Alles Gute zum Geburtstag, Roger Federer!

Am 8. August wird Roger Federer 36 Jahre alt. Im Sport ist das bereits ein hohes Alter, und dennoch gehört er immer noch zur absoluten Spitze im Welttennis. Er wird allseits hochgeschätzt und bewundert, selbst von seinen Rivalen. Diesen Sommer hat er zum achten Mal das Grand-Slam-Turnier von Wimbledon gewonnen. Spitalseelsorger Joseph Bonnemain zieht zum Geburtstag des Tennischampions Parallelen und bringt den Apostel Paulus ins Spiel.
Alles Gute zum Geburtstag, Roger Federer!

Roger Federer an der Pressekonferenz nach seinem Sieg in Wimbledon.

Was ist das Geheimnis einer so langen und erfolgreichen Karriere? Kurz nach seinem Wimbledon-Sieg gewährte Federer in einem Interview einen Blick hinter seine Kulissen.

Er nannte mehrere Punkte. Zuerst hätten die Menschen in seinem Umfeld vieles zum Erfolg beigetragen. Und sie würden ihm auch weiterhin sehr viel helfen, oben zu bleiben: „Man muss die Menschen in unserer Nähe wirklich ernst nehmen. Wir müssen uns sehr zu Herzen nehmen, was sie uns zu unserem Wohl anraten“. Man geht kaum fehl in der Annahme, dass Federer damit nicht nur berufliche Ratgeber meint (in seinem Fall die Tennis-Coaches), sondern ebenso auch alle anderen um uns herum, die uns mit Hinweisen, Kritiken, Anregungen und Empfehlungen helfen wollen. Unsere Nächsten kennen uns oft besser, als wir uns kennen, sie sehen uns objektiver, als wir selbst uns wahrnehmen. Eine konstruktive Korrektur hilft uns weit mehr als ein Lob und erst recht eine Schmeichelei.

Konstruktiv gegen der Strom schwimmen
Weiter sagte Federer: Wir müssten „Nonkonformisten mit uns selber sein“. Wer sich nicht immer wieder neu anstrengt, wer nichts mehr tut oder immer dasselbe tut, der ist zum Abstieg verurteilt. Eine passive Selbstzufriedenheit ist Gift für die Erneuerung und bringt keinen Fortschritt. Ein Selbstwertgefühl ist zwar notwendig, aber es muss «gesund» sein, nicht angekränkelt von Selbstüberschätzung oder dünkelhaftem Optimismus.

Die "fünf Geheimnisse" des Erfolgs
Und woher kommt der Antrieb zum ständigen, täglichen Sich-verbessern-Wollen? „Die Stabilität der Familie ist dafür die solide Basis“, weiss Federer. Er hat die Erfahrung gemacht, dass seine Frau und seine vier Kinder „die wirklichen fünf Geheimnisse“ seines Erfolges sind. Er bringt Familie und Beruf miteinander in Einklang. Alle Fünf begleiten ihn überall hin. Er lebe, sagte er, „mit zwei oder drei verschiedenen Uhren: Es gibt meinen Stundenplan, es gibt den Stundenplan der beiden Mädchen und es gibt den Stundenplan der beiden Buben“. Und Priorität hat die Familie: Zuerst kämen seine Frau und seine Kinder. „Es fehlt dabei nicht an Erkältungen, Hustenanfällen, hohem Fieber und schlaflosen Nächten", fügt er mit Humor hinzu, "aber das ist normal, das gehört zum Leben“.
Das Leben eines Menschen kann ein Evangelium, eine Frohbotschaft sein, auch das Leben eines Tennisspielers. Beim Lesen des Interviews musste ich an das Wort des Paulus denken: „Einer trage des anderen Last…“ (Gal 6,2). Wenn wir uns dazu entschliessen, dann werden auch wir zum Sieger, dann entdecken wir, dass diese Last nicht drückt und leicht zu tragen ist (vgl. Mt 11,30).

Joseph Bonnemain. Foto: Kerstin LenzJoseph Bonnemain, Bischofsvikar, ist Spitalseelsorger am Limmattal-Spital. 

 

 

zuletzt verändert: 08.08.2017 15:01
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