Begegnung in Verantwortung im kirchlichen Umfeld

Die Schweizer Bischofskonferenz hat 2014 zusammen mit den Höheren Ordensoberen der Schweiz die überarbeiteten Richtlinien erlassen, die der Prävention sexueller Übergriffe im kirchlichen Umfeld dienen sollen.
Begegnung in Verantwortung im kirchlichen Umfeld

Joseph Bonnemain ist Sekretär des Fachgremiums "Sexuelle Übergriffe". Foto: K.Lenz

Zugleich hat die Diözese Chur einvernehmlich mit der Biberbrugger-Konferenz die Empfehlungen „Begegnung in Verantwortung“ veröffentlicht. Diese wurden allen Anstellungsorganen zu deren Umsetzung zugestellt.

Dieses hat nun auch Eingang in das Personalhandbuch der Katholischen Kirche im Kanton Zürich gefunden. Neue Muster der Anstellungsverfügungen stellte die Personalabteilung des Synodalrates im Dezember den Kirchenpflegen als Anstellungsbehörde, Dienstellenleitenden und den Pfarrämtern zu. Neuen Angestellten, die in seelsorgerlicher, erzieherischer oder betreuender Funktion tätig sind, sollen in Zukunft die Richtlinien in Kopie ausgehändigt werden, in der Anstellungsverfügung ein Passus über die Einhaltung der Richtlinien eingefügt werden. Diese sind rechtlich verbindlich und verpflichtend.

Verantwortung der Seelsorgenden

„Es geht darum, den in der Seelsorge tätigen Menschen das Gefälle in der Beziehung zu Hilfe suchenden Menschen klar zu machen“, erklärt Joseph Bonnemain, Offizial des Bistums Chur und Sekretär der Fachgremiums „Sexuelle Übergriffe“ der Bischofskonferenz. Er hat die Richtlinien mitentwickelt und steht hinter dem Papier. „Hier ist klar und konkret ausgearbeitet, worum es geht. Keiner kann nachher sagen, das war ihm so nicht bewusst“. Die Erwartungen an die Seelsorgeteams sind hoch: Auch subtilere Grenzüberschreitung, Autoritäts- und Machtmissbrauch sollen als Verletzung der Vertrauensstellung, die ein kirchlicher Mitarbeitender hat, erkannt werden. „Wir wissen, wie schwierig ist, so etwas wahrzunehmen und auch im Team anzusprechen“, so Joseph Bonnemain. „Dennoch ist es eine Pflicht, sensibel zu sein.“ Auch in Fortbildungen werden die Inhalte der Richtlinien thematisiert. Grundsätzlich geht es darum sich zu bemühen, fehlentwickelte Abhängigkeitsverhältnisse bei sich selbst – und auch bei anderen Teammitgliedern - frühzeitig wahrzunehmen, sie zu thematisieren und sie zu überwinden.

Langes Leiden der Betroffenen

Joseph Bonnemain hat in den letzten Jahren manche Gespräche mit von sexuellen Übergriffen betroffenen Menschen und versucht zu helfen, wo Hilfe möglich ist. „Die meisten leiden noch jahrzehntelang nach dem Ereignis an sich. Viele haben es nie geschafft, im Leben Fuss zu fassen“, so Joseph Bonnemain, der Theologe, Spitalseelsorger und auch Mediziner ist. So zitiert er mit Überzeugung einen Satz aus dem Vorwort der Richtlinien der Bischofskonferenz: „Wir stellen uns der Geschichte sexueller Übergriffe, nicht mehr weil wir müssen, sondern weil wir wollen.“

 

zuletzt verändert: 16.01.2015 09:10