Der «Mann von heute» löst mehr Paarberatungen aus

Raimondo Lettieri von der Paarberatung Zürich spricht über die Notwendigkeit subventionierter Paarberatungsstellen.
Der «Mann von heute» löst mehr Paarberatungen aus

Mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit leistet die Paarberatung wichtige Präventionsarbeit (Bild: C. Schneider)

Ein Blick hinter die Türen der ökumenisch getragenen Paarberatung Zürich.

Eine Ehefibel mit «kleine[n] Frechheiten für SIE & IHN» lockert die Atmosphäre im Wartezimmer der Paarberatung Zürich auf. Eine Stelle in der es in Sachen Beziehungen ans Eingemachte geht. Die Nöte und Sorgen von Menschen hört sich der Psychologe, Raimondo Lettieri, seit zehn Jahren an.

Sinnieren über Paarkonflikte

Gründe für Paarkonflikte sind wohl so zahlreich wie es Menschen gibt. Taucht man in die Statistik ein, zeigt sich: Nach wie vor suchen mehr Frauen als Männer die Beratungsstelle auf – die Männer holen aber auf. Dies schlägt sich in der steigenden Zahl an Paarberatungen nieder. Gründe dafür ortet Raimondo Lettieri im heutigen Manne bzw. in dessen Selbstverständnis: «Die Männer haben sich bewegt. Sie nehmen heute eine Beratung mit grösserer Selbstverständlichkeit in Anspruch.» Gestiegen sei in der Gesellschaft auch der Anspruch auf Qualität in der Beziehung. Gleichzeitig habe der Druck abgenommen, aus religiösen oder wirtschaftlichen Gründen zusammenzubleiben. Verschärft habe sich in den letzten Jahren auch der wirtschaftliche Druck auf die Erwerbstätigen und damit die Belastung für die Beziehung.

Auf der Warteliste  

Getragen wird die Paarberatung Zürich vom reformierten und dem katholischen Stadtverband und dem Kanton Zürich, der einen Beitrag von zehn Prozent leistet. Ein dichtes Netz an Praxen für Psychotherapie überzieht die Stadt. Dass die 200 Stellenprozente in der Beratung trotzdem dringend nötig sind, zeigt sich an der immer länger werdenden Warteliste. Nur wenige Therapeuten sind gemäss Lettieri spezialisiert und bereit, die oft anstrengende Paarberatung anzubieten. Hinzu kommt, viele können sich eine Therapie nicht leisten. Hier kann die Stelle ihre nach Einkommen und Anzahl Kindern abgestuften Tarife anbieten. Sorgen bereitet ihm der Spardruck, der auf die Kirche zukommt. Setzen die Kirchgemeinden den Rotstift an, könnten die Beratungsstellen gefährdet sein. Hoffnungsvoll stimmt Raimondo Lettieri, dass viele das Betreiben solcher Stellen als ihren christlich-sozialen Auftrag auffassen und den Nutzen nicht nur für die Paare selbst, sondern auch für die in der Familie lebenden Kinder erkennen.

Öffentlichkeitsarbeit zur Vorbeugung von Trennungen

Nebst der Paarberatung bietet die Stelle Beratungen für Einzelpersonen und Mediationen für Familien an. Eine eigene Rechtsberatungsstelle rundet das Angebot ab. Mit Werbekampagnen, Flyern, Interviews und ihrem Kursangebot leistet die Stelle zudem Präventionsarbeit. Denn ein wichtiger Erfolgsfaktor gemäss Lettieri ist, dass Paare mit ihren Problemen nicht erst auf dem Weg zum Scheidungsanwalt einen Abstecher in die Paarberatung machen.

www.paarberatung-zh.ch

www.paarimpuls.ch (Zusammenschluss aller Beratungsstellen im Kanton Zürich mit Kursen und Wochenendangeboten für Paare)

zuletzt verändert: 31.01.2014 16:50