Kirche macht Ernst mit der Energiewende

Die katholischen Kirchgemeinden Zürichs nutzen immer mehr erneuerbare Energiequellen für ihre Kirchen, Pfarrhäuser und Pfarreizentren. Insgesamt sind in den nächsten Jahren Investitionen von bis zu 13 Millionen Franken vorgesehen.
Kirche macht Ernst mit der Energiewende

Das Zentrum der Pfarrei St. Franziskus mit Solarpanel auf dem Dach. Foto: zvg

‚Bewahrung der Schöpfung‘, ‚schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen‘ – das sind für die katholische Kirche Zürichs nicht einfach fromme Wünsche. "Wir wollen nicht nur predigen, sondern auch konkret unseren Beitrag zur Energiewende leisten“, erklärt Andreas Meile, Geschäftsführer des katholischen Stadtverbands. Der Zweckverband umfasst alle 23 Kirchgemeinden der Stadt Zürich. Konkret finanziert er bei allen anstehenden Renovations- und Bauvorhaben die Mehrkosten, die beim Umstieg von fossilen Energieträgern hin zur erneuerbaren Energie entstehen.

Bereits realisiert wurde die Installation einer Luft-Wärmepumpe in Maria Hilf in Leimbach; die Gebäude der Pfarrei Peter und Paul am Stauffacher wurden einem Wärmeverbund angeschlossen, welche durch eine Erdsonde gespiesen wird; in Heilig Kreuz in Altstetten wurden eine Erdsonde und eine Photovoltaik-Anlage installiert, ebenso in St. Franziskus in Wollishofen; auch Heilig Geist in Höngg wurde schon mit einer Solaranlage ausgestattet, eine weitere ist für Guthirt in Wipkingen in Planung. Für all diese Projekte hat der Stadtverband bereits knapp drei Millionen Franken investiert. Für die nächsten Jahre sind weitere 10 Millionen Franken an Investitionen für nachhaltige Energieerzeugung vorgesehen.

Energiecoaching gemeinsam mit der Stadt

Der katholische Stadtverband unterstützt seine Kirchgemeinden auch schon im Vorfeld von Bauvorhaben mit einem intensiven Energiecoaching. Dieses wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich entwickelt. Ein Energieberater untersucht zunächst mit den Betroffenen die unterschiedlichen Energiebedürfnisse der Liegenschaften. So werden Schwachstellen der Gebäudehülle, der Lüftung und Heizanlagen erkannt und Alternativen entwickelt. Dieses Coaching ist für die Kirchgemeinden ebenfalls kostenlos. „Ein besonderes Augenmerk richten wir auch auf die Beleuchtung“, betont Maria Decasper, selbst Architektin und Vorstandsmitglied des Stadtverbands. Konsequent werden nach Möglichkeit sparsame LED-Leuchtkörper  eingesetzt. „Damit sparen wir bis zu 90 Prozent der Stromkosten“, so Decasper. Die Photovoltaikanlagen, welche den Strom liefern, werden jeweils so ausgelegt, dass sie zumindest den Eigenbedarf decken, bestenfalls aber auch noch zusätzlichen Strom ins Netz einspeisen können.

Energiestrategie 2050 schon jetzt im Auge

Über die Energiewende wird im Vorfeld der eidgenössischen Abstimmung von nächstem Sonntag heftig gestritten. Für die katholische Kirche in Zürich ist die Energiewende keine Utopie für ferne Jahrzehnte, sondern bereits heute ein konkreter Auftrag. „Es gehört zum Wesen der Kirche, in längeren Zeiträumen zu denken und zu planen“, sagt Marcel Barth, Vizepräsident des Stadtverbands und ebenfalls Architekt. Es liege in der „Verantwortung gegenüber der Schöpfung Gottes, dass wir auch unseren Enkeln und Urenkeln eine lebenswerte Umwelt erhalten“. 

zuletzt verändert: 16.05.2017 08:48