Studie zu Tätigkeiten: Die Kirchen sind ihr Geld wert!

Dies der grossmehrheitliche Tenor in der Öffentlichkeit auf die Studie «Kirchliche Tätigkeiten mit gesamtgesellschaftlicher Bedeutung im Kanton Zürich». Wir haben Alt-Stadträtin Monika Stocker und Philipp Kutter, Stadtpräsident von Wädenswil und Zürcher Kantonsrat, um eine persönliche Stellungnahme zur Studie gebeten.
Studie zu Tätigkeiten: Die Kirchen sind ihr Geld wert!

Migrantenseelsorge der Katholischen Kirche im Kanton Zürich als Integrationsleistung von gesamtgesellschaftlichem Interesse: 50-Jahr-Jubiläum der English Mission. Foto: Beatrix Ledergerber

Die wichtigsten Ergebnisse des 170seitigen Schlussberichts vorneweg:
Die insgesamt über 86‘000 von den Kirchgemeinden und Fachstellen selbsterfassten Angebote haben einen Wert von mehr als 251 Millionen Franken. Zudem übertreffen die erhobenen Leistungen der reformierten und katholischen Kirche mit gesamtgesellschaftlicher Bedeutung mit 61,3 Millionen Franken die Beiträge des Kantons in der Höhe von 49,5 Millionen Franken an die beiden anerkannten Religionsgemeinschaften. Und: Die Studie weist für die reformierte und katholische Kirche jährlich rund 1,9 Millionen Freiwilligenstunden aus, was in etwa 870 Vollstellen und einem Geldwert von 86 Millionen Franken entspricht.

Für Monika Stocker zeigt die Studie deutlich, «dass die offiziellen Strukturen des Sozialstaates nicht genügen». Das Leben passiere nicht auf Ämtern, in Einrichtungen oder Akten. Hier soll gemäss Verfassung und Gesetz mit Wissen und Können Gerechtigkeit hergestellt werden. Für die Zuwendung brauche es aber andere Möglichkeiten: Nähe, Menschen, eine besondere Haltung. «Und mit Haltung ist in diesem Fall eine bedingungslose Akzeptanz gemeint». (Hier geht’s zum Blog von Monika Stocker.)

Philipp Kutter ist überzeugt, «dass Kirchen mit ihrem Wirken nicht nur den Glauben ihrer Mitglieder, sondern auch den sozialen Zusammenhalt in den Gemeinden stärken». Als aktuelles Beispiel führt er das besondere Geschenk der reformierten Kirchgemeinde Wädenswil an, die der Stadt und ihrer Bevölkerung mitten im Zentrum einen kleinen Park, eine Oase der Begegnung geschenkt hat. Kutter findet, die staatliche Anerkennung der Landeskirchen stärke den religiösen Frieden. «Diesen Weg müssen wir weitergehen.» (Hier geht’s zum Blog von Philipp Kutter.)

Auftraggeber der Studie waren die Direktion der Justiz und des Innern sowie die die Evangelisch-reformierte Landeskirche und die Römisch-katholische Körperschaft. Durchgeführt hat die Studie ein Team des Instituts für Politikwissenschaft an der Universität Zürich unter der Leitung von Prof. Thomas Widmer.

Zwischen Oktober 2015 und September 2016 haben insgesamt 310 reformierte und katholische Kirchgemeinden sowie Fachstellen über 86‘000 Angebote im Rahmen einer Online-Erhebung erfasst.
Zusätzlich erfolgten Befragungen der politischen Gemeinden und der Bevölkerung im Kanton Zürich. Der Fokus dieser Befragungen und der Studie lag bei den vielfältigen Angeboten der beiden Kirchen, nicht beim Ermitteln des Werts der Kirchen als gesellschaftliche Institutionen in einer offenen, demokratisch organisierten Gesellschaft. Damit bleibt der Beitrag der beiden grossen Kirchen zur Solidarität, Stabilität oder zum Sozialkapital einer Gesellschaft ausgeblendet. 

www.zhkath.ch/studie

Informationsblatt Juli 2017

zuletzt verändert: 04.08.2017 11:03