstellationen geht, um die Qualität der Beziehungen, ist hier die Kirche vor Herausforderungen gestellt. Die veränderte Akzeptanz in der Gesellschaft mit unterschiedlichen Sichtweisen ist Realität. Auch Schweizer Paare reisen ins Ausland, um Dienstleistung einer Leihmutter in Anspruch zu nehmen.“

In ihrer Arbeit an der Universität Bern sei Sandrine Gehriger sehr detailliert und sorgfältig in der Argumentation vorgegangen, dabei aber ergebnisoffen geblieben, führte Brauer (Foto links) weiter aus.

Mit einem ebenfalls schwerwiegenden Thema hatte sich Anita Aerni (49) in ihrer Masterarbeit am Ethikzentrum der Universität Zürich beschäftigt: die Weltarmut und welche Verantwortung die reichen Nationen in Bezug auf diese haben. Laudator Prof. Hanspeter Schmitt: „Es gibt Probleme wie die Weltarmut, die uns sprachlos machen – fast apathisch. Lösungen sind sehr schwer zu finden. Deswegen sind gute fachwissenschaftliche Arbeiten dringend nötig.“

Die Katholische Kirche im Kanton Zürich engagiert sich auch künftig zu Fragen der Ethik und schreibt den Ethikpreis auch für das nächste Jahr wieder aus. Bereits benotete Arbeiten können bis Ende 2017 eingereicht werden.

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zuletzt verändert: 23.06.2017 11:50
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